Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1875)
- Date
- 1875-11-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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999 als jene welche die wenHe Worte Brinkens hervorriefen .... Die Spieler sprangen von ihren Sitzen auf, Stühle wurden um* — die Karten übereinander geworfen — Faüenberg — in seiner Art vollkommen, er ist eben ein vollendeter Schurke — blieb scheinbar am ruhigsten. Obgleich Leichenblasse über sein Gesicht zuckte, klang doch seine Stimme kräftig und unbefangen, als er entgegnete: „Herr Obrist, wenn ich Ihre grauen Haare nicht ehren würde, — würde ich auf diesen üblen Spaß gebührend antworten." „ES ist kein Scherz," erwiderte der Obrist, noch immer Fallenbergs Arm festhaltend .... darf ich Sie bitten, Herr Baron Tondern, gefälligst Ihre Hand in den Krackärmel des Herrn von Fallenberg zu stecken und Sie werden ohne Zweifel jene Coeur-Dame finden, deren wunderbares Verschwinden unserem guten Belkow hundert Louis kosten sollte .... Tondern zog die bezeichnete Karte aus dem Frackärmel. „Ein unangenehmer Zufall, ergriff Graf ,'lmberg als Hausherr jetzt das Wort .... gewiß Herr von Fallenberg .... aber Sie werden gefälligst Ihren heutigen Gewinn an die betreffenden Herren zurückerstatten." „Ich besitze ein Vermögen von zwei Millionen Thalern," rief Fallenberg, jetzt wo er Alles verloren sah, mit vor Wuth zitternder Stimme, „ich spiele nur zu meinem Vergnügen, wahrhaftig nicht um des Gewinnes halber .... hier, er warf sein Portefeuille auf den Tisch .... nehmen Sie sich Ihre Verluste .... und den Rest schenke ich dem Bürgerspital .... Sie werden es begreifen, daß ich in einer Gesellschaft, in der man einen Mann von meiner Stellung leichtsinnig des falschen Spieles bezüchtigt.... das zufällige Herabgleite» einer Karte, für Absichtlichkeit hält .... nicht länger bleiben kann .... Adieu! meine Herren . . . Sie, Herr Obrist, sollen morgen Weiteres von mir erfahren!" „Schurke! murmelte Obrist Brinken." „Fallenberg überhörte diese Beleidigung, ergriff seinen Hut und schriti rasch unbehelligt aus dem Zimmer." „Ich danke Ihnen herzlichst,' für die freundschaftlichste Rücksicht auf mein HauS; sprach Graf Amberg, ich danke Ihnen dafür, daß Sie jeden Streit vermieden haben_. . lassen Sie uns über den unangenehmen Vorfall schweigen .... Fallenberg wird es .wahchaWg nicht Mvhx wagen, das adelige Casino zu besuchen, oder sich unser« Kreisen zu nähern." „Tondern hatte, so erzählte er mir, bisher als lautloser Zuschauer dagestanden; aber in dem Momente, wo er gleichzeitig mit dem Obxisten das Verschwinden der Karte bemerkt hatte, überlief es ihm, siedendheiß vom Nacken bis zur Fußspitze es überkam ihm die stets leise geahnte und nur durch die Macht der Ereigniffe verdrängte Wahrheit .... Fallenberg habe den Schlußfchein gefälscht — er habe das Feuer in feinem Schlosse anlegen lassen." „Meine Herren," rief Tondern plötzlich, „Sie erinnern sich noch des Brandes in meinem Schlosse . . . . eS sind jetzt drei Jahre?" „Ja wohl .... wie fällt Ihnen aber das gerade jetzt ein? ... wie kommt das hierher? riefen die Herren noch erregt von der eben durchlebten Scene, durcheinander." „Nun denn, fuhr Tondern fort, ich schwöre es Ihnen bei dem lebendigen Gotte; — ich für meine Person, bin jetzt von der Ueberzeugung durchdrungen, daß Fallenberg, der Ankläger meines wackeren Löwenstammes, der Brandstifter war — Daß Löwenstamm vollkommen unschuldig . . Fallenberg befand sich an jenem Tag in meinem Schlosse.. „Löwenstamm hat stets für einen redlichen unbescholtenen Mann gegolten, meinten mehrere." „Ich bin ihm zum höchsten Danke verpflichtet; rief ein junger Mann, Baron Bolten; er hat mich — ich gestehe dies offen, arrangirt — mein Gut war übermäßig mit Hypotheken belastet, — seinen gediegenen Rathschlägen danke ich es, daß ich binnen kurzer Zeit aller Schulden frei und ledig wurde .... er entriß mich auch den Klauen eines betrügerischen, habsüchtigen Verwalters." „Da die meisten der anwesenden Herren, fuhr Baron Tondern fort, Löwenstamm von der besten Seite kennen, erlaube ich mir, Sie zu bitten, ein Majestäts - Gesuch um Revision des Löwenstamm'schen Prozesses, an den König zu richten. — Tondern setzte den Herren auseinander, daß Fallenberg an jenem Tage am Thatorte sich befunden . ... es aber damals selbstredend und Niemanden eingefallen, ihn dieser That oder ihrer Urheberschaft zu bezichtigen, es lagen bisher keine Judicien vor, aber jetzt, schloß Tondern seine Ansprache , da ich den elenden Charakter dieses Schurken jetzt kenne, erscheint es mir möglich, daß irgend ein Motiv der Brandlegung für ihn vorhanden w»r, daß sich jetzt bei einer neuerlichen, sorgfältigen Untersuchung, vielleicht auffinden ließe. — Ich werde sogleich morgen von meinem Rechtsconsulenten das Majestäts-Gesuch auSarbeiten und es in unserem Casino zur Unterschrift auflegen lassen, ich hoffe die Bittschrift wird in mehreren