Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-05-19 · Heft 20 (19.5.1875) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 20 (19.5.1875)
Date
1875-05-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447621--11558-2467347
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

440 den ersten Geldern, die ich einsammle, zahle ich sie Ihnen heim und Gott wird es Ihnen lohnen*" „Du bist ein braver Mensch, ein sehr braver Mensch Schade, daß die Juden keine Heiligen haben; wärest Du ein Christ und so unermüdlich im Wohlthun, so arm und doch so eifrig im Dienste der Nächstenliebe, man würde Dich dereinst selig sprechen. Hier sind die zwanzig Gulden, brauchst sie nicht wieder zu bringen, ich schenk' sie Dir!" „Nein, schenken nicht," ruft der Jude, „als Geschenk nehme ich sie nicht, nur geliehen, ich bringe sie Ihnen einzelweis wohl, aber ganz gewiß wieder. Die Zinsen zahlt Ihnen der liebe Himmel! Sie sind ein guter Mensch. Nur schade, daß Sie ein Christ sind; wären Sie ein Jude, so würde man Sie zum Rabbi machen, und Sie hätten Ihren Platz im Paradiese. Nun gute Nacht, der Sabbat hält schon seinen Einzug, die Fenster erhellen sich, die Synagoge flammt auf im Scheine von Hunderten von Kerzen; schon eilen Männer, Frauen und Kinder in Festgewändern in das Gotteshaus, für einen Tag aller Sorge entlastet und dem Menschthum wiedergeaeben, nachdem sie sechs Tage lang wie die Ackergäule am schweren Pfluge gearbeitet, gekämpft und gedarbt haben. Sonntag beginnt der Tanz von Neuem, und so geht's fort, bis man sich müde hinlegt, um nicht wieder aufzustehen! Gute Nacht, Hochwürden! Auch ich trete meine Sabbatruhe an; in nächster Woche heißt es wacker ausholen, um das entlehnte Geld einzubringen. Gott wird schon helfen!" Und behenden Fußes, glücklich, die Mittel gefunden zu haben, die dringende Hilfe leisten zu können, und selig im Gefühle der Sabbatweihe, eilt der fromme Mann in das nahe Gotteshaus. * * * Wenige Tage später stehen zehn fromme Juden an dem Bette eines Sterbenden. In der engen, nieder» und dumpfen Stube, von einem matten Talglichte düster erhellt, schwebt der Todesengel über dem elenden Lager eines verröchelnden Menschen, der sich eben änschickt, den letzten schweren Gang über die Schwelle des Lebens zu machen in das unbekannte Reich des Jenseits. Es ist der Bettler für Andere, der Almosenier in dem Talare, Rabbi Jankel. Eine Nachtwache am Krankenlager eines armen Religionsgenossen, und ein Gang in rauher Morgenkühle hinaus auf den Friedhof zum Gräberbesuche haben den Brand entzündet, der sein Leben rasch verzehrte. Die zehn Männer harren betend des Erlöschens des letzten Lebensflämmchens am Sterbebette. Der Kranke öffnete die Augen. Der nächststehende Mann beugt sich zu ihm nieder. „Vergeßt nicht die zwanzig Gulden an den Geistlichen — Ihr wißt schon —" stammelte er. „Nein, nein!" „Und die sechs kleinen Kinder der verstorbenen Wöchnerin —" „Gewiß nicht." „Gott lohn's Euch!" — Und er starb. ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Für ein schönes, gebildetes und häuslich erzogenes, junges Mädchen, 26 Jahre alt, von achtbarer Familie, ohne Vermögen, wird eine passende Partie gesucht Frankirte Anfragen unter H. 41232 befördert die Annoncen - Expedition von Haasenftein 8f Bögler in Köln. [4222. in gebildetes israel. Mädchen wird zur Erziehung von Kindern in einer anständigen Familie gesucht. Franco - Offerten unter Nr. 1207 besorgt die Exped. d. Bl. /gesucht eine israel. Köchin auf sogleich. Ofv*/ ferten unter H. 02202 gefälligst an die Annoncen-Expedition von Haasenstein & Vogler in Hamburg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.