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Der Israelit · 1875-09-15 · Heft 37 (15.9.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 37 (15.9.1875)
Date
1875-09-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dänemark. Kopenhagen. Den Deutschen ist von der dänischen Literatur wenig mehr bekannt, als König Neues Tochter, die FrithjofSsage und die allerliebsten Märchen von Andersen und augenblicklich haben wir auch nicht das geringste Interesse, unsere lückenhaften Kenntnisse in dieser Richtung zu bereichern. Seitdem wir mit dem hochbefähigten Volke, welches einen Thorwaldsen, einen Holberg hervorgebracht, in blutiges, den gegenseitigen Raeenhaß aufwühlendes Handgemenge gerathen, seitdem find die geistigen Beziehungen, die sich zwischen uns und ihm bereits Bahn zu brechen angefangen, völlig erkaltet und nur einem einzigen dänischen Schriftsteller, dem originellen Novellisten Meyer Aaron Goldschmidt, ist eS in letzterer Zeit gelungen, die Aufmerksamkeit der deutschen Presse zu fesseln.*) Um unser Scherflein dazu beizutragen, den phantasievollen Poeten wenigstens unfern Literaturfreunden etwas näher bekannt zu machen, als das durch einzelne seiner „8maa Fortaelinger“ bie uns in Übersetzungen zugänglich geworden, bisher möglich gewesen, wollen wir nach einer uns vorliegenden, leider sehr unausgiebigen Quelle, eine kleine Skizze feines Lebens und Wirkens entwerfen. Meyer Goldschmidt wurde am 26. Oktober 1819 in Bordingborg geboren. Unser Gewährsmann, dem wir hier folgen, P. Hansen, berichtet absolut nichts über seine Eltern, über seine Kindheit und erste Jugend .... er erzählt uns gleich ohne viel Umstände weiter, daß er, um seine wissenschaftliche Ausbildung zu erlangen, nach Kopenhagen gekommen und dort seine Vorbereitungsstudien für die Universität im Jahre 1836 mit dem besten Zeugniß absolvirt habe. Eine öffentliche Auszeichnung erhielt er indessen nicht, weil er seiner jüdischen Abstammung wegen sich einer Prüfung in der Religion nicht unterwerfen konnte, ein Umstand, welcher auf sein Gemüth einen so verstimmende« Eindruck machte, daß er der „gelehrten Carriere" entsagte und sich der literarischen Wirksamkeit zuwandte. Im Herbste des Jahres 1840 ist er bereits Herausgeber und Redakteur eines Kopenhagener Witzblattes „Corsaren", welches im Verlauf der Zeit gegen die schleswigholsteinische Bewegung entschieden Front machte *) Die im „Israelit" vor einigen Jahren veröffentlichte Novelle „Maaßer", deren Verfasser Herr G. ist, hat allgemeines Aufsehen erregt und ungetheilten Beffall gefunden. Red. und andererseits mit so viel Geist und Gediegenheit geleitet wurde, daß eS noch jetzt nicht von irgend einem ähnlichen Journal der dänischen Presse erreicht worden. Im Jahre 1847, nachdem Meyer Goldschmidt eine Reise durch Deutschland, die Schweiz und Italien beendigt, gab er die Wochenschrift „Nord og Syd" heraus, in welcher er von seinem national-demokratischen Standpunkte gegen die schleSwigholsteinischen „Insurgenten" zu Felde zog und eine Anzahl kritischer Arbeiten veröffentlichte, die seine journalistische Befähigung auf's Glänzendste illustrirten. Allein den Schwerpunkt seines literarischen Schaffens hatte er damit noch nicht gefunden; erft, als er sich der epischen Dichtung mit Novellen und Ergählungen zugewandt, steuerte das reich befrachtete Schiff seines Geistes im richtigen Fahrwasser. Die esten Produkte, welche ihm auf diesem Gebiete erwuchsen, führten Titel „Ein Jude — Erzählungen — ein Maifest". Im Jahre 186t, nachdem er das Wochenblatt „Hjemme og ude" fallen gelassen, kehrte er der Politik gänzlich den Rücken und widmete seine geistige Kraft, unbeeinflußt vom Lärm des Tages, lediglich und ausschließlich der poetischen Kunst, indem er eine viel umfassende Reihe von Novellen schrieb und auch der Bühne in den dramatischen Arbeiten „Rabbi Eliezer", „SvedenborgS Jugend" und „Ein Fehler" seinen Tribut zollte. Wenn wir die vielseitige, von dem frischesten und glänzendsten Talent zeugende Wirksamkeit Meyer Goldschmidt's einer Betrachtung unterziehen, so tritt uns überall ein dualistisches Moment entgegen, seine dänische Nationalität und seine jüdische Abstammung. Dies Doppelwesen, verbunden mit einem stark ausgeprägten Realismus der Darstellung, äußert sich einerseits in einer von einem gewissen starren Patriotismus erfüllten Auffassung dänischer Verhältnisse und Eigenthümlichkeiten, andererseits in den gemüthSwarmen, mit sicherer Feder entworfenen Schilderungen, womit er gleich Leopold Kompert das jüdische Leben zu illustriren versteht. Mit besonderer Vorliebe stellt er sich psychologische Probleme, die Nachtseiten der menschlichen Natur beleuchtend, und wenn man auch vom ästhetischen Standpunkt aus tadeln muß, daß er uns stets in die Gesellschaft absonderlicher, wunderlicher Käuze bringt, die aus der Tiefe seines schöpferischen Geistes heraufbeschworen werden, um als beweiskräftige Figuren solcher psychologischen Probleme zu dienen, so vergißt man doch über der Virtuosität seiner Darstellung, über seiner immensen Fähigkeit-, den Leser in eine gewisse, dem Er-

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