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Der Israelit · 1875-09-01 · Heft 35 (1.9.1875) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 35 (1.9.1875)
Date
1875-09-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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798 Kopfsteuer einzuziehen» von welcher ein Fünftel in ihre Centralkasse stießt, fühlte sich die Oberkirchenbehörde stets sehr kompetent, und es ist uns kein Fall bekannt, daß sie dem evangelischen Consistorium eine Entscheidung zugewiesen hätte. Besagte Personalsteuer ist übrigens Heuer letztmals erhoben worden, eine Reform, an welcher aber die Centralbehörde höchst unschuldig ist. B. 25. Aug. Von Herrn Cremieux, an welchen das hiesige Arbeiter - Comitö die Beiträge für die Ueberschwemmten in Süd-Frankreich gesandt, hat Herr Karl Klein folgendes Schreiben erhalten: Paris, 21. August 1875. „An die Arbeiter in Frankfurt a. M. „Euer Schreiben hat mir ein unsaussprechliches Vergnügen bereitet; Euere Gabe, entnommen dem geringen Verdienst der täglichen Arbeit und bestimmt armen Arbeitern, Euren Brüdern, wird für diejenigen, welchen dieses Zeichen der köstlichen Hingebung zu Ohren kommen wird, ein rührendes Andenken bleiben, tiefgefühlt im Grunde des Herzens. „Ich habe sofort Euren Brief veröffentlicht, damit die Welt erfährt, daß die Arbeiter aller Länder nur eine Familie bilden. „Herrliche Hoffnung für die Zukunft, welche scheußliche Zwietracht niederwerfend, alle Völker zur brüderlichen Eintracht rufen wird. Ich habe Eure Sammlung dem Herrn Gertien Arnoult von Toulouse, meinem Freunde und Collegen in der Nationalversammlung, übergeben und demselben vorgeschlagen, um Eurem Wunsche nachzukommen, unter den vielen Unglücklichen zehn Arbeiter auszusuchen, von welchen jeder ein Zehntel Eurer Gaben erhalten wird. „Genehmigt die Dankbezeugungen der Unglücklichen, die Anerkennung Aller für Eure gutes Werk! Glücklich, von Euch als Vermittler gewählt worden zu sein, bitte ich Euch, den Ausdruck meiner herzlichsten Gefühle hinzunehmen. gez. Ad. Cremieux. Pade¥bv¥N, 23. Aug. Der soeben herausgegebene 17. Jahresbericht über das jüdische Waisenhaus zu Paderborn weist mit besonderer Genugtuung auf die steten Fortschritte in den Leistungen der Anstalt hin. Seit ihrer Gründung (1856) sind in dieselbe 83 Waisen beiderlei Geschlechts ausgenommen, von denen sich bereits 40 den verschiedensten Berufsarten gewidmet haben. Aber noch sehr vielen anklopfenden Waisenkindern können sich die Pforten der Anstalt nicht öffnen, weil die Einnahmen eine dem Bedürfnisse entsprechende Wirksamkeit nicht gestatten. Eine nachdrücklichere Unterstützung der Anstalt darf daher für alle Menschenfreunde der westlichen Provinzen als unabweisbare Pflicht hingestellt werden. Am 17. October des verflossenen Jahres fand die Einweihung der vergrößerten Räume der Anstalts- Synagoge und der Mädchenschule statt, der der Herr Oberpräsident von Westfalen, der Herr ProvinziUschulrath Dr. Schulz und die Spitzen der städtischen Behörden beiwohnten. Die Einnahmen für 1874 beliefen sich auf 9947 Thlr. 24 Sgr. 6 Pf., die Ausgaben auf 9319 Thlr. 7 Sgr. 11 Pf., es bleibt somit ein Restbestand von 628 Thlr. 16 ^gr. 7 Pf. Außerdem sind von den verdienten Protektoren der Anstalt, deren Namen im Berichte aufgeführt sind und unter denen Herr Oberpräsident v. Kühlwetter mit einem Beitrage von 100 Thlr. figurirt, 2124 Thlr. geschenkt. Auch die Kronprinzessin des deutschen Reiches hat im Laufe des Jahres die Anstalt mit einer Gabe von 100 Mark erfreut. Oesterr.-Ungarische Monarchie- Haliez. Wenn auch xost ksstnin bringen wir nachstehende dem „Lemberg. Jsr." entnommene Nachricht zur Charakterisirung galizischer Zustände: Man berichtet uns aus Halicz, daß dort feit einiger Zeit unter der jüdischen gegen 400 Familien zählenden Bevölkerung große Unruhe und Bestürzung herrscht. Es hat sich nämlich das Gericht verbreitet, daß die Bauern in Halicz und der ganzen Umgegend v n Halciz einen Massenmord der Juden in Halicz im Schilde führen und als den Tag des Massacre den 24. August l. I. bestimmt haben. Dieses Gerücht wird mit dem größten Ernste wiederholt und einzelne Bauern äußern sich mitleidig gegen die jüdischen Handelsleuten, mit denen sie verkehren. „Wozu," sagen sie „arbeitet Ihr so sehr; am 24. August l. I. wird ja doch Alles aus sein." Die Juden haben selbstverständlich beim Bezirkshauptmann Klage geführt, allein alles wurde von demselben mit ungläubigen Lächeln ausgenommen. Einige Bauern, die sich in der angegebenen Weise äußerten wurden zwar arretirt, erklärten jedoch nur gescherzt zu haben und wurden freigelaffen, um keine Erbitterung herbeizuführen. Jedenfalls sind das schöne Scherze, durch welche eine ganze Bevölkerung schon seit vielen Tagen in höchster Beängstigung sich befindet, und sogar an das Verlassen der Ortschaften denkt. Denn die Leute meinen nicht mit Unrecht, daß nach geschehener That Bestrafung für sie ziemlich überflüssig sein wird. In ganz Halicz ist nicht ein Soldat stationirt und die Möglichkeit eines Ueberfalls scheint Allen recht glaubwürdig, weil der Haß gegen die Juden bei den dortigen Bauern außerordentlich angefacht wurde und dieselben seit jeher auf die erst in neuerer Zeit ange-

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