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Der Israelit · 1875-10-27 · Heft 43 (27.10.1875) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 43 (27.10.1875)
Date
1875-10-27
Page
– (sequence 20)
Language
German
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964 lagen gelangte er frühzeitig zu einer Reife des Urtheils und zu einer Tüchtigkeit der Bildung, die in der That allgemeines Staunen erregen mußte. Schnell und sicher ging er durch die Classen deS heimischen Gymnasiums, als der vorzüglichste Zögling wurde er von demselben zur Universität entlassen. Aber so viel der Vater für die'geistige Ausbildung des Sohnes that, ebenso eifrig arbeitete er an dessen moralischer und religiöser Entwickelung. Suchte er ihn einerseits mit den Grundsätzen strengster Rechtlichkeit zu erfüllen, so bemühte er sich anderseits, ihn als gläubigen und frommen Juden, der er selbst war, zu erziehen; und kein Anzeichen sprach dafür, daß diese Bemühungen bei dem jungen Gabriel fehlschlagen würden. Er war fromm und gewissenhaft in den Verrichtungen des Cultus, wie es der Vater war, dessen schwärmerische Liebe er in gleicher, beinahe stürmischer Weise erwiederte. Als Gabriel Herzfeld die Universität bezog, war er ein Jüngling von 18 Jahren, körperlich entwickelt, eine hohe Gestalt mit einem durchgeistigten, charaktervollen Gesicht. Mit Empfehlungen und Mitteln auf's Reichlichste ausgestattet, kam er in einen schönen und gebildeten Kreis, in dem er alsbald durch seine eminenten Talente und sein glühendes Streben nach Wissen Aufmerksamkeit erregte. Ein junger Mann mit soviel äußeren Vorzügen und dabei mit soviel Eifer und Begabung ausgestattet, war etwas Ungewöhnliches. Es öffnete sich ihm die beste Gesellschaft — und damit das Thor zu Versuchungen aller Art. (Schluß folgt.) A N ZEIG E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. {Nekrolog. Rülzheim. *D5 -rön -raa» naio -jyion St DTK ’J3D Eine Fromme hat vollendet. die Treuen schwinden dahin von den Menschenkindern. Wieder hat der Tod die Reihe unserer Frommen gelichtet. Frau Wittwe Mina Feitelmann hat am naiD n"m 'a or, im Alter von 76Jahren, das Zeitliche gesegnet. Wenn von irgend einer jüdischen Frau das schöne Wort: riiw mwen moy ancD npiis -]Ti3, „Ein graues Haupt ist eine herrliche Krone, auf dem Wege der Frömmigkeit wird sie erlangt," gesagt werden kann, so gilt es besonders von der Heimgegangenen, denn ihre Pflichten als Gattin. Hausfrau und Israelitin galten ihr als ihr Höchstes, ihr Theuerstes. Ihrem Gatten, der ihr schon vor 24 Jahren durch den Tod entrissen wurde, war ste stets eine treue und liebevolle Gefährtin, eine wahre Gehilstn des Lebens. Thätig früh und spät, so lange ihre Kräfte es nur geftatteteu, legte sie in emsiger Rührigkeit stets selbst Hand an's Werk und fand im häuslichen Wirken ihre größte Luft und Freude. So lebte sie auch für ihre Nebenmenschen. Wie hat sie so gern Beistand und Hilfe geleistet, wo es nöthig war! Die Klagen der Armen und Dürftigen fanden bei ihr kein" verschlossenes Ohr und kein verhärtetes Herz. Den Lehren und Vorschriften Gottes gemäß zu leben, war ihr Streben, ihr Ziel. Den Rathschlüfsen und Schickungen Gottes sich ganz anheimzustellen , erkannte sie für die Aufgabe des menschlichen Daseins und darum auch des ihrigen, und das hat sie auch bewährt in guten und schlimmen Tagen, von denen sie eben so wenig wie noch irgend ein Staubgeborner freigeblieben ist. Sie hinterläßt 5 Kinder, 32 Enkel und 1 Urenkel. Mit Recht dürfen wir daher ihr zurufen: mnas inm an»' ms wöj man. O, möchten auch wir so den Tod der Gerechten sterben, möchte unser Ende wie das ihrige sein: p# n"a s 'j 'n. 1.2662

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