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Der Israelit · 1875-07-07 · Heft 27 (7.7.1875) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 27 (7.7.1875)
Date
1875-07-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVI. Jahrgang. Zweite Seitage )« Ur. 87 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Betliu, 2. Juli. Die Kreiszeitung bringt seit einigen Tagen eine Serie von Artikeln, die lebhaft an die Zeit erinnern, da dieses Organ unter Aegide der Dioskuren Gerlach und Hermann Wagener noch die schöne Welt regierte. Ein geschickt zurecht gemachtes Ragout von Wahrheit und Dichtung, stark gewürzt mit der Paprika des Hepp- Hepp, sollen diese Artikel beweisen, daß die neudeutsche Wirthschaftspolitik nur äußerlich eine Aera Camphausen-Delbrück, in Wirklichkeit aber eine Aera „Gerson von Bleichröder" ist, daß alle Bank-, Actien- und Börsen-Privilegien der letzten Jahre nur Inden-Privilegien sind, von Juden im Reichstag und außerhalb desselben für Juden geschaffen. ' Aber auch Bleichröder und sein unsichtbares Wirken an den Drahten, die Camphausen, Delbrück und die Reichsgesetzgebung in Bewegung setzen, ist nicht das eigentliche Schwarze, Las die „Kreuzzeitung" treffen will; ihr Ziel liegt vielmehr hinter der aufgestellten Scheibe und wird auch trotz derselben weithin sichtbar. Denn — von wessen Gnaden ist Herr Bleichröder, der spiritim rsotor der deutschen Finanzpolitik? Diese Frage beantwortet das feudale Blatt mit der ausgesuchtesten Perfidie, indem es erklärt, es sei ein Grundsatz der „regierenden jüdischen Bankpolitik", mit den leitenden Staatsmännern möglichst viele persönliche finanzielle Berührungspunkte zu gewinnen, und dann wörtlich fortfährt: „So weiß man. daß die Schulden des Herrn v. Beuft seiner Zeit denselben stets in nächster Nähe Verbindung mit den hohen Finanzkreisen erhalten haben, und es ist fast selbstverständlich, daß Herr v. Beuft seine Informationen über die in der Finanz- und Wirthschaftspolitik in Oesterreich innezuhaltende Richtung ganz vorzugsweise bei den ihm so nahe stehenden hochfinanziellen Kreisen geschöpft hat. Es find sogar Mittheilungen vorhanden, welche die seiner Zeit überraschende Thatlache, daß Herr v. Beuft nach dem Kriege 1866 Lenker der österreichischen Staatsgeschicke wurde, mit den Schulden des Herrn v. Beust und dem Einflüsse der hochfinanziellen Kreise in Wien in > Verbindung bringen wollen. Aller Welt bekannte! Thatsache ist, daß mit der Aera Beust in Oesterreich gleichzeitig die großartige Actien- und Börsenschwindel-Aera in Scene ging, welche angeblich einen „Aufschwung der Volkswirthschaft" herbeiführen sollte, dagegen in Wirklichkeit Oesterreich dem Rande des wir'thschaftlichen Verderbens nahe gebracht hat, während allerdings die hochfinanziellen Gönner des Herrn v. Beuft reiche Ernten gehabt haben. „Auch mit dem Fürsten Bismarck sollen, schon ehe er Minister in Preußen wurde, hochfinanzielle Kreise in nähere Berührung getreten sein. Die intimen Beziehungen des Herrn v. Bleichröder zum Fürsten dürsten, mindestens indirekt, schon an die vorministerielle Zeit des Fürsten anknüpfen, als derselbe, um mit spärlichem preußischen Gefandtengehalte und ohne erhebliches Vermögen seinen Souverän in Petersburg, Paris und Frankfurt repräsentiren zu können, allerdings guten Rath in finanziellen Dingen haben mußte." Eine böswilligere Insinuation, als sie in den citirten Zeilen enthalten ist, kann kaum gedacht werden. Diese Opposition hat den Boden sachlicher Kritik und selbst persönlicher Polemik verlassen, um sich den Orgien schlecht verhüllter Verdächtigungen hinzugeben. Berlin, 2. Juli. Der Verfasser der „Aera Bleichröder-Delbrück-Camphausen" hält in seinem dritten Artikel alle vorher gemachten schweren Anklagen und Beschuldigungen aufrecht. „Erwarten Sie nichts von Herrn Camphausen, er ist der größte, — sagen wir, Börsen-Freund!" So die Charakterisirung des Finanz-Ministers durch die „Kreuzzeitung", und jeder Mensch mit fünf Sinnen weiß, wie er'die Bezeichnung „Börsen-Freund" zu deuten hat. Das Gleiche gilt von dem Staats- Minister Delbrück, denn er bildet nach Ansicht des Kritikers der „neuen deutschen Wirthschafts-Politik" mit dem Finanz-Minister zusammen ein Dioscuren- Paar. Fürst Bismarck überläßt diesen Beiden, vor Allem aber dem Herrn Gerson v. Bleichröder, die Entscheidung aller Fragen, die auf dem Gebiete der Reichs-Finanzen austauchen. Der Kanzler macht vor diesen Fragen hauptsächlich Halt, denn er hat einmal in diesen wichtigsten Angelegenheiten dem Chef des Bankhauses S. Bleichröder Vollmacht ertheilt, und der große Börsen-Speculant läßt, was er für richtig erachtet, durch die Herren Delbrück und Camphausen ausführen. Hinter Gerson

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