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Der Israelit · 1875-11-17 · Heft 46 (17.11.1875) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 46 (17.11.1875)
Date
1875-11-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1026 über die Stirne, als wollte sie die Falten wegwischen und sagte in heiterem Toner „Aber das Hau», da» hast Du wieder ihm vor der Nase weggeschnappt, unsere Unterschrift auf den Contract war noch naß, wie er gekommen ist und dem Besitzer zweihundert Gulden mehr als wir zu bieten, er hat uämlich ohne daß wir'» gewußt haben, auch da» TheilhauS kaufen wollen .. -U spät war'S für ihn." „Ja .... von dem Haufe Hali' ich schon e NacheS°), wenn nur nicht der Untam, ein Jahr darauf da» Stockwerk über un» gekauft hätt' .... von dem .Ingenblick an gibt'» nicht al» Mifchpotim7)." „Aber," sagte Ester mit einem schelmischen Lächeln, „immer hat mein guter lieber Vater doch nicht recht." Budweiser blickte rasch auf und schnupfte heftig, ein Beweis einer gewissen Aufregung, die diesmal dadurch hervorgerufen war, daß er fühlen mochte, der Vorwnrf seiner Tochter wäre nicht ganz unbegründet. „Warum? Hab' ich vielleicht nicht recht gehabt, daß ich verlangt Hab', er muß mir zum Stiegenbau im ersten Stock beisteuern? — War'S nit zum Lache», wie er beim UnterbeSdin sagt: Nix koscher)! Wenn auch der erste Stock einfallt, mein zweiter Stock steht fest, daß der Dajan^) Reb Mosche Lasch, der wirklich sonst kein Spassenmacher ist — fein Mensch hat den je lachen gesehen — ihn fragt: Seid Ihr denn e Flieg' aS Ihr kennt in Eure Dire'O) hinauffliegen?" „Da hast Du ganz recht gehabt, aber daun mit dem Stiegenbau im zweiten Stock, da bist Du — verzeih mir, ein klein Bissel ein großer Akschan") gewesen, freilich brauchst Du die zweite Stiege nicht um in das TheilhauS im ersten Stock zu kommen, aber Suckoth12), wo Du kontraktlich das Benutzungsrecht der Sukke") am Boden hast, da gehst Du ja jedes Jahr acht Tage hinauf und Du siehst's ja, das Besdin hat gepaskent"), Du mußt ihm zu seinem Stiegenbau — freilich uur den vierzigsten Theil beitragen — und Du, Du hast lieber auf das Benutzungsrecht der Sukke für immer verzichtet und stellst lieber im gemeinschaftlichen Hofe eine aus Holz auf, wo dann Jakow 6) Vergnügen. 7) Prozesse. 8) Nichts gelegen! 9) Richter. 10) Wohnung. 11) hartnäckiger Eigensinn. 12) am Laubhüttenfest. 13) Laubhütte. 14) entschieden. wieder acht Tage lang, nur mit großer Mühe in feiue Holzkammer hineingehen kan». — Glaubst Du, daß das Jakow Schneider nicht ärgert? — Wenn das Besdin so entscheidet, warum zahlst Du nicht Deine» Beitrag und gehst weiter hinauf an die Sukke?" Budweiser blickte verlegen zur Erde, da» war eine Stelle, wo er sterblich war, da hatte der sonst minutiös redliche, biedere Mann, nicht vollkommen correct gehandelt. Er hatte zwar kein absolutes, kein nachweisbares Unrecht gethan, er hatte für die Folge auf ein ihm zustehendes Recht freiwillig verzichtet; aber es war eine Art Unbilligkeit; — denn wenn er auch von jetzt ab, die Sukke und daher auch die Treppe nicht weiter benutzte, so hatte er sie doch schon benutzt und diese war, wenn auch nur in mäßiger Weise, von ihm sowohl, als von seinen Rechtsvorgängern, auch abgenutzt worden. Daß der Morschon ") deS Klägers, da» nicht angeführt hatte, war offenbar nur ein Fehler, ein Uebersehen desselben gewesen. „Hm! — ich sag Dir» grad^), ich will nicht mit Jakow Schneider zusammen in der Sukke sitzen — er iS kein übler Mensch — aber ich kann mir nit helfen, e Hauptuntam iS er .... Da hast Du, aus allem schnitzt er sich gleich eine Rigse . . . . unsere Doppelthüre i» ihm nit recht . . . . hat er mich deshalb zum Besdin matriach17) gewesen und weil er mir's nicht verbieten kann, iS er sich nokem ") und wenn er vorübergeht bembertw) er sie zu, daß Himmel und Erde zittert — aber wir sind doch schon wieder gut gewesen, auf einmal ist er wieder stockbroges ao) geworden und ich bin wieder ganz unschuldig. Wir gehen beide in eine Schul"), die Pinchesschul"), ich habe dort von meinem Schweren^), er von seinem Vater, der vor zweiundfünfzig Jahren au» der Klaus gegangen ist, eine Stot geerbt . ... gut ... . Wir kleinere Leut', die wa« keinen Chower haben und dergleichen, und die doch gerne Joritow2*) aufgerufen 25) werden wollen und in der großen Schul, wo unbefchrien viele große Lomdim2^) und Kezinim sind, nit dazu kommen können, haben iu einer 15) Vertreter der Parteien beim Bes Din. 16) offen, aufrichtig. 17) bemüht. 18) rächt er sich. 19) schlägt. 20) stockböse. 21) besuchen eine Synagoge. 22) Pinkas. 23) Schwiegervater. 24) Feiertage. 25) zum Thoralesen angeruscn. 26) Talmudgelehrte.

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