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Der Israelit · 1875-09-15 · Heft 37 (15.9.1875) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 37 (15.9.1875)
Date
1875-09-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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838 meindeschulen neben dem evangelischen auch katholischer und jüdischer Religionsunterricht von Lehrern des bezüglichen Bekenntnisses ertheilt werde und solche Lehrer als ordentliche Lehrer ^dieser Schule berufen werden. Sodann hat das Schulcollegium genehmigt, daß zu Localinspectoren für die Gemeindeschulen sowohl Geistliche als Nichtgeistliche in Vorschlag gebracht werden dürfen. Feuilleton. Dil-cr aus dem alten Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Verf. des „Gabriel". (Fortsetzung.) „Ich muß aber die Wahrheit sagen," fuhr Budweiser fort, „vierzehn Tage darauf hatte ich wieder Jakow in ein Schlemasl ') hineingebracht." „Was war das?" „Unsere Mütter hatten uns setzt streng verboten , zusammenzukommen und miteinander zu spielen , ich war e kleiner Jung', der Vater hat den ganzen Tag in Schul oder sonst außer dem Haus zu ihun gehabt, die Mutter hatte einen kleinen Tisch mit' Gebachs ') in der Gaffe, der ältere Bruder war im Chedcr^), die ältere Schwester war in einem Geschäfte, Dienstboten hatten wir keinen, ich war den ganzen Tag allein, ohne Aufsicht. Ihr könnt Euch denken, ich Hab' gewaltige Langweile gehabt. Den ganzen Tag bin ich die Stieg' hinauf- und heruntergekrochen, — und auch Jakow, den zwei Dienstmädchen behüten sollten, — warf hinter dem vergitterten Fenster, das auf den Gang führte, sehnsüchtige Blicke nach mir und nach einer Rübe, die ich in der Hand hielt und in welche ich kräftig hineinbiß." „Tum 'rauf su mir und deb mir Stückl Rüb', I" sagt Jakow in seinem verdorbenen Kinderloschon?) „Ei nun," sag' ich, „wenn ich 'nein gehen will, wirft mich Eure alte Kachii?') Gelle immer 'raus . . . will ich nit . . . komm Du 'raus . . . geb ich Dir e schöne Rüb'." „Gelle lat') mich nit . . . sie hat mich eingesperrt," war Jakows wahrheitsgetreue Tschuwo^) . . . „da war freilich guter Rath theuer, das müßt 1) Unglück. 2) Bäckerei. 3) ^chrzimmer, Schule. 4) Komm' herauf und gib mir ein Stück Rübe. 5) Kindcrsprachc. G) Köckin. 7) läßt. 8) Antwort Ihr einsehen," meinte Budweiser, sich behaglich in seine Jugenderinnerungen vertiefend, — „auf diese Art konnten wir weder Bal - Milchomos ^) noch Pferdl, noch sonst Vernünftiges spielen . . . und ich rath' ihm endlich ganz einfach: Kriech durch's Gitter. Mein lieb' Jaköwl") läßt sich das nicht zweimal sagen und versuchtes, sich durch die engen Gitterstäbe durchzuzwängen — aber das Gitter war zu eüg, und er kann bald weder hinaus noch zurück. Auf einmal fangt der Jung' an mörderisch zu schreien, als wenn er am Spieß stecken mocht', und ich .... ich als guter Chawer?') Hab' doch wahrhaftig nichts weniger thun können, als mitzuweinen und mitzubrüllen, mir la) haben einen fürchterlichen Lärm gemacht . . . Gelle, die alte Köchin, die in der Hausthür mit andern Dienstmägden schmust ^) und klatscht, trippelt schnell herauf, sie kann das Kind auch nicht losmachen, das ganze Haus läuft zusammen, man schickt endlich nach Jakows Mutter in's Geschäft. Das Jüngl hatte sich so eingezwängt, daß man den Schlosser hat holen müssen, der unter fortwärendem Geheule Jakows und Schrcckensrufen seiner Mutter einen Eisenftab durchfeilte und das Kind befreite. Jakow hat dabei einige Quetschungen und blaue Flecke bekommen und war vor Angst ohnmächtig geworden. Ich war der einzige, der dabei gewesen, und ich erzähl' ganz aufrichtig, wie cs zugegangen . . . und daß ich Jakow gerathen, durch's Fenster zu kriechen. Meine Eltern waren mittlerweile nach Hause gekommen. Reb Leb Wodolka verlangte, ich solle bestraft werden, und meine Mutter war schon bereit, mir e paar mäßige Puffers zu geben, als der Tat olof hascholem;ii Reb Leb sagt .... Seid mir mochel") Mekaß Reb Leb e Chidusch, daß ein solcher Chochom'-') so e großen Stuß 1G) reden soll! — was kann mein klein Jüngl davor17), daß Euer Jakow e Beheme 1S) ist? . . . wie Ihr Kind meinem Mosche e Baut geschlagen hat, Hab' i da e Wort geredt? ... nit gemuckst Hab'ich . . . Kindes sind Kinder! .... oder soll ich mein Jüngl schlagen, weil Sie e Kozin 19) sind und ich ein armer Mann, Chas wescholom! ^) .... wie heut' denk' ich's noch .... wie der Spektakel vorüber war, Hab' ich mir die Thränen von der Back' gewischt, und Hab' e zweite Rüb' aus der Tasch' gezogen, um sie ruhig weiter zu essen, aber der Tat hat mir sie aus der Hand, mich auf den Arm genommen, und mich hinauf in unser Palais im vierten Stock getragen." 9) Soldaten. 10) kleiner Jakow. 11) (Gefährte, Kamerad. 12) wir. 13) pkauderl. 14) verzeiht. 15) kluger Mann. 16) Thorhcit. 17) dafür. 18) Tummkopf. 19) Reicher. 20) bewahre!

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