Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1872)
- Date
- 1872-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1052 strats- und Stadtverordneterr-Sitzung, unter Vorsitz des Regierungs-Präsidenten Delius von Münster, dieses ihres confessionellen Characters entkleidet und zu einer paritätischen Schule erklärt worden in dem Sinne, daß künftig für die Wahl zu Lehrern an derselben nur noch die Tüchtigkeit oieser Kandidaten „ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntniß derselben" maßgebend sein soll. Diesem principaliter festgestellten Character der Schule entsprechend wurden in dem seitherigen Statut die entgegenstehenden Bestimmungen abgeändert. (K. Z.) £> e ft e r r. U n 3 a r. Monarchie. ZVien. Am 17. October 1863 feierte die Wiener israel. Gemeinde den 70. Geburtstag ihres Predigers und Seelsorgers, des Herrn I. N. Mannheimer. Die bei dieser Veranlassung ihm zur Verfügung gestellte Summe von fl. 3000, welche von den Beiträgen erübrigt wurde, die reichlicher als es bedurft zur Bestreitung dieses Festes von allen Seiten eingeflossen, wurde vom Jubilar der Verwirklichung einer seit Langem gehegten Idee zugeführt. Er kannte die Noth, unter welcher sein eigener Stand, der der Prediger, Rabbiner und Lehrer, zumal in den vielen kleinen Gemeinden des großen öfterreich. Reiches schmachtet, er wußte das Elend zu schätzen, dem sie preisgegeben, wenn sie von Krankheit und Siechthum crwerbunfähig gemacht, noch in ihrer letzten Stunde mit der Sorge uni ihre Hinterbliebenen ringen. Diese Ideen mögen es wohl gewesen sein, welche den Verewigten veranlagten, diese Schenkung zu einer Stiftung für erwerbsunfähige Prediger, Rabbiner und Lehrer oder deren Wittwen und Waisen zu bestimrnen, deren Stamm-Capital in fl. 4000 - 5% Metalliques- Obligatiouen, für die obenerwähnte Summe von fl. 3000 angeschafft, bestand, und deren Satzungen unter Mitwirkung eines Comites verfaßt, die Bedingungen und Erfordernisse festsetzte, unter denen die Benefizien dieser Stiftung zu verwenden seien. Nur ein Jahr konnte Die Stiftung unter den Augen ihres Gründers geführt werden, schon am 18. März 4865 starb Herr Mannheimer. Das Curatorium veröffentlichte einen Aufruf zur Vergrößerung der Mannheimer-Stiftung, um in einer ausgiebigeren Verwirklichung der Ideen des Verstorbenen ihm in seinem eigenen Werke ein ehrendes Gedächtniß zu schaffen. Und üt der That waren reichlich ernfließende Gaben der Erfolg dieses Appelles, so daß es, nach dem uns vorliegenden „Bericht des Curatoriums der Prediger Mannheimer-Stiftung über seine Thätigkeit seit der Gründung bis zum Jahre 1872" gelungen, das Erträgniß der Stiftung, welches ursprünglich fl. 200 betrug, bis auf fl. 850, welches in diesem Jahre vertheilt werden konnte, anwachsen zu machen. Die Stiftung verfügt über ein Capital von 13,950 fl. Wien. Sonntag Vormittag am 1. Dec. fand hier die feierliche Schlußsteinlegung des israel. Blinden- Jnstituts statt, welches von dem allbekannten Wohlthäter Baron Jonas v. Königswarter gegründet worden war. Das Gebäude ist auf die prachtvollste Art gebaut; es besteht aus zwei Stockwerken und ist zur Unterbringung von 50 Zöglingen eingerichtet Die Räumlichkeiten sind luftig und gesund, sie sind mit praktischen Einrichtungen versehen und werden durch eine Luftheizung erwärmt. Die Küche ist unterirdisch. Ein großer Garten umgibt die Gebäude und auch ein eignes Bad ist eingerichtet. Die Möbel im Hause sind abgerundet, nämlich ohne Ecken, und überall hängen Griffstangen, damit die Blinden, ohne sich zu beschädigen, hin und her gehen können. Um 11 Uhr Vormittags war das zahlreiche Publikum zur Eröffnung versammelt. Unter den Versammelten waren der Präsident des Instituts, Herr Dr. Ludwig August Frankl, die Rabbiner und Prediger hiesiger Stadt, der Bürgermeister, mehrere Hofräthe, Baron Königswarter, Rothschild, S ch e y u. s. w. vr. F r a n k l hielt eine Eröffnungsrede, bei der er unter Andern: bemerkte, daß diese Anstalt die 141. ihrer Art sei und schloß dieselbe mit einem dankenden Nachrufe an denStister, den verstorbenen Baron Königswarter. Dann begab sich die Versammlung in den Betsaal im zweiten Stock, wo nach Absingung des 122 no die ewige Lampe angezündet und nach anderen Einweihungsceremonien der Schlußstein eingesetzt wurde. Das Institut besitzt derzeit ein von vr. Ludwig August Frankl ausschließlich und mit rastlosem Eifer und mit vollster Hingebung gesammeltes Vermögen von: fl. 120,200 Papierrente, fl. 34,000 Silberrente, fl. 100 Tempel-Schuldverschreibung, 2 Stück Donau-Regulirungs-Loose, Baar-Cassa fl. 6539. 19 kr., Jahresbeiträge von 490 Mitgliedern fl. 5055. Pefth Die Pesther isr. Gemeinde hat wohl schon seit Jahren ein großartiges Spital, welches mit allem Möglichen, was nur zu einem Spitale gehört, eingerichtet ist; aber dasselbe ist jetzt im Berhältniß zu der vermehrten Bevölkerung und zu den vielen auch aus der Provinz hergekommenen Kranken zu klein und die Gemeinde denkt schon seit 2 Jahren an eine Vergrößerung dieses Spitals. Da aber jetzt in Pesth ganz neue großartige Straßen und Gassen anaelegt werden, wodurch viele große Häuser nieoergerissen werden müssen und auch ein großer Theil dieses ohnehin kleinen Spitals weggeschnitten werden muß, so hat die hiesige isr. Gemeinde an die Stadt ein Gesuch eingereicht, um ihr einen Grund zum Baue