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Der Israelit · 1875-09-22 · Heft 38 (22.9.1875) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 38 (22.9.1875)
Date
1875-09-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVI. Jahrgang. Zweite Beilage zu Ar. 38 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Afrika. Aus Afrika. Der Gedanke an die Ausrottung der Sklaverei und des in jeder Beziehung nichtswürdigen Menschenhandels, der in Afrika, trotz des Reichthums des Landes an Naturerzeugnifsen, noch immer das Hauptgeschäft bildet, ist neuerdings der gebildeten Welt durch die Arbeiten von Livingstone und Baker nahegelegt worden ,und er würde es wohl gar sehr verdienen, daß die europäischen Mächte ihm ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Während man in dem kleinen Welttheile Europa jeden Fußbreit Erde eifersüchtig bewacht und die Staaten riesige Heere auf den Beinen halten, um einander gelegentlich ein Paar Quadratmeilen abzuringen, befinden sich anderswo die ungeheuersten Länderstrecken in den Händen der Barbarei und Unkultur und ihre Ausnützung ist kaum der hundertste Theil von dem, was sie sein könnte, wenn dort europäische Macht und Bildung eingreifen würden. Unsere in Bezug auf Schnelligkeit so sehr verbesserten Verkehrsmittel verpflichten uns aber, auch unfern Gesichtskreis zu erweitern und es scheint in der That, als ob die Zeit sehr nahe wäre, in welcher Völker, deren Schiffe nicht alle Weltmeere aufsuchen, politisch ohne große Bedeutung sein müssen. Und ebenso ist die Zeit schon da, in der Europa in den anderen Welttheilen mit Recht Forderungen im Interesse der Bildung und der Menschlichkeit stellen darf. In der Sklavenfrage ist man bereits ein gutes Stück vorwärts gekommen. Die Sklaverei ist in Amerika abgeschafft und es gelingt kaum mehr einem mit schwarzen Menschenfleische beladenen Schiffe, von der Westküste Afrikas über den atlantischen Ocean zu kommen. Dafür aber besteht in der nächsten Nähe Europas noch immer die weiße Sklaverei, der niederträchtigste Menschenraub, durch den die Harems des Orients angefüllt werden. An der Ostküste Afrikas, sowie an den Ufern des persischen Meerbusens finden sich viele Familien, welche Ueberbleibsel der alten jüdischen Stämme sind. Sie sind dem Glauben Mose's strenge treu geblieben, sie bewahren zum größten Theile die Sitten ihrer Vorfahren in Kleidung, Wohnung und Nahrung und manch eine solche jüdisch-afrikanische Niederlassung an der Küste sieht aus, als wäre sie eine frische und farbenvolle Darstellung des Lebens im gelobten Lande unter Salomon, dem weisen Könige. Die afrikanischen Judenfamilien haben es stets so viel als möglich vermieden, sich mit den anderen Landesbewohnern zu vermischen; sie lebten im Lande wie Fremde, wie in der Verbannung. Dabei sind sie aber von guter Gesundheit, von herrlichem, kräftigem Wüchse und unterscheiden sich besonders durch ihre schöne weiße Hautfarbe und ihr braunes, oft sogar flachsfarbiges Haar von den Mitbewohnern des Landes — und ihre Frauen besitzen häufig geradezu die blonde Schönheit, welche den Völkern des europäischen Nordens eigenthümlich ist. Gar manche schöne jungfräuliche Blume erblüht an der Ostküste Afrikas, die in Europa in Kreisen, die einen Brennpunkt von Frauenschönbeit bilden, Aufsehen und Bewunderung erregen würde. Und was ist das Loos dieser Schönheiten? Kaum sind sie zur Jungfrau herangeblüht, so umgeben sie tausend Gefahren. Bei jedem Schritte außer dem Hause sind sie in Gefabr, arabischen Mädchenräubern in die Hände zu fallen, bleiben sie auch in den Behausungen ihrer Eltern, wie in Gefängnissen, so dringt doch der Ruf ihrer Schönheit durch Verrath nach Außen und die Bande voll Mordgier und Raubsucht dringt ein und schleppt das unglückliche Opfer fort, damit es in einem arabischen oder türkischen Harem sein Leben zubringe, entehrt und in schmachvoller Abhängigkeit, so daß schon viele solche Opfer es vorzogen, sich selbst den Tod zu geben. Und das Alles geschieht in nächster Nähe der Herrschaft des Vicekönigs, es geschieht an den Küsten des arabischen Meeres, welches seit der Eröffnung des Suezkanals zu einer Weltstraße geworden, auf der alle gebildete Völker verkehren. Wie lange soll dieser Gräuel noch andauern? In den Gebirgen an der ostasrikanischen Küste sind die Mädchenräuber mit Pferden und Kameelen verborgen, um, wenn ihre Kundschafter Beute ausspionirt, auf sie loszubrechen; auf dem arabischen Meerbusen treiben ihre kleinen Schiffe umher, auf Raub lauernd. Viele der jüdischen Familien treiben Ackerbau und Viehzucht, wie zu Judäa in alter Zeit und wehe dem Mädchen, das schutzlos einmal anf dem Felde wandelt! Mit dem Krumm-

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