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Der Israelit · 1875-02-10 · Heft 6 (10.2.1875) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 6 (10.2.1875)
Date
1875-02-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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124 gemacht und wird jeder Unparteiische machen müssen, wenn er nicht schon von vornherein mit getrübten Vorurtheilen das fremde Leben auf sich einwirken lassen will. Ueber diese- Thema könnte ich noch manches erwähnen, jedoch betrachte ich den Stoff ausführlich genug behandelt, wenn nut falsche Vorurtheile dadurch zerstreut und durch gesunde Ansichten ersetzt werden. Wenn ich mich in diesem Sinne über die hiesige Gemeinde ausspreche, soll durchaus nicht gesagt werden, daß durch einen klugen Interpreten nicht noch vieles zur Aufklärung der Verhältnisse und des gegenseitigen Verständnisses und friedlichen Zusammenlebens gethan werden kann. Diese Vertrauensperson erblicke ich in dem Herrn Rabbiner Bigard, dessen Stelle ihn zu einer solchen tüchtig macht. Herr Bigard ist ein geborner Elsässer und erhielt seine Ausbildung vor zwanzig Jahren in der hiesigen Rabbinenschule. In Pfalzburg, dem Orte seiner früheren Thätigkeit, war derselbe schon darauf angewiesen, in der französischen und deutschen Sprache zu predigen, da viele seine Zuhörer nur des letzten Idioms mächtig waren. Wir haben ihn von der hiesigen Kanzel herab bis jetzt nur in der französischen Sprache vernommen, jedoch soll er auch die andere mit Meisterschaft beherrschen und schon bei der nächsten Gelegenheit, da es die Regierung wünscht und die deutschen Zuhörer verlangen, sich in derselben hören lassen. Nach der bestehenden Ordnung soll eine Rede in französischer, die andere in deutscher Sprache gehalten werden. Herr Bigard hat sich jedoch in feinen beiden Predigten nur der ersteren bedient, aber in einem in einer m2n gehaltenen Vortrage der letzteren den Vorzug geschenkt. Das hiesige Publikum ist, so scheint es, an öftere und lange Reden nicht gewöhnt und wenn es von der Kanzel herab jährlich viermal das Wort Gottes in seiner Muttersprache vernimmt, vollkommen befriedigt. Die Stellung eines Rabbiners ist in hiesiger Gemeinde deßhalb auch eine sehr angenehme und erfordert wenig Anstrengung, und da der Rabbiner von : der Regierung besoldet wird, so ist er nur dieser für : sein Thun Rechenschaft schuldig. Herr Bigard! faßt seine Stellung auch von dieser Seite auf und j wird derselbe niemals mit dem Gouvernement in; Collision gerathen. Bei der feierlichen Installation j desselben erwies ihm die deutsche Regierung die - gebührende Ehrerbietung und verlangte sie von der etwas zögernden Gemeindevertretung dieselbe feier-! liche Einführung für Herrn Bigard. wie sie bei j dem flmt&antüüc früherer Rabbiner stattfand. An-; wesend waren die Spitzen der deutschen Behörden, j der Maire und viele angesehene Persönlichkeiten j der hiesigen Stadt. Herr Bigard deutete schon i damals in seiner Antrittsrede an, daß seine Stel-! lung nur die eines Priesters sei und daß seine j Thätigkeit nicht auf politisches Gebiet hinüberge-! lenkt werden könne, und man kann mit Bestimmt-! heit Vorhersagen, daß Herr Bigard auch niemals j feine Stellung mißbrauchen und die sehr mäßigen j Anforderungen der Regierung stets ausführen wird.! Herr Bigard findet ein recht ergiebiges Feld für! seine Thätigkeit, wenn er Gegensätze in hiesiger i Gemeinde zwischen den eingebornen und eingewandcrtcn Israeliten ausgleichen will. Die Metzer Gemeinde soll von jeher Eingewanderte als Fremdlinge scheelsüchtig betrachtet haben und ein gewisser Adelstolz, der nichts Fremdes als ebenbürtig ansehen wollte, wurde ihr schon längst zum Borwurf gemacht. Daß diese gerügte Eigenschaft in Folge der neuen Verhältnisse schärfer als früher zu Tage treten mußte, läßt sich leicht denken, da man nicht einen, sondern viele „Eindringlinge" dulden sollte und diese neuen Ankömmlinge zu dem Volke deS Siegers gehören. Jedenfalls kann hier das kräftige Wort eines Rabbiners viel wirken und die Kluft nach und nach überbrückt werden. Wenn Herr Bigard von dieser Seite seine Stellung auffaßt, kann sie eine segensreiche werden und die deutsche Regierung hat mit der Initiative, einen Rabbiner an der Spitze der hiesigen Gemeinde zu wissen, keinen Fehlgriff gethan. (Fortsetzung folgt.) A N Z E I G E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. /Tr e sucht ein Lehrling, kräftig und wohlerzogen, vsJ in einem lebhaften Mode- und Manufacturwaaren - Geschäfte an einem Platze 2. Ranges in Bayern unter günstigen Bedingungen. Franco- Offerten sud Nr. 233 besorgt die Expedition dieses Blattes.

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