Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1875)
- Date
- 1875-09-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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gegen die ganze Welt, gegen Chamitische Gräuel, gegen Japhetitische Laster, gegen Semitische Verirrungen sahen wir ein kleines, der Zahl nach unbedeutendes Volk die Fahne der Wahrheit hoch emporhalten. .□ffnrv nb 0*1331 iop» "H31? oy jn „Siehe, ein Volk, allein wird es wohnen und unter die Völker nicht gezählt werden!" — Was bedeutet das Wort in? fragen die Weisen im Midrasch. Und sie antworten: Alle Buchstaben bilden nach ihrem Zahlenwerthe eine auf dem dekadischen Systeme beruhende Reihe. 8 u. 0 — 1 u. 9 10, 3 u. n 2 w. 8 10, 3 «. i 3 u. 7 10, n u. i 4 u. 6 10; nur n bleibt übrig, es verbindet sich nicht zur Zehnzahl mit einem andern Buchstaben; ebenso ergeht es in der Reihe der Zehner ' u u — 10 u. 90 — 100, 3 u. B — 20 ll. 80 — 100, * u. V — 30 it. 70 100, 0 u. O ----- 40 u. 60 — 100; nur J bleibt übrig wie oben das :; daher bezeichnet n u. 3 —?n Israel, es eint und verbindet sich nicht zu seiner Ergänzung mit Andern, es sendet keine Apostel und Missionäre aus zur Bekehrung der Heiden, es lockt und «rlockt Andere nicht, sich ihm anzuschließen, es m* keine Proselyten machen, nicht durch Ueberredung und Verführung, nicht durch Feuer und Schwert. Daher hat Israel keine Welt erobert oder zu erobern versucht, daher hat es seine Wahrheit nimmer feilgeboten, daher hat es seine Lehre niemals angepaßt den Sitten, Gewohnheiten, Anschauungen fremder Nationen, hat nichts ausgenommen von fremden Ideen, hat nicht aufgegeben irgend eine Confequenz seiner Vorschriften und Gesetze. Dadurch aber hat es sich bewahrt und erhalten, unverfälscht und unvermischt, dadurch hat eS wohl noch nicht den Sieg erlangt im Kampfe, wohl aber hat es bis jetzt den Kampf überdauert und wird ihn überdauern, bis daß die Sonne der Wahrheit aus dem verhüllenden Gewölk Hervorbricht, um das Weltall zu erleuchten und zu durchwärmen. (Fortsetzung folgt.) Ncisebrieft. Baden-Baden, 29. August. III. Gestern, nach Ausgang des Sabbats, hatten wir hier ein furchtbares Wetter. Von Osten und Westen zogen Gewitter herauf. Auf dem Balcon meiner Wohnung stehend, hatte ich einen freien Ausblick. Von Zeit zu Zeit erleuchteten die Blitze die Höhen ringsumher, immer zahlreicher, immer langandauernder, immer greller herniederfahrend. Es rollte und krachte der Donner mit mächtiger Wucht, und das Echo der Berge ließ jeden Schlag so lange wiedertönen, bis der alte Hall mit dem neuen sich mischte. Dabei strömte der mit Hagel vermischte Regen hernieder. Von den Bergen floß das Wasser herab und der Baden durchziehende Oosbach schwoll zu einem mächtigen Strome an. Unterdessen hatte Las Concert vor dem Conversationshause ein jähes Ende genommen. Die Musiker im Kiosk hatten kaum noch Zeit, sich vor dem heranbrausendeu Wasser zu flüchten und die im Freien sitzenden Zuhörer flohen in den Conversationssaal, bis auch dieser vom heranfluthenden Wasser überströmt wurde und die Kurgäste gezwungen wurden, im Hintergründe des Hauses Schutz zu suchen. Es war eine peinliche Lage; die vielen Unglücksfälle, welche in diesem Sommer von Wolkenbrüchen hervorgebracht worden waren, kamen Allen in den Sinn und verbreiteten Angst und Schrecken. Vor Beginn des Gewitters hatte vor dem Kurhause ein Kreis jüdischer Damen gesessen. Eine von diesen, eine Elsässerin, hatte ihren Freundinnen erzählt, daß sie am Sabbat-Nachmittag in den Schützenhof gegangen und dort sich Fische mit Kartoffeln habe bereiten lassen, so gut, so gut — sie konnte nicht aufhören, die guten Fische und die köstlich bereiteten Kartoffeln zu rühmen. Da brach urplötzlich das Unwetter los; die arme Elsässer Dame wurde von Angst und Schrecken förmlich überwältigt und rief, sich in Todesnöthen glaubend, einmal über das andere: „Großer Gott, hilf! Laß mich und mein Töchterchen nicht umkommen, ich will auch niemals wieder Trefeß essen!" Ob sie Wort halten wird? Ausnahmsweise hatten wir gestern auch Nachmittags Minjan. Als ich die Synagoge verließ, erzählte mir ein Reichsländischer Glaubensgenosse, daß er am Montag nach Carlsruhe fahren wolle, um -nb'3 oi* zu feiern, da man dazu in Baden- Baden doch kein Minjan bekommen würde. Ich lobte seinen Entschluß; doch konnte ich mich nicht enthalten, ihn zu fragen, warum er hier, in der offenen Stadt, seinen Sonnenschirm am Sabbat mit sich führe. „Nun," sagt er, „weil unser Rabbiner am Sabbat seinen Sonnenschirm trägt, so glaubte auch ich es thun zu dürfen." — Böses Beispiel verdirbt gute Sitten! — In voriger Woche waren wir auf Schloß Eberstein, dem Stammsitze der Grafen von Eberstein. Das Schloß ist durch Uhlands schönes Gedicht „vom Grafen Eberftein und der KaiserStochter" in den weitesten Kreisen bekannt geworden. Man genießt von dort aus eine herrliche Aussicht