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Der Israelit · 1875-05-19 · Heft 20 (19.5.1875) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 20 (19.5.1875)
Date
1875-05-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVI. Jahrgang. Zweite Geilage)« Nr. 20 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Geistliche ging wohl von der Ansicht aus, daß bei confessioneller Verschiedenheit eine Mitwirkung beim Gottesdienste unzulässig sei, und doch war das nur! Instrumentalmusik, während man in Carlsruhe trotz; der zum Gesang bestimmten Gebete dabei nichts j Anstößiges findet. München, 7. Mai. In Erlangen ist am vergangenen Mittwoch das von Zumbusch modellirte Denkmal des Universitäts-Professors Dr. Jacob Herz unter starker Betheiligung von auswärtigen Universitatsprofessoren, Studentencorps u. s. w. enthüllt worden. Die Festrede hielt Professor Dr. v. Brinz von München. Dr. Hcrz ist der erste Jsraelite, dem in Bayern ein Denkmal errichtet worden ist. Carlsruhe. Während ich dieses schreibe, wird die Einweihung der neuen Synagoge nach dem festgestellten Programm vor sich gegangen sein. Als ein Curiosum verdient die Anordnung des Vorstandes hervorgehoben zu werden, daß zur Hebung der Feier auch nichtjüdische Choristen aus dem hiesigen Opernpersoual Mitwirken sollen, als wenn die confessionelle Verschiedenheit bei einer gottesdienstlichen Feier gar nichts ausmache. Es muß dieses von jedem Vernünftigen als etwas der Natur des Menschen Widerstrebendes und darum Widersinniges betrachtet werden. Ich erinnerte mich, als ich diese Anordnung las, eines Vorfalls, der sich in den vierziger Jahren zutrug, viel Aufsehen erregte und als ein Akt der Intoleranz dargestellt wurde, und doch hatte der betreffende intolerante Mann ganz correct gehandelt. In' ein badisches Städtchen kam von Zeit zu Zeit der auch als tüchtiger Violinspieler bekannte Tanzlehrer H. aus W. und fand dort stets gastfreundliche Aufnahme bei einer angesehenen christlichen Familie, deren Mitglieder sämmtlich Musik mit besonderer Vorliebe trieben und Herrn H. darum ihre besondere Gunst zuwandten. Der Vater derselben wollte an einem Sonntage das Talent seines Gastes auch in der Kirche glänzen lassen und lud ihn ein, bei der Kirchenmusik mitzuwirken, welche Einladung Herr H. auch voll Vergnügen über die ihm zu Theil gewordene Ehre annahm. Kaum hatte jedoch der das Hochamt celebrirende Geistliche davon Kunde erhalten, daß ein Jude bei dem christlichen Gottesdienste mitwirke, so ordnete er dessen Entfernung an, und dvn §rs, mal gre, Herr H. mußte zur Kirche hinaus. Der Carlsruhe, 12. Mai. Heute wurde hier die neue Orgelsynagoge unter großem Pompe eingeweiht. Ihre König!. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin wohnten der Feier ber. Der ehemalige Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herr Millstätter, nunmehr an des sel. Altmanns Stelle geistliches Mitglied des Oberraths der Israeliten, und Herr Vorsteher Bielefeld wurden mit dem Zähringer Orden erster Klasse decorirt. Frankfurt a. M., 9. Mai. Das im vergangenen Jahre gegründete israel. WaiseninstituL veröffentlicht soeben seinen ersten Jahresbericht. Nach demselben war es im Stande, wenigstens die dringendsten Gesuche zu erledigen und sechs Pfleglinge im Alter von 7 bis II Jahren aufzunehmen. Von diesen ist einer außerhalb untergebracht, während die übrigen in einer hiesigen Lehrer-Familie Wohnung und Beköstigung erhalten und einen gründlichen Realschul»Unterricht genießen. Zum Zweck der Errichtung eines eigenen Erziehnngs - Hauses wurde ein Grundstück in der verlängerten Uhland- Straße erworben, dessen Bebauung noch in diesem Jahre in Angriff genommen werden soll. Bis zum 1. Januar d. I. flössen dem Institute 49,707 fl. 5 kr. als Geschenke und 3024 fl. als jährliche Beiträge zu. Von diesen konnten nach Bestreitung der Ausgaben dem Fond» Conto 52,000 fl und dem Betriebskonto 72 fl. 48 kr. überwiesen werden. Die Kosten der Verpflegung, Kleidung, des Unterrichts rc. der Zöglinge betrugen 1963 fl. 4 kr. Da der erste Zögling aber erst Mitte Mai v. I. ausgenommen wurde und die übrigen nur allmählich folgten, so werden die Ausgaben für das laufende Jahr sich bedeutend höher stellen. Aus diesem Grunde mußten manche, sonst sehr beachtenswerthe Gesuche um Aufnahme abgelehnt werden und es ist nur zu wünschen, daß die Theilnahme, welche das Institut bei seiner Gründung gefunden, ihm in immer wachsendem Maße erhalten bleibt, um die hochwichtige Aufgabe, die es sich gestellt, in ihrem gunzen Umfang erfüllen zu können.

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