Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1872)
- Date
- 1872-09-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Gottes Gebot höher geschW Sls Keben, Eigenthum und Freiheit. An unser Geschützt 'tritt die Versuchung heran mit Ehre, Ansehen, ReiiMhum — und im Wohlstände, im Wohlleben wird Gottes heiliges Gebot vergessen. Um geringen Gewinnes halber beginnt man damit, den <L>abbat zu entweihen, um eines flüchtigen Genusses willen setzt man sich über die Speisegesetze hinweg, und stärker und stärker wird die Leidenschaft, und aus den leichtsinnigen Sündern werden muthwillige Uebertreter und aus den muthwilligen Uebertretern werden freche Leugner! Das alte Kleinod des jüdischen Stammes, das sittenreine Familienleben schwindet dahin. Was soll da aus der Heranwachsenden Jugend werden? Doch nicht von den der Zeitigen Religion Israels Entfremdeten ist die Rede; für diese hat ja auch der herannahende Tag des Gerichts kaum noch beeinflussende Gedanken. Von denen wollen wir reden, die noch auf dein Boden des Judenthums stehen, die Gottes Gesetze beobachten, die an das Gericht des Allmächtigen noch glauben. Auch ihnen bringt die Jetztzeit gar mannigfache Versuchungen. Da gilt es vor Allem, die Kinder in der Gotteslehre und in der Gottesfurcht zu erziehen. Ach, wie oft sehen wir die Eltern diese heiligste Pflicht vernachlässigen! Ta werden die halberwachsenen Löhne in Geschäfte gegeben, in denen sie den Sabbat und die Feiertage entweihen müssen, und das Lebensalter, mit welchem ehemals die religiöse Mündigkeit begann, bildet heutzutage den Anfang der schrecklichsten Verwahrlosung. Da werden die Töchter verheirathet: das Einzige, worauf Rücksicht genommen wird, sinddie entsprechenden Vermögensverhältnisse. Solche Eltern bringen ihre Kinder dem Mammon zum Opfer, und wie einst am Fuße des Sinai umtanzen die Bethörten das goldene Kalb. Wenn so vielen Zeitgenossen der unerschütterliche Glaube an Gott nicht abhanden gekommen wäre, so würden derartige betrübende Erscheinungen nicht möglich sein. Ja, das ist's, der Glaube, der echte, rechte Glaube ist erschüttert in unserer Zeit und selbst viele derjenigen, die Gottes Gebot noch beobachten, thun dies nicht aus inniger Ueberzeugung, sondern aus alter Gewohnheit. Wahr ist», unser Leben und Verkehren nüt Andersgläubigen, die angeolichen Resultate der modernen Wissenschaft, welche von Zeitungen und Zeitschriften als ewige Heilswahrheilen verkündet werden, und doch so hinfällig sind, wie der Augenblick, der sie geboren — alle diese Ursachen haben den Glauben erschüttert. Dazu kommt noch die heutzutage so furchtbar alles religiöse Leben zerstörende Unwissenheit auf religiösem Gebiete, welche vermeint, daß die Lehre Israels mit demselben Maststabe wie andere Religionen zu messen sei. Aber das Alles kann niemals zur Entschuldigung dienen, daß die Zeitgenossen den Born verlassen haben, aus dem die Vorfahren seit Jahrtausenden ihr Glück yienieden und ihr ewiges Heil geschöpft. O, möchten wir doch lieben unfern Vater im .Himmel, wie Abraham ihn geliebt hat, möchten wir durchdrungen sein von der Ueberzeugung, daß es eine jenseitige Belohnung und Bestrafung gibt, daß ein höchster Richter unsere Handlungen richtet am Tage des Gerichts! Siche, er naht heran, der Tag des Gerichts, und der höchste Richter verlangt nicht den Tod des Sünders, sondern aufrichtige Reue und Besserung. Wenn wir uns nur entschließen wollten, gegen die Versuchung ernstlich anzukämpfen, so würde Er uns helfen, sie zu überwinden. Die Opfer, die Gott von uns verlangt, sind in Wahrheit nur gering; es sind nur Versuchungen, die Er uns sendet, und wie Gott einst zu Abraham sprach: noi«o 6 -lyjn pp rpeyn vre „Strecke deine Hand nicht aus nach dem Knaben und thue ihm nichts," also verlangt Gott in Wahrheit auch von uns keine Opfer; denn aus jeder überwundenen Versuchung erblüht uns Freude, Glück und Heil. O, du, der du am Sabbat ruhst von jeder Arbeit und jedem Geschäft, kann dir der Allmächtige nicht mehr geben, als deinem rastlos strebenden Bruder? Und du, der du selbst auf Reisen unter tausenden von Entbehrungen die Speisegesctze beobachtest, ist deine Gesundheit nicht mehr gesichert als die desjenigen, der die ihm gebotene Freiheit zu unmäßiger Befriedigung seiner Bedürfnisse verwendet? Brauchen wir erst noch hinzuzufügen, um wie viel mehr der in Sittlichkeit nach Gottes Gebot Lebende an Körper und Seele dem Sittenlosen voraus hat? Und wie lohnt sich schon hienieden die sorgfältige Erziehung der Kinder in Sitte und Gottesfurcht! Wahrlich , jede überwundene Versuchung birgt ihren Lohn schon in sich selbst, und jedes Unterliegen im Kampfe bestraft sich unausbleiblich, .ii'ay ivn nmo rosa rvvsy. Der Lohn aber, den Gott Seinen Frommen bestimmt, ist unendlich groß. Wohl dem, der überwindet und gleich Abraham zum Paniere wird, um das die Welt sich schaarr! Literarischer Iericht. I e s ch u r u n. Hebräische Ausgabe, Heft 8, redigirt von Dr. Kodak, Rabbiner in Bamberg. In diesent Hefte hat der Herr Rcdacteur im Vereine mit den bekannten rüstigen Arbeitern auf dem Gebiete der jüdischen Literatur, den Herren Steinschneider und Halberstamm, viel Interessantes geliefert. Die philosophische Abhandlung über die Trinität im Christenthum rind die Beweise gegen dieselbe von Rabenu Levi ben Chaim (nach Ms. München), mit Notizen vom Herausgeber und Steinschneider, bietet zwar inhaltlich nicht des Interessanten sehr viel, ist aber <