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Der Israelit · 1875-09-15 · Heft 37 (15.9.1875) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 37 (15.9.1875)
Date
1875-09-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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839 „Recht hat der Tat gehabt/ unterbrach Ester den Vater, ihm mitleidig'die Wange streichelnd... „Du hast ja nicht gewußt, daß es so ausfallen wird, und warst ja noch gar so klein. „Aber," fuhr Budweiser in seiner Erzählung fort, „Reb Leb Wodolka war sehr aufgebracht, sagt, ich war' bald der Malach hamowes2^ seines Kindes geworden. Um uns los zu werden, kauft er den vierten Stock und kündigt meinem Vater . . . Das war ein harter Schlag, wir hatten sehr schlecht aber auch sehr billig gewohnt . . . . und meine arme Mutter weinte bittere Thränen, als wir eine andere Wohnung nehmen mußten, die uns vierteljährlich baare zwei Gulden mehr kostete . . . das waren für uns meo alofim!" „Das war aber recht schlecht von Leb Wodolka!" rief Ester erregt. Budweiser schob wieder, wie es seine Gewohnheit war, die Schultern in die Höhe und wiederholte seinen alten Refrain. „E Untam war er; — aber der Mensch ist kein Maloch! 22) . . . Wir zogen aus dem Hause, und ich bin jetzt mit Jakow nur in der Schul, in der Klaus, wo ihn sein Vater mitgenommen hat, zusammengekommen, und haben uns dabei sehr oft — aber immer ohne es zu wollen, große Hesekes gemacht.23)" „Einmal, es war vielleicht ein Jahr, nachdem wir unsere frühere Wohnung verlassen, hat mir meine Mutter unter großen Entbehrungen neue Jontow2^)--Kleider gemacht. Es waren die ersten Kleider, die neu für mich gemacht worden sind, bisher Hab' ich nur die abgetragenen von meinem 21) Todesengel, hier soviel als Veranlassung;um Tode. 22) Engel. 23) Schäden zugefügt. 24) Feiertag. altern Bruder bekommen gehabt. Könnt Ihr Euch denken, wie glücklich ich da gewesen bin . . . komm ich Jontow Abend das erstemal in den neuen Kleidern in Schul . . . gibt mir der Schames Kiduschwein 25) . . . springt mein liebes Jakowl auch gleich her, will auch davon haben, reißt mir den Becher vom Munde und aus der Hand, und begießt mir mein funkelnagelneues Röckel und Westel, der Untam! ... wie ich weinend nach Hause komm, will mir die Mutter trotz ihrer großen Lieb' und Zärtlichkeit für mich doch e klan Pufferl in Rücken geben; aber der Tat olof hoscholom hat's nit gelitten ... . „was willst Du von dem Kind," hat er gesagt, „er kann ja nichts dafür" — und weint selbst, weil meine ersten neuen Kleider nebbich verdorben sind! — Freilich, am andern Tag, dieser war Simches Thora,23) Hab' wieder ich Jakow — ich war unschuldig und er war unschuldig — zu e kräftigem Patscht) verholfen." „Was war das?" frug Ester .... „wirklich, Vaterleben, Du erzählst das Alles so hübsch, es sind ja eigentlich nur Kindermaißes . . . aber so zu schmelzen28) weißt Du's, daß sie mir lieber sind als alle Romane .... also, was habt ihr kleine Taschkascher23) wieder angestellt?" Budweisers beredter Mund verzog sich zu einem höchst vergnügten Lächeln, die Helle Freude längst vergangener Jugendluft durchzitterte ihn. (Fortsetzung folgt.) 25) Es wird in den Synagogen Freitag - und Feiertag- Abend eine Benediction über einen Becher Wein gesprochen, von demselben aber nur den anwesenden kleinen Knaben zu trinken gegeben. 26) Thorafreudenfest. 27) Ohrfeige. 28) etwa: auSzuschmücken, zu verschönen oder auch gut darzustellen. 29) ein böhmisch-jüdisches Wort, Schelme. A N ZEIG E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. n einer Stadt am Rhein wird pr. Ende September ein braves, religiöses Mädchen, welches Kochen und Hausarbeiten versehen kann, von einer kleinen Familie gesucht. Franco - Offerten unter Nr. 2324 nimmt die Exped. d. Bl. entgegen. in echt religiöser junger Mann, der mit entsprechenden Zeugnissen versehen und in nobn np’ji ,rvpn3 ,niöw gut bewandert ist, kann sofort als Gehilfe eintreten bei A. Rosenthal, unw. 2349] Nürnberg, Tucherstr. Nr. 5.

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