Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1872)
- Date
- 1872-10-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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898 Feuilleton. Amerikanisches. Atew-Nork. Nachstehend theile ich Ihnen den Bericht eines hiesigen Blattes über die Aufnahme einer vornehmen Christin in das Judenthum mit; ob das Wesentliche einer solchen Aufnahme, das Tauchbad, rruterblreden, oder ob es die Zeitung nur verschwiegen, habe ich nicht in Erfahrung bringen können. In Hartford, Conn., fand am letzten Sonntag eine imposante Ceremonie statt Fräulein Stella Sarah Livingstone aus England, früher ein Mitglied der bischöflichen Kirche, schwor nämlich ihren bisherigen Glauben ab und bekannte sich zur jüdischen Religion, theils weil sie die Urberzeugung gewonnen zu haben glaubte, daß das Judenthum der einzige wahre Glaube sei, und theils weil sie den Dr. Louis I. Jordan, einen jüdischen Arzt, dev früher in der englischen Armee gedient, sich aber jetzt in New-Zork niedergelassen hat, h irathen wollte. Der Rabbi Dr. I Mayer in Hartford hat sie in der jüdischen Religion unterrichtet. Die Dame ist zwriunnzwanzig Jahre alt, aus einer der besten Familien Englands, und hat eine ausgezeichnete Erziehung genosien, während Dr. Jordan stebenunddreißig Jahre alt ud ein reicher Mann ist. Im Allynbouse in Hartford wurden die Ce>emonien des üeken tnisses und der Trauung vollzogen. Nur einlge persönliche Freunde der Betheiligten waren anwesend. Di? Räume, worin die Ceremonien stattfanden, waren dunkel gemacht und dann mit Gasflammen und Wachskerzen erleuchtet worden. Dr Mayer saß in einem seidenen Talar mit einem Sammetbarelt auf dem Kopf vor einem weißgedeckten Tische, auf welchem zwei Kerzen zu beiden Seiten eines Blumenkorbes brannten. Die Doctoren Nathan Mayer und I. Moses assistirten dem Rabbi und saßen zu beiden Seiten des Tisches. Als Alles bereit war, wurde die Proselytin von ihrem Bräutigam und Hrn. Sandheim hereingi führt. Sie trug ein Kleid von schwerer schwarzer Seide mit langer Schleppe, und eir^ dichter Schleier von schwarzem Krepp verhüllte ihren Kops. Nichts Weißes, nicht der geringste Schmuck war an ihr zu sehen. Rabbi Mayer redete sie an: „Lasten Sie mich Sie fragen mit den Worten des Engels in der heiligen Schrift: „Was suchest Du hier?" Warum sind Sie heute vor uns erschienen? „Ich bin gekommen, ehrwürdiger Herr", antwortete die Dame, „um Sie zu bitten, mich in den heiligen Schooß deS Judenthums aufzunehmen! Mein Herz sehnt sich nach der göttlichen Wahrheit und meine Seele schmachtet nach dem offenbarten Worte Gottes." „Geschieht eS mit freiem Willen und ruhigem Ge- I wissen, daß Sie den mosaischen Glauben anzunehmen und in die Gemeinde Israels einzutreten wünschen?" „Es ist die volle Ueberzeugung meines Herzens, daß ich Seligkeit und Erlösung in dem Glauben Abrahams finden werde, und ich bitte Sie deßhalb, mir dies himmlische Gut nicht zu versagen." „Wenn es denn I r ernstlicher Wun'ch und aufrichtiges Verlangen ist, unserem ausec wählten Volke beizulreten, haben Sie sich diesen wichtigsten Schritt Ihres Lebens auch reiflich überlegt? haben Sie kein weltliches Interesse, keine unreine Neigung, wodurch Sie zur Annahme des Judenihums veranlaßt wurden, oder welche diese Bekehrung Befötbcrt haben?" Die Dame antwortete, daß nnr ein dringendes, fromm s Verlangen nach der göttlichen Wahrheit ihre Bekehrung veranlaßt hätte. Darauf der Rabbi: „Lassen Sie mich Sie erinnern an die Strenge des mosaischen Glaubens gegen die Töchter Juda's. Kennen Sie die vielen Pflichten und Gebräuche Israels? Und fühlen Sie die moralische Kraft und den starken Willen, das heilige Gesetz zu befolgen?' „Ich bin gründlich unterwiesen worden in allen hauptsächlichen Pflichten und Riten Israels und gelobe, umerlhan und treu zu sein dem Gotte Jsralels und Seinem heiligen Gebote. Ich wünsche ferner mit Ruth in der helllgen Schrift zu sagen: „Euer Gort soll sein mein Gott, Euer Volk soll sein mein Volk, Wo Ihr sterbt, will ich sterben, Wo Ihr begraben werdet, will ich begraben werden. Der Gott Israels erbarme sich üd-r mich." Der Rabbi forderte darauf die Bekehrte auf, „Angesichts des Allwissenden und Allgegenwärtigen, Allmächtigen Gottes, der die innersten Gedanken des Menschen kennt und die Herzen aller Sterblichen erforscht, und in Gegenwart dieses gesetzmäßigen Tribunals des Judenthums" die drei Grundlehren des mosaischen Gesetzes zu bekennen. „Ich glaube", begann sie, „und bekenne fest und aufrichtig, daß es nur einen Gott gibt, den Schöpfer aller Dinge, den Erhalter uud Beherrscher von Allem, was lebt, den höchsten Richter und Wohllhäter aller Wesen, Herr der Hcerschaaren ist sein Name — Er der war, ist und immer sein wird. Gott ist unser Gott und es gibt keinen Anderen. Es steht geschrieben in der Heiligen Schrift: „Höre Israel, der Herr ist unser Gott — der Herr ist der Eine. Ihn will ich lieben mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele und ganzem Vermögen. Gesegnet sei sein Name immerdar!" Die zweite Grundlchre bezieht sich auf den göttlichen Ursprung des mosaischen Gesetzes und die dritte auf die Unsterblichkeit der Seele und die Belohnung und Strafe nach dem Tode. Nachdem Frl. Livingstone