Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1875)
- Date
- 1875-02-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XVI. Jahrgang. Der Israelit. Ein Central-Organ des orthodoxen Judenthums. Herausgegeben von i)r. Lehmann in M a : n z. 3H i 11 tu o d), den 2 4. Februar 5 6 3 5 »1 8 7 5). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig ober vierteljährig Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate. 25 Pfennige die Petitzeile oder deren Ramn.— Österreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. I « h A ( t. Leitender Artikel: Die Idee des Judenthums. Zeitungsnachrichten < und Corrcspondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. Düsseldorf. Mecklenburg. — Australien: Melbourne. Feuilleton. Schuld und Sühne. -«hakt der erste« -Beilage: Zeitungsnachrichten mrd Corrcspondenzen: Deutschland: Mainz. Osterode. Hohensnlzen. Königsberg. Lippstadt. — Oest.-Ungar. Monarchie: Wien. Prag. — Frankreich: Paris. — England: London. — Rußland: Warschau. — Amerika: New-York. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Im römischen Ghetto. Inhalt der zweite« Hseikage: Zeitungsnachrichten und Corrcspondenzen: Deutschland: Mainz. Frankfurt a. M. Leitender Artikel. Die Idee des Iudruthums. Von vr. H. Sänger. Es ist heute zur stehenden Phrase geworden, bei allen denen, die mit dem jüdischen Gesetze gebrochen haben und doch fühlen, daß sie einer Rechtfertigung bedürfen — um so mehr, da sie vorgeblich nur die Vernunft als Richtschnur ihres Denkens und Handelns nehmen —, wenn anders ihnen nicht der gerechte Vorwurf gemacht werden soll, ohne irgendwelche gründliche Kenntniß einen so kühnen Schritt gethan zu haben, der einen vollständigen Bruch mit einer so großen nach Jahr-; taufenden zählenden Vergangenheit herbeifihrte: 1 bei diesen allen, sagen wir, ist, es zur stehenden Phrase geworden, daß das Judenthum nur in seiner ihm zu Grunde liegenden großartigen und erhabenen Idee von dem Einen Gotte bestehe, jüdische Gesetze, Sitten und Bräuche aber nicht wesentliche Bestandtheile desselben seien, sondern je den Zeiten und Verhältnissen angepaßt werden könnten, und wenn überhaupt nicht mehr zur Unterstützung und -lufrechthaltung der Gottesidee nöthig, vollständig aufgegeben werden dürften. Heute : nun, wo die Fortschritte der Wissenschaft und Bil-! düng die Gefahr, je wieder zu pantheistischen oder! gar götzendienerischen Anschauungen znrückzufallen,; gewiß für alle Zeiten beseitigt und die jüdische l Gottesidee gesichert sei, konnte man füglich abstehen und absehen von all jenen Geboten und den bis auf daS Minutiöseste in das Leben des Juden eingreifenden Vorschriften, die man bis heute noch für verbindend gehalten und als unbedingt zum Leben des Juden gehörend erachtete. Wir leden in einer Zeit der Umgestaltung,! der Klärung und Sichtung, welche die ganze Ber-! gangenheit der Menschheit mit all dem, was sie | gedacht, gesprochen und gethan vor ihr Forum - zieht und sich die Frage vorlegt: Ist und kann > das wahr fein? Läßt sich das und jenes nach! dem jetzigen Standpunkte unseres Wissens noch aufrecht erhalten? Dürfen wir noch festhalten.