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Der Israelit · 1872-10-02 · Heft 40 (2.10.1872) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 40 (2.10.1872)
Date
1872-10-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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verlieren. Die Bibel liegt ja offen da, „gehe hin nnd lies," kann man mit unjern Weisen sprechen, und Du wirst die ganze Lüge von selbst durchschauen. Ein Eisenmenger und ein Schudt mochten noch eine Widerlegung verdienen; diese wußten doch etwas; ein Literat, wie der in Rede stehende, der den „Mosaismus" nur aus der lutherischen Ucbersetzung und aus „ Dorö's Prachtbibel" kennt, der sich nicht einmal die Mühe gibt, eine Stelle vollständig zu lesen, der Moses, Josua, Samuel und sämmtliche Patriarchen zu Hohepriestern stempelt und der sich dann noch einbildet, der Erste zu sein, „der nicht gedankenlos darüber hinläse"; ein solcher verdient wahrlich keine Widerlegung. Trotzdem hätte ich vielleicht doch in irgend einem Blatte die Unwahrheit dieser Artikel beleuchtet, wenn es nicht bei der Abwehr solcher Angriffe unvermeidlich wäre, die Lehrsätze und die Geschichte der damit in Vergleich gebrachten christlichen Religion gleichzeitig der Kritik zu unterziehen und mir das nur in den Fällen äußerster Nothwehr rathsam erschien. Mit dieser ganzen Auseinandersetzung würde ich Ihr werthes Blatt verschont haben, wenn nicht von anderer Seite diese Gelegenheit benutzt worden wäre, um mich und, zwischen den Zeilen, auch meine religiöse Richtung zu verunglimpfen. Non Hamburg aus wurden mir nämlich heute die Nummern 37 und 38 der „Jsr. Wochenschrift" zugcschickt, worin auf Verlangen des Herrn Dr. Treuenfels der Rabbiner von Colberg, Dr. Goldschmidt, als Ehrenrctter des Jndenthums gegen die genannten Artikel austritt. Wenn Herr Dr.. Treue nfels von solch heftiger Liebe für das Judeuthum beseelt ist, daß er sich zu dessen Vertheidiger berufen fühlt, wo und von wem immer cs angegriffen wird, so mag das recht löblich fein. Wenn er aber mit der für einen „Unfehlbaren" sich passenden Gewißheit es „geradezu eine Pflicht des Ortsrabbiners nennt, solche gehässige Artikel zu widerlegen, die er nicht unberichtigt passiren lassen dürfe," so bestreite ich das sowohl aus den oben angegebenen wie noch aus andern Gründen. Nun aber fährt Herr Tr. mit dem Hochmuth eines Präceptors fort: „Herr Dr. Carlebach hat jüngst, wie gewisse Blätter mit Begeisterung erzählten, einen Aufzug mit Musik von Moisling nach Lübeck veranstaltet; aber die Rhodus jc. , hier gilt es zum Kampfe zu blasen und dem Gegner „aufzuspielen". Mit Sefer Thora umherziehen ist eben keine Kunst; Judenfeinde zum Schweigen bringen, ist bessere Mizwah." Ich danke Ihnen, werther Herr Dr., für diese gütige Belehrung und bedauere, nicht schon früher gewntzt zu haben, daß ^ie so gut über den Werth der Mizwah's, welche bessere oder schlechtere seien, Rathschläge zu ertheilen vermögen. Aber mit Ihrer freundlichen Erlaubnis möchte ich Ihnen auch eine Lehre geben. Es ist ein alter Spruch, daß offene Feinde nicht so viel schaden, als verkappte, falsche Freunde. Tie Gehässigkeit der „Eisenbahnzeitung" hat höchstens ihr selbst geschadet, aber die als Organ „für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums" sich geberdende „Wochenschrift" ftiftet mehr Unheil. Der Angriff eines nichtjüdischen Blattes bringt Sie in Harnisch, aber wenn der von Ihnen zum Anwalt bestellte Rabbiner in dem ganzen Artikel von Moses als dem Urheber unseres Glaubens, als demjenigen spricht, „der in sich den weltlichen Gesetzgeber mit dem Glaubenslehrer, den politischen Erzieher mit dem Stifter einer Religion vereinigte;" wenn er unsere ans Egypten ziehenden Väter, die das nvyj gesprochen, deren seltenes Gottvertrauen noch von den späteren Propheten (Jerem. 2, 1) gepriesen wird, eine „unbändige, der Sclavenpeitsche soeben entronnene, durch den ersten Sonnenstrahl der Freiheit geblendete und zügellos gewordene Nation" „eine zuchtlose, verwilderte Sclavenschaar" zu nennen wagt, da schweigen Sie! Hier hätten Sie auch eine „bessere Mizwah" thnn können, hier wäre Ihre 'i am Platze gewesen, hier hätten Sie mit Ihrer Belehrung kommen müssen! Wahrlich, für solche Vertheidiger des Judenthums, die den ärgsten dets begehen, indem Sie einen &np cspn zu vollbringen sich einbilden, danke ich und mit mir gewiß jeder aufrichtige Jehudi. Da kann man mit Recht sagen: TDcn by -rb-r Op-n by vb psoa -pae m t'x w dj/id ijn , „nicht über den Spötter zürne ich, sondern über den Lobredner, denn der lobt nicht, sondern er verunglimpft." Dr. S. Car leb ach. Metz« Nach den „Arch. Jsr." brachten wir die Nachricht, daß Oberrabbiner L i p p m a n n in Metz seine Stelle daselbst niedergelegt habe. Diese Mittheilung ist der „Rev. Jsr." zufolge noch verfrüht. Herr Oberrabbincr Lippmann ist noch in Metz und ist bloß für das neuzubegründende Rabbinat in Lille designirt. O e st e r r. - U n g a r i s ch e Monarchie. Wien, 26. Sept. Der Großhändler Herr Emanuel B i a ch hat aus Anlaß seines 70. Geburtstages mehrere Wohlthätigkeits-Jnstitute in humaner Weise bedacht. Dem Vorstände der Israel. Cultusgemeinde hat Herr Biach 2000 fl. in Papier-Rente für diverse Stiftungen überreicht, der Waisenhansstiftung 1000 fl., dem Bürgermeister der Stadt Wien 400 fl., der Polizeidirection 100 fl., der israel. Religionsgemeinde in Prefzburg 300 fl. und der israel. Kleinkinderbewahranffalt in derselben Stadt 200 fl. Außerdem hat Herr Biach 4000 fl. zum Bau eines Schulhauses in Theresienfeld, wo er ein Fabriksetablisfement besitzt, gespendet. F r a n k r e i ch. Paris. Herr C l e r m out- G a n n e a u veröffentlichte eine interessante Broschüre über „drei in Jerusa-

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