Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1875)
- Date
- 1875-07-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XVI. Jahrgang. Zweite Anlage)« Nr. 29 des Israelit. Zeitungsnachrichten & Correspondenzen. Deutschland. Mainz, i3. Juli. Seit dem 1. Juli erscheinen in Amsterdam zwei neue isr.Wochenblätter, so daß es dort jetzt deren vier gibt: 1) das Amsterdamer Weekblad, 2) das neue Amsterdamer Weekblad, 3) das unabhängige iSrael. Organ für die Niederlande, 4) der iSrael. Neuigkeitsbote. Alle diese Zeitungen erscheinen in holländischer Sprache. Das als das dritte oben genannte Blatt scheint einzig und allein zu dem Zwecke gegründet zu sein, dem neugewählten Oberrabbiner von Amsterdam, Herrn Dr. Dünner, Opposition zu machen. Die beiden bis jetzt erschienenen Nummern sind voll von gegen denselben gerichteten geharnischten Artikeln. Was. Herr Dr. Dünner thut und nicht thut, was er weiß und nicht weiß, was er sagt und was er verschweigt, was er ist und was er nicht ist, wird darin in gehässigster Weise hervorgehoben und besprochen. Diese Gehässigkeit a tout prix tritt so deutlich und unverholen hervor, daß eine derartige Opposition Herrn Dr. D. unmöglich schaden kann. Die Tendenz des „Neuigkeitsboten" tritt nicht deutlich hervor; doch scheint seine Richtung die des Breslauer Seminars zu sein. Stratzburg (Elsaß). Wie der „JLr. Neuigkeitsbote" berichtet, hat sich Herr Dr. S. Landauer aus Hürden (Bayern) an hiesiger Universität als Privatdocent für die orientalischen Sprachen habilitirt. Herr Dr. L. ist ein Schüler der Herren Rabbinen Dr. Hildesheimer und Dr. Lehmann und ein Schwager des Herrn Dr. Dünuer, Oberrabbiner von Amsterdam. Der junge Gelehrte hat das Gymnasium zu Mainz absolvirt und dann die Münchener Universität bezogen. StritsibltVg. Seit Ende Juni wird im Gottesdienste der israelitischen Gemeinden in Elsaß- Lothringen das Gebet für Kaiser und Reich verrichtet. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Pesth. Unter den bis jetzt gewählten Deputirten zum ungarischen Reichstag befinden sich vier Israeliten und zwar die Herren Wahrmann, Horn, Chorin und Mandl. Rußland. Aus Kiew wird der „Jüdischen Presse* geschrieben: „Sie werden vor einigen Wochen aus den dortigen politischen Blättern, welche ebenfalls diese Notiz brachten, entnommen haben, daß ein gewisser Kowner durch Fälschungen die Discoutogesellschaft zu Moskau um 168,000 Rubel betrog, hier ergriffen wurde, und nachdem er vergeblich versucht hatte, Hand an sich zu legen, in Gewahrsam gebracht worden. Wenngleich diese Notiz an sich noch nicht Grund zu einer speciellen Correspondenz wäre, so geben mir doch die näheren Verhältnisse dieses Verbrechers hierzu Veranlassung, weil sie ganz dazu angethan sind, ein Streiflicht auf die catilinarifchen Existenzen zu werfen, welche heute in Rußland nach Innen als Herolde der Reform und Aufklärung figuriren und nach Außen die judeufeindliche, öffentliche Meinung fabriciren. Dies unum pro multis kennzeichnet die Studiengänge so vieler jungen Leute, die das Verderbniß der literarischen und religiösen Situation Rußlands besonders verschulden. Besagter Kowner stammt aus einer hochachtbaren Familie und war sein Vater Rabbi Elieser Kowner, ein durch talmudische Capacität und hervorragende Religiosität sehr renommirter Mann. Er selber studirte in Kiew jüdische Theologie und erregte durch seine Befähigung frühzeitig Aufsehen. Doch schlug er sehr bald zur Reologie über und machte sich durch Herausgabe eines hebr. Buches, das nicht nur von strotzt, sondern sogar voll roytcn ist, bemerkbar. Später ließ er noch zwei solcher Bücher in hebr. Sprache gleichen Kalibers erscheinen. Er fand dann Gelegenheit, sich in hohe Kreise einzuschmuggeln und wurde hierdurch ständiger Correspondent des bekannten officiösen, gegen Juden giftschnaubenden „GoloS". Wahrscheinlich durch diese Connexionen gelang es ihm auch, in finanzielle Kreise einzutreten und eine Stellung zu gewinnen, durch welche ihm jene horrende Fälschung ermöglicht wurde. Bezeichnend ist, daß der „Golos" gemäß seiner Schadenfreude, jede Gelegenheit zu ergreifen, wo er den Juden im Allgemeinen oder Einzelnen derselben etwas anhängen kann, besonders gegen K. loszog und daun natürlich auf die Juden überhaupt hinüberspielte, obwohl dieser Spießgeselle sein Bundesgenosse und ständiger Correspondent gewesen. Dieser Einzelfall ist in mehr als einer Be-