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Der Israelit · 1875-09-01 · Heft 35 (1.9.1875) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 35 (1.9.1875)
Date
1875-09-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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'^---^ ,lF*v 782 jüdischen Maler und Bildhauer; keine Tonsetzer von epochemachender Bedeutung; der Vater der Wissenschaften ist ein Grieche, Aristoteles, und Israel hat keinen großen Dichter — in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes — hervorgebracht. Und trotz allem dem ist Israel die bedeutendste, größtgeartete, wichtigste Nation der Welt. Wie den Menschen der Adler an Schärfe des Blickes, der Hirsch an Schnelligkeit, der Hund in Bezug auf den Geruchssinn übertrifft, wie aber der Mensch dadurch ausgezeichnet ist, daß er alle Sinne in gleichmäßiger Vollkommenheit besitzt, also ist auch das Verhältniß Israels zu den Nationen. In allen Einzelnheiten wird Israel von andern Nationen übertroffen, aber in der Gesammtheit seiner Fähigkeiten und Eigenschaften ist der Israelit vollkommen wie kein anderer Mensch. Alles, was Menschen Schönes, Großes und Gutes gedacht, gewirkt, erfunden, entdeckt, haben wir uns anzueignen verstanden. Schon unsere körperliche Beschaffenheit befähigt uns, auf der ganzen Erde zu wohnen. Juden woh'en und fühlen sich behaglich in den Eissteppen Sibiriens wie unter den Gluthstrahlen der Sonne in den heißen Zonen. Wir haben Theil genommen an der Blüthe und Reife aller bedeutenden Nationen, von den alten Aegyptern an bis zu den Angelsachsen in Nordamerica. Die jüdische Zunge erlernt alle Sprachen. Wir sind ein kosmopolitisches, ein universelles Volk. Wie der Mensch ein Mikrokosmos, eine Welt im Kleinen, so ist der Jude ein Inbegriff der gelammten Menschheit. Und diese wunderbaren Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit aller Welt zu leben, sich aller Welt anzuschmiegen, von aller Welt aufzunehmen und doch die eigenthümliche Individualität zu wahren — sie characterifiren die höchste Vollendung des Menschenthums; daher geschieht jeder Fortschritt innerhalb der Menschheit für Israel, jede Erfindung, jede Entdeckung, jede Entwickelung, sie alle vollziehen sich in erster Linie zum Besten unseres Volkes. Wir haben nunmehr den Maßstab für die Lebensfähigkeit der Nationen. Israel ist berufen, der ganzen Welt das Heil zu bringen, eine Periode der allgemeinen Gotteserkenntniß und Gottesverehrung herbeizuführen, eine Zeit, in welcher nur Tugend» Sittlichkeit, Liebe und Wohlwollen auf Erden herrschen, ein Zeitalter, in welchem die Menschen einander nicht mehr zu verschlingen suchen, tyie die großen Fische die kleinen, eine Aera des Glückes, des Friedens und des Wohlstandes. Diejenigen Nationen, welche die Zwecke Israels befördern, welche sich friedlich und freundlich zeigen gegen die Nachkommen Jakobs, werden Theil nehmen an jenem Zustande des Glückes, der Freude, des allgemeinen Wohlbefindens. Und jene so heißersebnte Periode ist nicht mehr so fern. Wie nahe sie ist — wer vermag es zu sagen. Aber die Vorzeichen find in Menge da. In gewisser Beziehung hat schon dvd'jo nnjrtt', die Knechtschaft Israels, aufgehört; Recht und Gesetz beginnen zn herrschen; die Nationen streben danah, sich zu verbrüdern; der Nationalhaß ist im Verschwinden begriffen und damit der Anlaß zu blutigen Kriegen; Handelsstraßen ziehen sich von einem Ende der Welt zum andern und die Völker kommen täglich mehr zu der Erkenntniß D2 rw "ws* U’nn« ibm -ips? ■)« (Irrem. 16, 19), daß eine neue Wahrheit ihnen aufgehen muß; Das Kreuz zerfällt, der Halbmond erlischt und die heidnischen Völker Asiens und Africas sind längst gegen die ererbten Götzen gleichgiltig geworden, und. so wird denn die Zeit herannahen, in welcher sichtbar werden auf den Bergen die Füße des Verkünders, der da ruft: „Das Gute, das Heil, der Friede, sie sind gekommen!" Bis dahin wird es freilich noch heiße Kämpfe und mannigfache Wehen geben, von denen auch Israel nicht verschont werden wird. Verursacht find diese durch die Mißverständnisse und Jrrthümer, an denen die Menschheit heute noch krankt. Wir wollen diese in den nächsten Kapiteln erörtern. (Fortsetzung folgt.) Einigt Worte über die venestra Mknlriodlichea Prkßeyeugmjst. (Schluß.) Die Periode des Mittelalters charakteristrt unser Autor mit folgenden Strichen: „Eine Schaar von Juden faßte Fuß in Venedig, eine andere in Genua, während zugleich in den Hauptstädten Spaniens, der Niederlande, Deutschlands und Polens Cvlonien entstanden. Diese Schaaren, obgleich über eine weite Fläche zerstreut, bildeten dennoch eine gleichartige und feste Verbindung, die nach dem Antrieb einer einzigen bewegenden Kraft, dem Princip des Interesses, ihre Thatigkeit ausübte." Bei all dieser fürchterlichen Gehässigkeit ergeht es dem Verfasser doch nicht besser als unserem alten Nationalfeinde Bileam. Wir fühlen uns durchaus nicht beleidigt, wenn er allerdings in anderer Absicht selbst sagen muß: „Die jüdische Solidarität ist so groß, daß „wenn ihr einen Juden angreift, die Juden in

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