Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-01-13 · Heft 2 (13.1.1875) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 2 (13.1.1875)
Date
1875-01-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447605--11187-2466960
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

33 „Meierle verbrennt, rettet Meierle!" schrie eS draußen. Sogleich flogen Ströme Wassers in den glühenden Schutt, aus dem Rauch und Dampf und Asche aufwirbelten, vermischt mit Flammen, die hier und da emporzüngelten. „Das Meierle verbrennt", schrie es aus unzähligen Kehlen fortwährend, , rettet das Meierle!" und wieder und immer wieder flogen die Wasserstrahlen in den Schutthaufen vor der Synagoge. Aber bevor derselbe gelöscht war, sah man eine weibliche Gestalt denselben erklettern, und ehe man es verhindern konnte, dahinter verschwinden. „Das ist die Fremde, die Fremde, deren Mann hier gestorben. Sie will verbrennen, sie sucht den Tod", schrie es durcheinander. Und mit den Menschenstimmen mischte sich das Prasseln der Flammen und das Klagen der Glocken und das dumpfe Tönen der arbeitenden Spritzen. Meierle hatte während der Zeit, welche er in der Synagoge war, so viel Rauch geathmet, daß es seiner ganzen Energie bedurfte, um einer Ohnmacht zu entgehen. Als er jedoch den Ausgang aus der Synagoge verhindert fand, war es der plötzliche Schreck, der seine geistige Kraft erlahmen machte, taumelnd nur erreichte er das Fenster, bei dem er plötzlich zusammenbrach, nachdem er seinen in fürchterlicher Angst ausgestoßenen Hilferuf ausgestoßen. Nur wenige Minuten noch, und es wäre um ihn geschehen gewesen, aber Diejenige, die ihn einst von sich gestoßen, die sein Lebensglück zerstört, war jetzt' seine Retterin. Ihrer selbst nicht bewußt, war sie in die Synagoge geeilt, als sie den Nuf vernommen: „Meierle verbrennt!" Sie achtete nicht der Gluth, die ihre Schuhe versenkte, noch des Rauches, der ihr entgegenströmte; ein Mann, den sie einst bitter gekränkt, und der ihr diese Kränkung durch Edelmuth vergolten, war in Gefahr. Sie fühlte, daß die Stunde gekommen, wo sie sühnen konnte, was geschehen. Sie kam in dem Augenblick in die Synagoge, da Meierle wankte; mit ihren Armen sing sie ihn auf. Die Verzweiflung, das blinde Handeln verliehen ihr Kräfte, welche die eines gewöhnlichen Weibes weit überstiegen; wie ein Kind nahm sie den Halbohnmächtigen auf die Arme und eilte mit ihm hinaus, hinweg über den rauchenden Schutt. Ein Schrei der Freude und der Anerkennung empfing sie, aber sie vernahm ihn nicht; Todtenblässe überzog ihr Gesicht, ein starker Blutstrom entquoll ihrem Munde und kraftlos sank sie mit dem Geretteten zur Erde. (Schluß folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Die zum 1. Januar 1875 neueintretenden Abonnenten erhalten die Nummern, in denen die Anfänge der beiden Erzählungen, „Schuld und Sühne" und „Meierle" stehen, gratis und franco, sobald sie dieselben bei uns bestellen. Die Expedition des »Israelit". Zwei Lehrlinge suche für mein M.'nufacturwaaren - und Damenconfectionsgeschäft, welches Sonnabends geschlossen ist. Stettin. (40. _ CVn meinem Weingeschäfte ist eine Lehrling- und Volontairstelle frei. Nur Diejenigen haben den Vorzug, die gute Kenntnisse besitzen. Achtungsvoll I. L. Scheid, 3398] Weinhandlung in Würzburg. Wir suchen, womöglich zum sofortigen Eintritt, einen mit guten Schulkenntnissen versehenen jungen Mann von streng orthodoxen Eltern für unser Älatt-GolL- und Vronze-Export-Geschast. Selbstgeschriebene Offerten erbitten sich A. Grünbaum & Co., Schwabach (Bayern).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.