Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1872)
- Date
- 1872-10-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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X33I. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 40 des Israelit. Leitender Artikel. LellgiSsr Kklrhruug im jüd. /amilirukrrisr. Nach dem Französ. des B. Kosmann. VIII. Das Licht. ni« a'.iv« iv-rv. Frage: Mein Vater! In der heil. Schrift heißt es bei der Schöpfung-, daß das Licht am ersten Tage entstanden, während doch Sonne, Mond und Sterne erst am vierten Tage geschaffen wurden. Was ist das für ein Licht, das am ersten Tage entstanden? Antwort: Mein Sohn! Mit diesem Licht ist das geistige Licht gemeint, eine Art Licht, welches die Propheten besaßen und welches in der Welt erst nach einer gewissen Zeit herrschen wird, die die Propheten in vielen Stellen der heil. Schrift verheißen. (Jesaias 60,1.) "PW ro o nix ’Dip. Erhebe dich Jerusalem, denn die Zeit deines Lichtes ist gekommen. Eben daselbst Vers 19 und 20: »dicm ny -p rvrp n-2« 'O' 1O-L71 D^iy n’H’ 'l '3 'Ol Dl’ Du wirst nicht mehr die Sonne zur Erleuchtuilg des Tages haben, denn Gott wird dein ewiges Licht sein und demnach werden deine Tage der Trauer aufhören. Aber bevor dieses höhere Licht vorhanden sein wird, werden Unglückliche existiren, und am häufigsten trifft das Unglück die Gerechten; wie unsere Weisen sagen: 'Dieb r di« p«. Es ist selten, daß der Mensch in beiden Welten genießt; wer den Vergnügungen der Erde nachläuft, kann nicht die Freuden der jenseitigen Welt genießen. Aber nachdem die von den Propheten verheißene Zeit gekommen sein wird, wird es ganz anders sein, denn ntsnn pNi D’isnn d’D&* «io '^.i o (Jes. 65, 17), Gott wird eine neue Sonne und eine neue Erde schaffen, d. h. wenn das geistige Licht herrschen wird, dann werden die Menschen auch auf Erden genießen können. Frage: Mein Vater! Warum hat Gott dieses geistige Licht nicht fortdauern lassen, damit alle Menschen auf Erden glücklich seien? Antwort: Mein Sohn! Gott will den Menschen auf die Probe stellen, und dies geschieht durch die Leidenschaften, damit die Gerechten, die auf dem Wege der Tugend wandeln, um so größere Belohnung erlangen, denn eine verdiente Belohnung ist besser als eine unverj diente.! Wenn die Zeit des geistigen Lichtes herangckom-! men, man ytoi (Jes. 25, 8), wird der Verfüh-!! rer, der nn"3>, nicht mehr existiren, es wird keine Zeit der Prüfung, sondern nur eine Zeit der Belohnung I sein. Das» ist auch unter den Worten des Propheten (Jes. 65) zu verstehen: mrp iyi» rßoi 3«i, der Wolf und das Lamm werden zusammen weiden. Nach dem Talmud («"v -)i rv3i3) sind auch die Thiere erregt, das Böse zu thun; aber in jener Zeit, wo der in"»» vernichtet sein wird, wird der Wolf nicht mehr die Gier haben, das Lamm zu zerreißen. Es folgt daraus, daß der Reiche sein Vermögen dazu verwende, um Gutes zu thun. Denn derjenige, der den Vergnügungen nachgeht, wird damit enden, daß er das Joch der Religion von sich wirst. Es ist schön, reich zu sein, es ist sogar nützlich und nothwendig, daß vermögende Leute sich vorfinden; aber der Reiche darf sich nur als Pächter seines Vermögens ansehen. Es ist erlaubt, das Haus voll von Süßigkeiten zu haben, aber man darf sich damit den Magen nicht überladen. So sagt auch Salomo (,i"v Du hast Honig gefunden, iß davon nach deinem Bedürfniß, aber wenn du dich übersättigt hast, wirst du dich erbrechen. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Mainz, 30. Sept. Wir waren so glücklich, heute wiederum 66 L. St. 2 Sh. oder 780 fl. 49 kr. rh. zu Gunsten der nochleidenden Glaubensgenossen in Persien an den doard of deputies in London (Präsident Sir Moses Montefiore) zu übersenden. Die Gesammtsumme der für diesen Zweck von uns gesammelten uud übermittelten Spenden beträgt nunmehr 27,051 fl. 58 kr. rh. Mainz, 30. Sept. Auf telegraphischem Wege erhalten wir soeben die erschütternde Nachricht, daß uns leider einer der größten und bedeutendsten Männer unserer Zeit ist entriffen worden: Herr Rabbiner vr. Hirsch Benjamin Auerbach y"^ zu Halberstadt ist gestern Abend in die ewige Heimath abberufen worden. Dieses Jahr, welches dem orthodoxen Judenthume einen Etlinger, einen Schreiber, einen Joseph Hirsch genommen hat, sollte nicht abschließen ohne uns abermals eine tiefe schmerzliche Wunde zu schlagen! Der Heimgegangene war einer der größten Talmudgelehrten unserer Zeit, hervorragend durch ausgebreitetes Wissens und bewunderungswürdigen Scharfsinn, wovon seine zahlreichen