Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1875)
- Date
- 1875-03-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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184 sofort in dem Fremdling ihren jugendlichen Freund, ihren Vetter. ES wäre hier zu weitläufig die Scene zu schildern, die sich hier abspielte und die einem Dichter genügenden Stoff zu einem Schauspiele liefern würde.' Der Fremde erzählte, daß er in der jüngsten Zeit mit nicht unbedeutenden Entbehrungen zu kämpfen, das Nigorosum glücklich überstanden, sich aber vorgenommen hatte, das Haus seines Oheims, das er vor 10 Jahren verlassen und dem er so viel Gutes zu verdanken habe, nicht eher wieder zu besuchen, bis er eine anständige Carribre, eine sickere Praxis erlangt habe. Beides ist ihm gelungen, und als er nun in K. die Nachricht von der'Verlobung Rofa's erhielt, eilte er her, um Zeuge des Glückes zu sein, das seiner geliebten Base zu Theil wird. Eine Stunde später sah man unter dem Trau-! Himmel Frl. Rosa Müller mit Herrn — Dr. Jo- ' sef B. den Segen des Rabbi empfangen. — Vier- Zigeuner bekamen Wink von der unerwarteten Wendung der Sache; sie eilten herbei und sofort begann das Raunzen der Fiedeln und das Schrillen der Klarinetten; die Hochzeitsgäste stampften drollig den holperigen Stubenboden, sie nannten dieses Tschärdasch'tanzen. Unter den Tschordäsch-Tänzern zeichnete sich besonders Einer aus, der seine mit juchtenledernen Stiefeln bewaffneten Beine erstaunlich flink und kunstvoll schlenkerte, häufig mit der flachen Hand auf die hohen Stiefelballen schlug, daß es eine Lust war anzuschauen — es war der Ex-Bräutigam, der sich wenig die weggekaperte Braut zu Herzen nahm. Der legt schwerlich Hand an sein theures (mindestens 500 fl. werthes) Leben. (I. d. D.) (O i n g e s a n d t.) Germanisches Museum. Wie wir vernehmen, gewinnt der Absatz der vom Germanischen Museum ausgegebenen Loose einen erfteulichen Umfang. Es war dies im Hinblick auf den edlen Zweck der Erhaltung des schönen Gebäudes, sowie der hiermit verbundenen Raumerweiterung des Germanischen Museums wohl von dem Kunstsinne unseres Publikums nicht anders zu erwarten. Ueberdies üben ja auch die zur Verloosung kommenden Werke unserer ersten vaterländischen Meister mit Recht eine hohe Anziehungskraft aus, zumal auch Ihre K. und Kgl. Hoheit die Frau Kronprinzessin des deutschen Reiches und von Preußen 7 eigenhändige Werke für die gute Sache spendete. Man geht wohl nicht zu weit, wenn man behauptet, daß in dem Gelingen der Lotterie der beste Maßftab für das Verständniß liegt, das unsere gebildete Welt allen höhere Zwecke verfolgenden Unternehmungen entgegenbringt; wir wünschen deßhalb der Lotterie des Museums auch fernerhin eine recht rege allseitige Betheiligung. Mainz, 26. Februar. Nachstehendes geht uns zur Veröffentlichung zu: Erklärung. Um Mißverständnissen vorzubeugen, erklären Vorstand und Repräsentanten der Gemeinde Ad aß! Jisro el mit Bezug auf die beabsichtigte Bildung 1 einer Religionsgesellschaft, „Kehal Jisroel/' für welche mittels Circular vom 19. d. M. zur Betheilignng aufgefordert wird: 1) daß die Ad aß Jisroel in durchaus keiner Beziehung zu dieser Neubildung steht; 2) daß zu einer solchen Neubildung eine factische Veranlassung nicht vorliegt, da durch die bereits vorhandenen und möglickst noch zu erweiternden Institutionen der AdaßJisroel den Anforderungen der hiesigen konservativen Gemeindemitglieder genügt wird; 3) daß durch jede Zersplitterung die religiösen Interessen der conservativen Gemeinde wesentlich geschädigt werden. Berlin, 25. Februar 1875. Der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde Adah Jisroel.