Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1875)
- Date
- 1875-11-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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997 nach dem christlichen Osterfeiertage. Der Besuch des Königs in der 3*/2 Jahre zuvor neuerbauten und eingeweihten Synagoge ist durch einen Kupferstich verewigt, von welchem sich ein Exemplar auch in der Sammlung des kgl. Hofmarschall-Amtes befindet. Der König schenkte der Synagoge einen türkischen Teppich als Vorhang, der heute noch an einem hohen Feiertag die Lade mit den Gesetzesrollen schmückt. Die Bemerkung der „Kreuzztg." bezog sich auf das Schreiben eines evangle. Geistlichen in Cottbus. (JSr. Wochenschrift.) Cöln, 7. Nov. Die Würfel sind gefallen. Die Metropole des Rheinlandes hat nun einen Rabbiner und zwar in der Person des Herrn Dr. Frank, gegenwärtig Rabbiner in Linz a. d. D. und früher Schüler des Breslauer Seminars. Vor etwa 2 Monaten betraute der hiesige löbl. Synagogen-Vorstand eins seiner Mitglieder, mit der Mission, nach Linz zu gehen, um dort von den jüdischen Institutionen Einsicht zu nehmen. Dasselbe begab sich nach Linz, auf Veranlassung der orth. Partei, in Begleitung noch eines Gemeinde-Mitglieds, eines ebenso gelehrten als hochachtbaren ManneS und diese fanden, daß die dortige nipv, also eine der wichtigsten jüd. Institutionen, vollständig dSidd ist. Der Rabbiner dieser Gemeinde, die so musterhafte Institutionen hat, Herr Dr. Fran k, erklLrte, daß seine eigene Frau selbst diese mpo nicht besucht. Man kehrte hierher zurück und berichtete, was er gesehen und gehört, hat und doch wählte der löbl. Vorstand den Herrn Dr. Frank in der Sitzung vom 25. Oktober mit 3 gegen 2 Stimmen zum Rabbiner, worauf das einzige orthodoxe Mitglied des Vorstandes sofort aus dem Vorstand ausfchied. Dasselbe gab zum Protokoll, daß ihm die mir, verbietet, einen Mann wie Dr. Frank zum Rabbiner zu wählen und daß ihm die m,n aber auch verbietet, in einem Collegium zu bleiben, welches einen solchen Mann als Rabbiner anstellt. Am 1. d. Mts. wurde die Wahl des Herrn Dr. Frank von den Repräsentanten mit 11 gegen 4 Stimmen bestätigt, worauf Herr S. Marks sofort aus dem Repräsentanten- Collegium ausschied und steht der Austritt weiteren Repräsentanten-Mitglieder noch bevor. Herr Dr. Frank erklärt in einem Briefe an einen hiesigen Freund, daß ihm Nh 'd njn rrn heilig ist und doch wirkt er seit Jahren in einer Gemeinde, die keiue n,po hat! Wie weit ist doch daS Gewissen dieser Herren! In demselben Briefe schreibt der Herr Doctor: was meine Frau anbetrifft V5 rvnnDrun (wer lacht da) und diesem Herrn soll die Aufsicht über Schule, mpo nv'rio, also über die heiligsten Institutionen anvertraut werden? Die Wahl des Herrn Dr. Frank zum Rabbiner hiesiger Gemeinde wird hoffentlich den hiesigen Israeliten, — wir meinen die Israeliten, welchen die Religion ihrer Väter noch hoch und heilig ist und die unter Frömmigkeit etwas anders als Phrasenmacherei verstehen — eher nützen als schaden. Schon sind die orthodoxen Mitglieder aus dem Vorstand ausgeschieden und hoffentlich werden sich jetzt alle hiesige Jehudim ermannen, um auch hier nach dem Muster anderer Gemeinden eine separate fromme Kehilla zu bilden, zum Wohle der Gemeinde und zum Preise des Allmächtigen. (Nachschrift der Redaction: Wir werden, so Gott will, auf die Cölner Verhältnisse ausführlich zurückkommen. In einem angeblich orthodoxen Blatte wurde die isr. Gemeinde zu Cöln zur Acquirirung des Herrn Dr. F. beglückwünscht. Auch wir wünschen den Israeliten zu Cöln dieserhalb Glück, aber uur deßwegen, weil es dadurch nothwendiger Weise zu einer Ausscheidung der orthodoxen Elemente und zur Bildung einer orthodoxen Separat-Gemeinde kommen muß. Nur dadurch kann unsre heilige Religion erhalten werden. Mögen die Q'pbx '«o» in Cöln in mnx, ron« diesen Zweck energisch erstreben! —) Oesterr.- Ungarische Monarchie. Wien. Am 23. Dec. d. I. kommen zehn Freiherr v. Köuigswarter'sche Stipendien per 425 fl. auf ein Jahr Verleihung. Bon diesen zehn Stipendien sind drei für Hörer der Rechte, zwei für Hörer der Medicin, drei für Hörer der technischen Hochschule und zwei für Schüler der k. k. Akademie der bildenden Künste oder einer behördlich autorisirten Meisterjchule, alle nnr für Wien bestimmt. Ansprüche auf ein solches Stipendium haben nur jene Candidaten, welche in Wien geboren sind und dem Gemeindeverbande der Stadt Wien angehören, ohne Unterschied der Confession. Holland. Die Synagoge in Gendriugen, welche 1874 durch Feuer zerstört wurde, ist wieder durch ein neues, schönes Gebäude ersetzt, welches am 28. September eingeweiht wurde. Die hiezu nöthigen Geldsummen waren hauptsächlich durch Herrn vr. Ouwerstoot (christl. Geistlichen) gesammelt.