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Der Israelit · 1875-10-06 · Heft 40 (6.10.1875) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 40 (6.10.1875)
Date
1875-10-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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900 geholfen. Da benöthigte er zum Federschneiden eines guten scharfen Messers. So viel Geld, als eins kostet, hat er schwer zusammengebracht, und wenn's beisammen war, es immer für etwas Anderes, Nothwendigeres gebraucht. Er hat immer zum Soser laufen müssen, um sich dort drei, vier Federn zu schneiden; wenn sie stumpf geworden, hat er entweder nicht weiter schreiben können, oder oft bei Nacht herumlaufen müssen, bis ihm Jemand ein scharfes Messer borgte.Zoros Rabbos^)'. hat der Tat nebbich gehabt mit dem Messer.und setzt kann ich ihm eins schenken! ganz glücklich und stolz war ich! . . . . aber, sag' ich zu Jakow, darfst Du's denn verschenken? Wird Dein Tat nit broges sein und mir's wieder wegnehmen? — Das Messer kehr^) mir, gibt Jakow stolz tschuwo, ich kann damit machen, was ich will . . . wenn's mir beifällt 23>, werf ich's weg ... . und der Jung' macht gleich als wenn er's wegwerfcn wollte . . . Schomajim wcorez^j. ruf' ich, bist Du meschuge? e Messer, was efscher^) e Gulden kost?! — aber wie ich das sag', fällt mir wieder etwas Anderes ein . . . ist das recht? — darf ich das thun? — ich Hab' schon damals gewußt, was Geldwerth ist; das lernt merkwürdig genug, das Kind des Armen, schneller als das Kind des Reichen. ich war damals schon ein ganz ehrlicher, kleiner Mensch . . . mir wird ganz heiß vor Schrecken, thor^) ich für e Leckechmo ein Federmesser nehmen? sag'ich gerad heraus, aber Jakow, der Untam, lacht und sagt, e pakatell! ... bei mir ist e Gulden weniger als bei Dir zwei Kreuzer! .... das ist mir gescheut und recht vorgekommen, e ganz guteSwore^), — Masel u brocho^)! sag' ich ganz altklug, wie ich's von den Händlern auf der Straße bei einem Abschluß oft gehört Hab'; und derMasematten^) war abgemacht. Vor Vergnügen kann ich nit derwarten, nach Haus zu kommen — und lauf, was mich meine kleinen Füße tragen können. Ich weiß nicht, Hab' ich Euch's schon gesagt? — Das Cheder war in der Breitgaß, und wie ich in das Belelesgaßl hineinlaufen ' will , treff' ich meinen Vater. Ah, Vaterleben, ruf' ich ganz glücklich und selig, nach Athem schnappend, Du hast Dir immer ein Federmesser gewünscht . . . Da .... da Haft Du eins . . . ein sehr schönes .... es kehr mir .... ich schenk' Dir's. — Ich Hab' gemeint, der Tat wird vor Simche herumspringen — statt dessen sieht er 21) Onoftc Reiben. 22) gehört. 23) entfällt. 24) Himmel und (vvbel 25) vielleicht. 26) darf. 27 ) Anfchauung, etwas, was cinent kindlichen Gemmhc allerdings nur iin Begriffe, nicht im Worte vorschweben kann; gesunde Logik. 28) <''lück und Segen. 29) das Geschäft. mich ernst an und sagt: Wie kommst Du dazu? Ich erzähl', wie es zugegangen is; mein lieber Tat nimmt mir das Messer aus der Hand und sagt — gleich gehen wir zusammen zu Leb Wodolka und bringen das Messer zurück. Also, Du willst mein Messer! nit haben? frag' ich und meine Stimme zittert und meine Augen werden voll Wasser — und ich Bin in dem Äugenblick so unglücklich , ich kann's Euch wirklich nit schildern,' aber der Tat sieht mir in's Gesicht, hat Zar3") mit mir und sagt: Du bist doch ein brav', gescheut Jüngel, wer thor für e Lekechreiter ein theüres Federmesser nehmen?! — Wir gehen beide zu Wodolka's Haus, als der gerade 'mit seinem Jakow an der Hand aus der Thür kommt, und den Taten anschnaubt: Euer Kind hat meinem Jüngel für e Leckechew ein seines Federmesser abgeschmust 3l), her damit — da hast Du Dein Lekech zurück, ... Euer Kind is e Taschkasch! — und während er so red't, reißt er Jakow den Lekech aus der Hand und will ihn mir geben ... hat der Reiter schon e Ponim33) gehabt . . . Sionim gesagt33)! Die Weinbeerlaugen, die Rosinkcnnas', die Mandelzähn' — Alles war schon weggenascht. Mein Vater wird das erstemal in seinem Leben broges. Ich komm', sagt er. gerad das Messer zurückzugeben. . . Euer Sohn is e Chammer und e Nascher — der Union,!" fügt Budweiser offenbar das Wort aus seinem eigenen Vorrath einschiebend hinzu, und hierdurch unwissentlich die historische Wahrheit des Citator fälschend, — mein Kind ist kein Taschkasch ..." „und kein Mosser. fügte ich still weinend hinzu, denn das herbe Wort Hab' ich nie vergessen können. — Ich seh' schon, hat der Tat weiter gesagt, die beiden Kinder thun kein Gut miteinand', nix wie Verdruß und Schewer Lew^) hat mnein Jüngel von Eurem Jakow, der Schwächere muß nachgeben, ich bin e ormer Mo, ich nehm' mein Kind von Reb Beer Klopper weg .... und den Leckech, den Euer Nascher schon halb aufgegessen bat, und den Ihr wollt meinem Jüngel wieder zurück nechabid35) sein ... Ben schenkt er Eurem Jakow, nicht wahr mein Kind? fragt mich der Tat. Mit Minnion und Kinjon3<i), schrie ich altklug, ohne gar zu wissen, was diese Worte, die ich irgendwo aufgcschnappt habe, bedeuten. Mein Vater geht mit mir fort und Leb Wodolka bleibt im größten Kaas zurück." (Fortsetzung folgt.) 30) Mitleid. 31) entlockt. 321 Besicht, Aussehen. 33) dm Feinden gewünscht. 34) Herzleid. 35) zurückverehren. 36) Mil Allem, was daran hängt.

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