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Der Israelit · 1875-07-21 · Heft 29 (21.7.1875) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 29 (21.7.1875)
Date
1875-07-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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646 Der Targum Jonathan zu 1. B. M. C. 10, V. 21 nennt den Schern 'm «rfcrro nm, „groß in der Gottesfurcht," und das ist es in der That, was den Nachkommen Schemas ihre Bedeutung verliehen hat. Die Religion Israels, die Gotteserkenntniß, das gottgefällige Thun, der gottgefällige Wandel, die hohe sittliche Reinheit, der Besitz der ewigen, unanfechtbaren, unumstößlichen Wahrheit, die sorgfältige und unablässige Pflege der höchsten sittlichen und geistigen Eigenschaften — das sind Israels unendlich werthvolle Schatze, im Vergleich mit denen die Künste, Wissenschaften und materiellen Errungenschaften der Chamiten und Japhetiten völlig werthlos sind. Während die Chamiten die Naturkräfte als solche vergötterten, während die Japhetiten die Naturkräfte idealisirten, um sie also vergeistigt zu vergöttern, hat Abraham Gott erkannt, den einzigen, wirklichen, all-einigen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde; und Gott hat sich dem Abraham offenbart und aus dessen Samen das gottgeweihte, von Gott erkorene Volk erstehen lassen. Die ganze Entstehungsgeschichte Israels zeigt uns lauter Gegensätze gegen das Walten der Naturkräfte. Losgelöst wird Abraham von feinem Baterlande, seiner Heimath, seiner Familie — keine der natürlichen Vorbedingungen aller Entwickelung wird ihm gelassen; in einem fremden Lande, von Chamitischen Gräueln umgeben, muß er als Fremdling leben; er ist, wie kein Anderer, ungeeignet, der Stammvater eines Volkes zu werden, denn er ist kinderlos ipy, und seine Gattin ist mpp, unfähig zu gebaren, mtve? nrvn non mir niDZi’) nb |\x mi nD n1? px mpy nur »nm ('2 l”D Stets ist es die besondere Fürsorge Gottes, n»cns r.ruwn, die dem Walten der Naturkräfte entgegentritt. Aehnliche Verhältnisse finden wir bei Riwkah, bei Rachel und bei Leah; es bedurfte erst des heißinnigen Gebetes, um die entgegenstehenden, natürlichen Hindernisse zu beseitigen. nwnD lY'sprw »jso ompy u»nDK rn no ’Jbd .('n *fo moa») D'pns bv imsrö Zu einer Familie herangewachfen, wird Israel in die Sclaverei geführt, in die harten, strengen Sclavenfesseln eines in Chamitischen Gräueln hervorragenden Volkes; die erste natürliche Bedingung der Entwickelung zu Größe und Bedeutung, die Freiheit, wird ihm genommen; entwürdigend fallen die Schläge der Aufseher o’Dd nar auf die Rücken der Edelsten des Volkes »D now di») — was andern Völkern den moralischen Tod gebracht hatte, eL wird den Israeliten zu einer wohlthätigen Leidensschule, in der sie lernen, Alles aus Gottes Hand zu empfangen. Gott befreit das Volk, hebt es hoch empor und offenbart sich ihm. Dann führt Er es in ein Land, das inmitten dreier Erdtheile liegt, auf das jeder Zusammenstoß feindlicher Völkermaffen naturgemäß treffen und Tod, Vernichtung und Zerstörung bringen muß. Aber die Zerstörung trifft nur das Land, den Staat, das Volk bleibt unvernichtet; es gibt der Welt das niegesehene Beispiel, daß ein Volk lebt und blüht, trotzdem es Alles verloren, was die Vorbedingungen eines Volkslebens sind. Wie einst der zeugungsunfähige Abraham und die gebärungsunfähige Sara die Eltern dieses Volkes durch göttliche Fürsorge geworden, so bleibt das Leben dieses Volkes trotz aller naturgemäßen Todesursachen durch göttliche Fürsorge erhalten. Gerüstet und gewaffnet standen gegen Israel alle Nationen während des ganzen Mittelalters, Verfolgungen und Bedrückungen an allen Ecken und Enden, eine Leidensgeschichte ohne Gleichen, und jetzt? die Waffen, die gegen Israel geschmiedet wurden, haben ihre Schärfe verloren, die Verfolgungen und Bedrückungen haben großentheils aufgehört, die Leiden stad überwunden — sollten wir jetzt unserer erhabenen Bestimmung untreu werden und unter Chamiten und Japhetiten verschwinden? Nein! Gerade im gewaltigen Ringen der Gegenwart muß Juda in gedoppelter Treue seinem Gotte, seiner Aufgabe treu bleiben zu seinem eigenen Heile, zum Heile der gesammten Menschheit. (Fortsetzung folgt.) NtisrskM» aus Ungarn. VI. Berlin, 11. Juli. Wie aus den Schlußsätzen meines jüngsten Berichtes zu ersehen war, verließ ich Miskolz mit dem Gefühle tiefer Verstimmung. Es hat daselbst in der That eine Diffolution der Verhältnisse platzgegriffen, die fast mit Naturnothwendig» keit die Vernichtung des ganzen GemeindeOrganis» mus zur Folge haben muß. Doppelt bedauerlich jedoch ist hiebei der Umstand, daß ein jüd.-orth. Schiedsgericht diese grausige Verheerung auf dem Gewissen hat. Ich will nicht verkennen, daß das zur Anbahnung eines Ausgleichs zwischen den früher getrennt gewesenen Gemeinden einbernfene Böth-Din in feiner Aktion vom besten Willen geleitet wurde; allein es trieb dasselbe hiebei zuviel Opportunitätspolitik und das war ein — Fehler. Ganz heterogene Elemente lassen sich durch ein

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