Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1875)
- Date
- 1875-07-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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656 den in wahrhaft unglaublicher Weise erschwerten und verbitterten. Für Böhmen bestanden überdies specielle, harte Bestimmungen. Neben den in ganz Oesterreich geltenden Staatsgefetzen, welche den Juden Beamten-, Professoren - und Lehrerstellen verschlossen, eine große Zahl von Beschäftigungen und Handwerken, als Apotheker, Müller u. a. untersagten, ihnen Grundbesitz, den Aufenthalt in den meisten Theilen des Landes, ja sogar das Tragen vieler deutscher Vornamen verboten, mußten die böhmischen Israeliten überdies eine thatsächlich unerschwingliche und darum auch deuoralisirende Judensteuer zahlen. Diese war in folgender Weise entstanden. Kaiserin Maria Theresia, fanatisirt, irrgeleitet und übel berathen, hatte die Juden ohne genügenden Grund, auf völlig unerwiesene, wohl auch unerweisbare Beschuldigungen hin, aus Böhmen verwiesen. Fast sämmtliche europäische Höfe sprachen über diesen — man kann wohl sagen staatswiderrechtlichen, brutalen — Act ihre höchste Mißbilligung, mitunter auch in sehr energischer Weise, unverhohlen aus, und die Kaiserin, der imponirenden Macht der öffentlichen Meinung in Europa erliegend, sah sich gezwungen, die Juden wieder zurückzurufen. Mittlerweile hatten diese in ihrer Verzweigung eine jährliche hohe Steuer angeboten, welche von der Kaiserin sofort angenommen wurde. Die Vertreter der böhmischen Judenschaft hatten aber die Kräfte derselben überschätzt, und die Steuer wurde bald eine unarträgliche Last. Die Rücksichtslosigkeit und Härte, mit welcher die kaiserlichen Beamten bei der Einhebung vorgingen, veranlagte ein Konsortium von Juden, diese Steuer dem Staate abzupachten. „Es stellte sich bald „heraus, daß der böhmische Jude, nebst allen andern Staats- und Landesabgaben, überdies noch „jährlich fünfzehn Procent seines Vermögens als „Judensteuer zahlen mußte." Diese mußte neben der Gebäudezinssteuer auch von den Häusern in der Judenstadt und Läden am Prager Tandelmarkte, wo aber bei den letzter« der Grund Eigenthum des christl. Hausbesitzers blieb — von mit fünf Procent angelegten Capitalien, von nicht fruchtbringenden Immobilien, ja sogar von zweifelhaften Ausständen bezahlt werden. Eine unrichtige Vermögensangabe oder Verheimlichung hatte unnachsichtlich Vermögensconfiscation zur Folge, und alles dieses zu einer Zeit, wo der österreichische Staat eine mehr als fünfprocentige Capitalsverzinsung als Verbrechen des Wuchers betrachtete und den Empfänger mit drakonischer Strenge in infamirender Weise bestrafte! Wäre die Steuer nach den gesetzlichen Bestimmungen eingehoben worden, so hätte sie, mathematisch berechnet, jeden böhmischen Juden in kurzer Frist zum Bettler machen müssen., (Fortsetzung folgt.) A N ZEIG E N. Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. Die Restauration von Jofeph Bernhardt (früher Geschwister Goldaeker), Brmunschweig, Ziegenmarkt 7, halt sich dem geehrten reisenden Publikum hiermit bestens empfohlen. _[1702. in Commis der Manufactur- und Kurzwaaren- Branche (israel. Confession) sucht pr.October d. I. Engagement. Offerten besorgt unter L. P. Nr.. 1744 die Exped. d. Bl. eine Mehl-, Getreide-, Branntwein- und Li- O queur - Handlung wird ein junger Mann gesucht, der die einfache Buchführung und kaufmännische Correspondenz zu besorgen hat und. gründlich versteht, und in einem Getreide-Geschäft en detail thätig gewesen sein muß. Auf ein empfehlendes Aeußere wird geseheru Franco-Offerten sub Nr. 1623 besorgt die Ex-* pedition d. Bl. c^ür mein Putzgeschäft. welches Sabbat und Fest- O tage streng geschlossen ist, suche ich per I.October d. I. eine tüchtige Arbeiterin. Dorette Kleeberg 1705] in Gütersloh in Preußen.