Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1872)
- Date
- 1872-10-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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862 Werke und auch manche Arbeiten in der wissenschaftlichen Beilage unserer Zeitschrift Zeugniß ablegen; auch auf profanem Gebiete war der Heimgegangene ein hervorragender Gelehrte, was ebenfalls mehrere Werke bezeugen. Größer aber noch war er als Jehudi, als Vorkämpfer für das orthodoxe Judenthum. Was er in dieser Beziehung während seiner 23jährigen Amtsthätigkeit in Darmsladt gekämpft und gelitten hat, "das näher auszuführen, sind wir in diesem Augenblicke nicht im Stande, denn der zu früh der Welt und seinen Freunden Entrissene war dem Herausgeber dieser Blätter ein geliebter, väterlicher Freund und Lehrer. Wir werden so Gott will nächstens ausführlichere Mitteilungen machen, rpma-oi mp t>nm rvm^pi rutp nton. Darmftadt Es nimmt mich Wunder, Herr Redacteur! daß Ihr Correspondent von der hessischen Bergstraße so lange in Stillschweigen verharrt, trotzdem so manches Juteressante und Erfreuliche von hier zu berichten wäre. Schreiber dieser Zeilen erlaubt sich deshalb, Sie zu ersuchen, dem folgenden Berichte die Spalten Ihres geschätzten Blattes zu öffnen. Bei uns ist mit Gottes Hilfe ein großes Werk vollbracht, die Trennung der Orthodoxen hat hier schon die besten Früchte getragen. Die rastlose Thätigkeit unseres verehrten Herrn Rabbiners Or. Marx ist wirklich schon von bestem Erfolge gekrönt. Derselbe hielt am vergangenen Sabbat wan 'v, in seiner Predigt eine Revue über das seit einem Jahre Vollbrachte, das erstaunenswerthe Resultate zeigte. Die Religionsschule, die Pflanzstätte des ächten Judenthnms, zählt gottlob schon 50 Zöglinge, die Unterricht in allen jüdischen Fächern erhallen. Außerdem ertheilt Herr vr. Marx vielen Knaben Unterricht im Talmud, worin dieselben schon bedeutende Fortschritte gemacht haben. Die Gemeindemitglieder unterstützten ihren Rabbiner kräftig in seinem edlen Streben, dieselben scheuen keine Opfer, um recht bald eine orthodoxe Mustergemeinde repräsentiren zu können. So hat die Opferwilligkeit der Gemeinde es ermöglicht, daß die jetzt im Bau begriffene Synagoge noch vor dem Winter unter Dach gebracht werden kann. Auch die Frauen in Darmstadt nehmen regen Antheil an der Consolidirung und Kräftigung der Gemeinde; dieselben haben z. B. jetzt ein Comite gebildet zur Anschaffung von rcns und sonstiger Srnagogenutensilien. Wir machen die erfreuliche Beobachtung, daß G. s. D. das echte jüdische Leben in allen Elasten unserer Gemeinde pulsirt und ist auch festgegründete Hoffnung, baß in kurzer Zeit die Jrreligiösität und der Jndifferentismus, die von gewisser Seite hier mit Consequenz seit einer Reihe von Jahren gesäet wurden, gänzlich schwinden werden. Die' Wahrheit siegt, wenn sie noch so lange niedergehalten wird. Wenn wahre Frömmigkeit mit Berständniß der Zeit und ihrer Ansprüche sich paaren, so muß es etwas Rechtes geben. Ben Mosche. Hamburg , 24. Sept. Herr vr. Dellevie hat laut einer Quittung im gestrigen Familienblatt den Betrag der von einigen seiner Collegen auf der Privitur zur Berichtigung der Procuratur-Kosteu in Sachen der Wwe. Schröder zusammengebrachten Thlr. 20 dem hiesigen israelitischen Feuerungsverein überwiesen, ohne sich weiter auf die Mittheilungen der verschiedenen Zeitungen, die über den betreffenden Fall berichten, einzulassen. Es ist erfreulich, daß, während sonst bei Processen dem verlierenden Theil eingeheizt wird, in diesem Falle das Einheizen armen Leuten zu Gute kommt. Afrika. Oran. „Le Courrier d'Oran" veröffentlicht nachstehende interessante Erzählung: Letzten Sonntag (15. September), um 9 Uhr Morgens gewahrte ich in der Rue Napoleon eine Versammlung von Männern und im Innern eines Hofes eine Anzahl weinender und klagender Frauen. Die natürliche Neugierde ließ mich fragen, wem diese letzten Ehrenbezeugungen gälten, und ich erfuhr nun folgende traurige Geschichte: Vor einiger Zeit starb ein Israelit mit Hinterlassung eines ziemlich bedeutenden Vermögens, wovon die Hälfte auf seine 16jährige Tochter vererbte. Wie es sich denken läßt, fehlte es dem jungen Mädchen nicht an Bewerbern, welche ihr nur die Wahl schwer machten. Ein Israelit wollte sich diese leichte Gelegenheit, sein Glück zu machen, nicht entschlüpfen lassen und sann nur auf einen Anlaß, sich bei der jungen Erbin einzuführen. Zufällig erfuhr er, daß sie arabische Bracelets kaufen wolle. Sogleich suchte er einen Kaufmann und erschien eines Tages in Gesellschaft eines bekannten arabischen Hand lers. Die junge Israelitin wählte sich sogleich ein Bracelet mit der Bemerkung, daß sie es gerne kaufen würde, aber kein Geld bei sich habe. Auf dieses Wort zog der Mann ein Geldstück aus der Tasche, gab es eilig dem Mädchen und sprach jene vom mosaischen Gesetz geheiligte Formel, um eine Ehe zu schließen: „Du seiest mir geheiligt durch diese Münze nach dem Gesetze Moses und Israels." Unser Mann wendete sich hierauf an die Rabbiner, welche entschieden, daß das junge Mädchen öffentlich und feierlich eine Erklärung über das Vorgefallene abgeben solle. Sie erschien an dem bestimmten Tage vor dem Gerichtshof der Rabbiner, wo sie alle Einzelnheiten des Ereignisses erzählen mußte. Natürlich erklärte sie, daß sie das Geldstück, welches ihr der geldsüchtige Werber eingehändigt halte, sogleich zurückgewiesen habe. Angesichts ihrer Aussage konnten die Rabbiner nicht umhin, als zu erklären, daß hier kein „Kidouschin" ftattgefunden habe, daß diese Eheschließung keine Giltigkeit habe. Das arme Mädchen