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Der Israelit · 1872-09-18 · Heft 38 (18.9.1872) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 38 (18.9.1872)
Date
1872-09-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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w U"': -J 6. (Pädagog. Beilage zu Nr. 38 des „Israelit", xra. Jahrg.) Blätter für Mule und Haus Der praktische Schulmann, herausgegeben von August Lüben, Seminardirector in Bremen, und die Lndenmisfion. (Vorbem. Wir bringen hiermit unserem Versprechen gemäß den Abdruck des Aufsatzes, den wir gegen eine Arbeit in Lüben's „Praktischen Schulmann", die Judenmissiou betr., im Juli-Heft des „Deutschen Schulwart", herausgegeben von Paul Schramm, veröffentlicht haben. In der Benrerkung, mit welcher der geehrte Herausgeber unfern Aufsatz in die Oeffenllchkeit begleitet, legt er feine Auffassung der Confession dar, die wir zwar mcht theilen, aber von seinem Standpunkte aus berechtigt finden. Wir haben uns mit dem Herausgeber brieflich darüber auseinandergesetzt, ihm das Lessing'fche Wort zurufend: „Was mich Dir zum Christen macht, das macht Dich mir zum Juden.") „Du kennst gewiß, lieber Leser, obengenannte, sowohl durch ihren Inhalt als durch den Namen ihres Herausgebers berühmte Zeitschrift, deren hauptsächliche Aufgabe cs ist, Materialien für den Unterricht in Real- und Volksschulen zu liefern, um so mehr lvirst Du über die Zusammenstellung derselben in der Ueberschrift mit der Judenmission staunen. Du hast Recht, wenn Du das thust, ich habe es auch gethan, als ich in dieser Woche unter verschiedenen, mir von der Buchhandlung zugesandten Novitäten, mit Verlangen nach dem 1. Heft des „praktischen Schulmannes" von diesem Jahre griff und beim ersten flüchtigen Durchblättern mir eine Stelle in die Augen fiel : „Möchte nur der Samen der Wahrheit ausgestrent werden auf dem verwilderten Acker unter Israel u s. w." Ich traute meinen Augen kaum, ich las weiter und fand eine Anpreisung der christlichen Mission unter den Juden, ich glaubte, ein Missionsbüchlein oder ein Bericht der Britischen Missionsgesellschaft wäre mir in die Hände gefallen, ich sah mir noch einmal genau den Titel des Buches an, und da stand es ganz deutlich: „Der praktische Schulmann, herausgegeben von August Lüben."' Aber, was hat denn ein Missions-Artikel in einem Buche zu thun, das ein „Archiv für Materialien zunr Unterricht" sein will? so trägst Du, lieber Leser, und so fragte auch ich mich, doch da fiel mir Börne ein, der einmal den deutschen Gelehrten den Rath gibt, wollten sie Gutes stiften, wollten sie Uebel angreifen und bekämpfen, so sollten sie das unter falschem Aushängeschild thun, wie er selbst es mache: „Hätte ich angekündigt, daß ich von der Spitzbüberei wollte sprechen, wären die ehrlichen deutschen Gelehrten davon gelaufen, um sich von meinen gefährlichen Lehren zu entfernen, und die Leute von Welt hätten mich stehen lassen, um sich bei alten, ihnen längst bekannten Geschichten nicht zu langweilen. Ich habe aber die Einen gelockt Lurch Len schönen sechsten Zinsthaler, die Andern durch eine artige Novelle, und sie sind gekommen, und jetzt werden sie gewiß aus Höflichkeit mich bis an's Ende anhören." Der Missionsartikel wird ebenfalls bei den Leuten eingeschmuggelt unter falscher Enveloppe. Oder auch nicht; vielleicht soll er selbst Material für den Religionsunterricht bilden, die Einkleidung läßt diese Vermuthung zur Gewißheit werden. „Gehet hin und thut desgleichen," so lautet die Ueberschrift dieses von C. Becker, Pastor in Königsberg N. M. verfaßten Aufsatzes. An die Geschichte vom barmherzigen Samariter, der dem unter Mörder gefalleneu Juden beisteht, knüpft der Verfasser eine weitgehende Erklärung des Wortes Samariter, gibt deren Geschichte, stellt ihr Verhältniß zu den Juden dar, und entwickelt daraus die wahre Menschenliebe, die auch dem Todfeinde zu Hilfe eilt. „Es ist das eine Mahnung," fährt nun der Verfasser fort, „die natürlich auch uns noch entschieden angeht, und zwar nicht blos in Beziehung auf die leiblichen Bedürfnisse, sondern ebenso, ja noch mehr auf die geistlichen". „Und das kann auch den Kindern nicht genug cingeschärit werden. Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung". „Furchtbar erschütternd ist das Wort, welches Er von den damaligen Juden ausspricht, und das ja auch auf die jetzt lebenden noch seine Anwendung findet, indem sie die Blutthat ihrer Väter noch verteidigen, das Wort: „Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr thun ri. s. w." ...(!!) „Sie sind unter die Hand dieses Mörders gefallen und sie liegen noch unter derselben." (!!) Der Verfasser will aber diesen Juden Liebe entgegenbringen, sie würden dann wohl mit Sack und Pack in's christliche Lager übergehen „Allein es zieht sich ein Haß gegen die Juden durch die Völker, und leugnen läßt cs sich nicht, namentlich ihr Hochmuth, ihr sich geltend machen wollen (sie!) zieht ihnen die Abneigung der Völker zu." Aber gerade dies, meint der Verfasser, müsse die Christen

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