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Der Israelit · 1872-12-25 · Heft 52 (25.12.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 52 (25.12.1872)
Date
1872-12-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1075 Feuilleton. Das Testament IX. {*> „Guten Atorgeu, lieber Vater!" lief dem Eintretcitbcir Bertha entgegen. „Was fehlt Dir? Du bist Loch nicht krank? Du siehst blaß und angegriffen aus!" „„Krank bin ich nicht,"" antwortete Müller, „„aber mir ist schlimm zu Muthe; ich habe großen, schweren Kummer. Schließe das Zimmer ab, mein Kind!"" Bertba that, wie ihr war geheißen worden. Müller setzte sich in einen Lehnstuhl. „So," sagte er, „jetzt setze Dich neben mich, mein Kind. Ich habe Dir wichtige Mittheilungcu zu machen?' „ „Du erschreckst mich, mein Vater, Du bist so ernst und feierlich: dabei siehst Du so kummervoll aus. Was hat sich ereignet? Wenn ich dazu beitrageir kann. Dir Sorge oder Gram zu ersparen, so soll es geschehen.""' „Ich weiß, Du bist mein gutes Kind; aber ich weiß nicht, woher ich den Muth nehmen soll, Dir mitzuthciten, was Du doch erfahren mußt. Doch, es geht nicht anders. So höre, mein Kind. Da Du noch klein warst, schenkte ich Dir einst ein Mährchenbuch. Darin stand eine Erzählung, die mir als Einleitung dienen mag. Es war einmal ein reicher Kaufmann, heißt es in jenem Mährchen, der einst in schwere Verlegenheiten gerietst. Er wandte sich auf den Rath seiner Freunde an einen mächtigen Zauberer, der in einem größere Walde wohnte, um Hilfe. Der Zauberer war ein häßlicher Zwerg; er lachte den Kaufmann aus und schlug ihm jede Hilfe ab. Der Kaufmann aber hatte ein einziges, wunderliebliches Töchterchcn, dem der Kummer des Vaters zu Herzen ging. Es ging in den Wald und flehte den häßlichen Zwerg um Hilfe für seinen unglücklichen Vater an. Da sagte der Zwerg . . . Herr Müller konnte nicht weiter reden; Thränen erstickten seine Stimme. „Da sagte der Zwerg," nahm Bertha den Faden der Erzählung auf, „wenn du mich heiratheu willst, schöne Junzttau, so will ich deinen Vater retten. Das Mädchen erschrak sehr; dennoch willigte sie ein, aus Liebe zu ihrem Vater. Der Zwerg half dem ftaufntauitc, und als die Hochzeit vorüber war, da verwandelte sich der häßliche Zwerg in einen schönen Königssohn, der verzaubert gewesen war und den die freiwillige Hingebung der schönen Jungfrau aus dem Zauberbauue erlöst batte." *) Mau bittet in voriger Nummer VIII statt VII zu „„Halt, mein Kind, Du erzählst zu viel; nur der erste Theil der Erzählung trifft zu. Ich bin der unglückliche Kaufmann,, der durch unvorsichtige Speculatione» an den Rand des Abgrundes gerathen ist. Ich brauche, um mich zu retten, auf's Schleunigste 200,000 Thaler; ich kenne Niemanden, der mir helfen könnte außer Jsak Meschede. Und er will mir helfen. Aber er verlangt, wie der Zwerg im Mährchen, die Hand meiner einzigen Tochter."" „Jsak Meschede!" rief Bertha entsetzt. „„Er will Dich zur Herrin und Erchin seines ungeheuren Vermögens machen."" Bertha bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen und weinte laut. „Freilich," sagte Mülle r, „ist keine Aussicht vorhanden, daß er sich wie der Zwerg im Mährchen in einen schmucken Prinzen verwandle? „„Mein Vater,"" sprach Bertha, „„willst Du wirklich, daß ich das Weib jenes entsetzlichen Menschen werden sott?"" „Wenn ich mich nicht in so schrecklicher Lage befände — ich würde Dir nicht zureden. Jetzt aber muß ich wohl Dir auch die guten Seiten dieser Verbindung vorstellen. Meschede besitzt ein fürstliches Vermögen; er ist alt und kränklich. Nach wenigen Jahren wirst Du die reichste Frau in ... u sein und frei über Deine Hand verfügen dürfen." „„Und soll ich einen Gatten nehmen in der Hoffnung, ihn bald zu beerben? Da sei Gott vor!"" „Meine Tochter, Du hast mir bei nnsern kleinen Streitigkeiten oft genug die Versicherung gegeben, daß Du in allen Dingen, die Deiner religiösen Ueberzeugung nicht widerstreiten, mir eine gehorsame, liebevolle Tochter sein willst, ^rieh, jetzt tritt ein -solcher Fall ein; die Religion verbietet Dir nicht, Meschedes Weib zu werden." „..Doch, lieber Vater; wenn es die Neligon auch nicht geradezu verbietet, so billigt sie es doch nicht, daß ein alter Mann ein junges Mädchen sich nehme, oder daß ein Mädchen einen Mann heirathe, den es verabscheut."" Da an der Thüre geklopft wurde,' so öffnete Müller. Ein Diener meldete Herrn Jsak Meschede, der Herr und Fräulein Müller zu sprechen wünsche. Der Banquier ließ ihn bitten, einzutreten. „Guten Morgen, Müller, guten Morgen, mein schönes Fräulein!" ries Jsak mit quiekender Stimme. „Wie, Sie haben geweint? Und ich bin wohl am Ende die Veranlassung zu Ihrem Kummer!" „„Das sind Sie, Herr Meschede,"" sagte Bertha, „„mein Valcr verlangt etwas Unmögliches von mir!""

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