Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1872)
- Date
- 1872-11-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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968 kleinen Kindern sind? — Und die Klarheit aller dieser Wahrnehmungen und Vorstellungen, welche ja immer nur an das Concrete und Vernunftgemäße geknüpft sind, fördert wieder die U r t h e i l s k r a f t, ohne sie von Außen, sei es durch Autorität oder Unterricht, zu beeinflussen. Selbst der hebräische, mit dem deutschen gleichzeitig betriebene Leseunterricht, wo das Kind bald von der'Linken zur Rechten, bald von der Rechten zur Linken sich wenden muß, trägt dazu bei, und wie sehr später der Bibel - und Talmuduntcrricht den Scharfsinn übt, weiß jeder Sachverständige aus Erfahrung. So gewährt die jüdische Erziehung dem Talentvollen, wie dem »linder Begabten, dem wohlhabenden, wie dem armen Kinde eine naturgemäße, geistige Nahrung, und bei Vermeidung fehlerhafter Uebergnffe, gibt es 'schwerlich ein Zuviel oder ein Zuwenig, sie bewegt sich vielmehr von selbst in der Sphäre der goldenen Mittelstraße. Wollte der Erzieher solche Resultate durch Fleiß, Eifer und eigene Bemühungen erzielen, er würde bald sich selbst und die Zöglinge' mit ermüden; er würde, statt ihre intellectuellen Anlagen zu fördern, die Ergebnisse seiner Thätigkeit vielmehr selbst abschwächen, und muß cs alß ein glückliches Loos für diejenigen Schüler betrachten, die ihre Erziehung in einem solchen Hause erhalten, in welchem altjüdifches Leben noch wohnt und fortwirkt lind die jungen Seelen für die Schule wie für die Welt so trefflich vorbereitet. Jur 'Uelilionsangelegenhcil. D__ 7. Oktober 1872. Aus Ihren gesch. Blättern habe ich ersehen, daß eine Petition an das Abgeordnetenhaus, betr. die Dispensation der jüd. Schüler anr Sabbat und an Feiertagen vom Schulbesuche ergehen soll. Ich finde mich veranlaßt, Ihnen hierbei zu bemerken, daß dies noch besonders für die Landbewohner dringend nothwendig ist, indem dadurch, daß die Kinder am Samstag und an Feiertagen die Schule besuchen müssen, zuweilen, wie ich dies selbst erfahren habe, es an der gesetzlichen Zahl zur Abhaltung der Gebetversammlungen mangelt und auch zu der cnun pno nD’Sn m’2j> führt. Hier gehen nämlich einige Kinder in eine höhere Bürgerschule nach A . . . ., welches eine Stunde von unserem Orte entfernt ist. Ohne diese Schüler haben wir kein po, deßhalb verlangte ich von den: Rector der Schule, er möchte die Kinder am Samstag und an den Feiertagen vom Schulbesuche dispensiren. Dieser erwiederte mir jedoch, daß er denselben nur während des Morgengottesdienftes, also von 8—10 Uhr freigeben könne. Hiermit war nür aber wegen des Nachmittags- Gottesdienstes und des Religionsunterrichts, wie auch wegen Dinn^ pnc na^n nicht gedient, gab ich in Folge dessen nochmals einen Bericht ein, worin ich sagte, daß. die Kinder am Samstag ihren Religionsunterricht genießen müßten, da dieselben dadurch, daß hier kein jüd. Lehrer wäre, den Unterricht nicht in den Wochentagen haben könnten. Hierauf antwortete er mir, daß ich den Religionsunterricht auch Sonntags vornehmen könne. Solcher Fälle wird es gewiß mehrere geben und wäre es daher von großer Wichtigkeit, ein auf die Befreiung jüd. Schüler vom Schulbesuch am Sabbat und an Feiertagen hinzielendes Gesetz zu erwirken. H... B.. Ntreusioneit. Deutsches Liederbuch für Bürger- und Volksschulen, in drei Heften. Von Otto Türke. Leipzigs Verlag von Julius Klinkhardt 1872. An die große Anzahl für Schulen bearbeiteter Liederbücher reiht das vorliegende sich würdig an. Seine Brauchbarkeit besteht in der Zweckmäßigkeit der Anordnung, nach welcher die Piecen dem Inhalte nach in verschiedene Rubriken abgetheilt sind, und der sorgfältigen. Auswahl der Texte, welche den verschiedenen Altersstufen entsprechen. Was die Melodie betrifft, so hat der Herausgeber zumeist nur solche in die Sammlung ausgenommen , welche sich durch entsprechende Einfachheit empfehlen, und enthält die dritte Abtheilung auch leichter ausführbare Weisen unserer großen Tonmeister (Mozart, Beethoven, C. M. v. Weber, Kreutzer, Mendelsohn- Bartholdy u. A.) die in einer nächsten Auflage, unter Weglassung einiger, weniger entsprechenden Nummern^ allerdings noch vermehrt werden könnten. Wenn schon das Werkchen nicht confcssionslos gehalten ist, so glauben wir, doch, bei dem — leider so fühlbaren — Mangel an geeigneten Liederbüchern für das Bcdürfniß den jüd. Schulen, dasselbe isr. Lehrern empfehlen zu können, da ieine Reichhaltigkeit noch immer eine genügende Anzahl von Liedern bietet, deren Benützung in Rücksicht hierauf möglich ist. I. WMf" Correspondenzen und Beiträge für die Pädagog. Beilage des „Israelit", wie Bücher pädagogischen Inhalts zur Besprechung in diesen Blättern wolle man gefälligst adressiren an vr. A. Snlzbach in Frankfurt a. M. Berantworrliche Nedactwn: L>r. Rebmann. — Vertag der Ue jkoujr’tcüen Hofvuchhandlune. I. Gottsleben's Buch- und Steiudruckerei tn Mainz.