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Der Israelit · 1872-11-06 · Heft 45 (6.11.1872) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 45 (6.11.1872)
Date
1872-11-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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945 Hörden wurde, um den in Galizien grafsirenden Bcstechungsunwesen auf die Spur zu kommen, förmlich zu Bestechungen provocirt. Und dann brachte man die Provocirten auf die Anklagebank, aber diejenigen, welche in Amt und Würden saßen, welche sich hatten bestechen lassen, ließ man ungeschoren. Man bekämpfte das Verbrechen also, indem man das Verbrechen ausüben ließ, und dann wollte man das Verbrechen strafen nur an den Verführern und nicht an den Verführten. „Alle die Personen, sagt das „Tagbl.", die heute auf der Anklagebank sitzen, hat man in die Strafbarkeit geradezu hinemgestoßen, und dafür sollen die armen Teufel büßen, während die Hände, die sie hineingetrieben haben, an der Staatsmaschine lustig weiter arbeiten. Aller Respect vor der Rechtsheiligkeit eines Staatswesens muß in Stücke gehen, wenn ein so skandalöses Attentat auf dieselbe ohne Sühne bleibt." Und das „N. Fr. Bl." noch tiefer und treffender auf die Sache eingehend bemerkt Folgendes: „Ist es nicht eine Moralwidrigkeit sonder Gleichen, das Verbrechen mit Verbrechen zu bekämpfend... Hat man sich nicht gesagt, daß, wenn irgendwo Corruptionserscheinungen von der Art der galizischen vorliegen, der größere Theil der Schuld jedenfalls der Bestechlichkeit der Staatsorgane zuzuschreibcu ist und keineswegs der Bestechungslust der Bevölkerung? Man denke doch daran, welcher schweren Gefahrsich der Staatsbürger aussetzt, wenn er sich mit einem Bestechungsversuche au den Unrechten Mann wendet, und man wird begreifen, daß er sich zu solchem Schritte erst dann entschließt, wenn er bezüglich der Zugänglichkeit des zu Bestechenden vollkommen beruhigt ist. Der niedrige Bildungsgrad der galizischen Juden xtttb die ihnen dgenthümliche Müitärscheu, das Alles mag allerdings grade unter ihnen eine größere Bestechungsneigung erzeugt haben, als unter den christlichen Mitbewohnern Galiziens. Allein, daß die Letzteren auch nicht ganz frei von derselben sind, hat der Verlauf des Prozesses deutlich bewiesen, obschon es für uns dieses äußeren Beweises gar nicht bedurft hätte, weil wir recht gut wissen, daß Beftechungsversuche keine nationale oder confessionelle Eigenart, sondern ein allgemein menschliches Nebel sind, welches nur da besonders graisirt, wo seine Vorbedingung, die Bestechlichkeit, in besonderem Grade vorhanden ist. Warum war also der ganze Anschlag von vornherein auf die jüdische Population gemünzt? Warum mußte Karmelin alle Bestechungsofferten christlicher Provenienz unbedingt zurückweisen? Auf diese Fragen wird sich wohl schwerlich eine befriedigende Antwort geben lassen, ebenso wenig wie auf die weitere, ob man es denn nicht für möglich hält, daß manch Einer durch die ihm gebotene Möglichkeit sich zu dem Bestechungs- Versuch verleiten ließ, der sonst an demselben gar nicht gedacht haben würde. . . Auch darin erblicken wir eine Verkehrtheit empörender Art, daß man durch Karmelin zu eruiren suchte, wer in Galizien besticht. Nein! Wer sich in Galizien bestechen läßt, den hättet ihr zu erforschen suchen und ihn hättet ihr beim Kragen fassen sollen. Wir müßten uns gegen die Niedertracht einer ähnlichen Procedur unter allen Umständen verwahren: aber wir fänden es immerhin begreiflicher, wenn man den galizischen Juden große Geldsummen eingehändiat und ihnen Straflosigkeit für ihre Bestechungsversuche zugesagt hätte, um die bestechlichen Organe des Staates kennen zu lernen und der Strafe zuzuführen. Denn der Staatsdiener, der sich bestechen läßt, begeht doch wahrlich ein größeres llnrecht, als der Staatsbürger, der der ihm gebotene Möglichkeit zu bestechen, nachgibt. So aber hat man notorisch bestechlichen Commissionsmitgliedern die Immunität zugesagt und Alles, Alles nur auf die armen Juden angelegt. Ganz ohne alle Raison, ja ganz gegen dieselbe; denn die Bestechlichkeit ist der eigentliche Sitz des Nebels. Bleiben der galizischen Corruptionshydra die bestechlichen Köpfe, nun die bestechlustigen werden rasch wieder nachgewachsen sein." So urtheilt über den Proceß ein Wiener Blatt, das dem österreichischen Ministerium durchaus freundlich gesinnt ist. ANZEIGEN. Eine Person gesetzten Alters, jüdischer Religion, die der bürgerlichen Küche perfect vorstehen kann, wird zur selbstständigen Führung eines kleinen Haushaltes in einem Landstädtchen Westphalens gegen hohen Lohn gesucht. Franco-Offerten unter Chiffre X. X. Nr. 2280 nebst Beifügung der Zeugnisse über den früheren Wirkungskreis besorgt die Exped. d. Bl. inen Lehrjungen für mein Schnittwaaren - Geschäft sucht M. H. Wechsler in Schwabach. ILin israel. Lehrling und ein Commis gesucht (Sams- VÜ tag und Feiertage geschlossen) bei Wild Söbne in Mainz. Briefkasten der Expedition. Herrn L. H.: Inseratgebühren zusammen fl. 3. 30 kr. — Herrn L. (5. in K.: Inseratgebühren 1 fl. 28 kr. —

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