Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1875)
- Date
- 1875-03-03
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XVI. Jahrgang. Zweite Beilage jtt Ar. 9 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. München, 17. Februar. Die Nordpolexpedition der hiesigen Gemeindeverwaltung ist glücklich von Nürnberg retournirt. Es wurden selbstverständlich mit dieser Mission nur Männer der Wissenschaft, nämlich die Herren Müller und Schneidermeister Epstein betraut. Letzterer wahrscheinlich aus dem Grunde, weil er die zu einer solchen Entdeckungsreise nöthigen Instrumente z. B. die Scheere, um Gebete abzustutzen, Talesim zuzuschneiden rc. u. drgl. am besten zu handhaben versteht. Wenn wir uns auch vorerst nicht in der Lage befinden, über die Observations-Resultate obiger Herren Näheres berichten zu können; so müssen wir doch jedenfalls der Bescheidenheit unserer hiesigen Cultusverwaltung, welche sich, in edler Selbstverleugnung ihrer Urtheilskraft, zur Belehrung über Reform an eine junge Provinzialgemeinde wandte, alle Anerkennung zollen. Aus der bayrischen Pfalz. Kaum sind die Zähren getrocknet ob des schweren Verlustes, von dem die Gemeinde Rülzheim x"y’ betroffen wurde — und diese schätzbaren Blätter vor ca. 3 Wochen Notiz davon nahmen — und siehe: D'o u-rysyi nyonmn\ Denn wir standen schon wieder am Sarge eines Mannes, der zu den seltenen sowohl hier,' als in der ganzen Pfalz zählte! Ach dieser unerbittliche Tod! „Heute pocht er an dieser Pforte, morgen an jener; noch Keinen hat er verschont! Die unerwünschte, schmerzliche Botschaft, früher oder später, bestellt er an jeder Schwelle, wo ein Lebendiger wohnt!"*) Rabbi Samuel Klaus hieß der Theure, dessen Verlust wir beklagen, dessen sterbliche Hülle gestern, 7. Februar, dem kühlen Schoße der Erde überantwortet wurde. Mit den Anfängen der ‘w® vorbereitet, fing der Verblichene in seinem 12. Lebensjahre an (bei n"y Fpr '-i zu Albersweiler) zu „lernen". Durch *) erfüll«. seinen eisernen Fleiß, gepaart mit eminentem Talente machte er überraschende Fortschritte, so, daß er zu 15 Jahren als „feiner Bochur" in Frankfurt a. M. eintrat. Zwei Jahre verbrachte er daselbst. Dürfen wir behaupten, daß er -,2jn psxno rvn bui njn-8 jru '-i in und mit großer Liebe dem „Lernen" oblag, so ist es nicht minder richtig, Dnnm nx xaua rvn2\ Widrige Familien-Verhältnisse aber beriefen ihn nach Hause; denn seine sel. Mutter war Wittipe geworden, und er sollte Ernährer derselben und ihrer drei noch unmündigen Kinder werden. War die „Arbeit wirklich groß", die auf seine jungen Schultern gelegt wurde, so überzeugte er doch bald seine Freunde, wie er den Satz würdige: rvtya nx musste' rox^cn n^ru! Er wurde Fruchthändler, erwarb sich als solcher allgemeines Vertrauen und, erst nachdem seine Geschwister erzogen und versorgt waren, dachte er daran, ein „Haus" zu gründen. Auch da ruhte der „Segen Gottes auf seinen Werken", und es bethätigte sich an ihm das alte Wort: ntcnj/D nc^pV is:d wyo mwn nx D”pon t>3, Ja, jede freie Stunde, die ihm an Werktagen blieb, ganz besonders aber Sabbate und Festtage widmete er der Beschäftigung mit emoi d"z», bewies aber auch durch sein Beispiel ->p’y xm crnon x'Jitf ntpyon xrx. Und wenn so der vielen Grüfte wir gedenken, die sich in kürzerer Zeit hier und anderwärts über eine Anzahl aus den Reihen der Unsrigen geschlossen, dürfte die Frage sich herandrängen: Wo ist ein genügender Ersatz uns geboten? Wer tritt an die Stelle der „Gegangenen" in die Vorderreihe? Wer füllet die großen Lücken aus, die unter uns entstanden sind? Wohl besitzen wir hier und da Männer, welche in unermüdlicher Thätigkeit und mit zähestem Widerstande der Verflachung des religiösen Lebens entgegentreten; aber sie sind großentheils über die Höhen des Lebens hinaus und — zu vereinzelt. Doch;o7x xb wir bedürfen ja des Trostes! Von dem Verblichenen dürfen wir sagen: xü -y 7M2X in* \ti er blieb fest in wahrhafter Frömmigkeit bis zum Untergange seiner Lebenssonne, der am v'rssVv 's p"»y erschien. Ist seine irdische Hülle ihrem Ursprünge wiedergegeben: B"n '\xipj Dnrvoa *)x v'p'-.L, sein Geist aber und Beispiel werden lange, werden immer fortleben im Kreise seiner Frau und Kinder, in den Herzen