Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1872)
- Date
- 1872-09-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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805 bis wenige Monate vor seinem Tode. Schon vor zwei Jahren hatte eine hartnäckige Krankheit diesen sonst so starken Mann nicdergeworsen und ihn für die Dauer des Gebrauches seiner Glieder beraubt. Nur die sorgfältigste Pflege, wie die fromme Hingebung des Verblichenen in seinen Leiden haben ihn so lange erhalten, bis vor einigen Tagen eine große Schwäche sich seiner bemächtigte, daß er das Bett nicht mehr verlassen konnte. Die letzten Worte des sanft Dahinscheidenden waren Worte der Li.be, Versöhnung und des Gebetes. Katz hat ein Alter von 70 Jahren erreicht. Sein ganzes Leben gibt das Bild eines wahren frommen Mannes ab. Die Maximen des Judentbums hatten so sehr Wurzel in diesem energischen Manne gefaßt, daß Nichts im Stande war, ihn nur einen Moment in seinem Glauben wanken zu machen, was Wunder, wenn er für seinen Glauben eintretend, für ihn kampfend, im beständigen Kampfe, in edlem Kamvfe mit der Außenwelt lag? Herr Löb Katz war mit irdischen Gütern reichlich gesegnet, das sollten alle die mit ihm lebten, wohlthälig empfinden; allein wie oft im Leben das Gute verkannt wird, so wurden auch die guten Absichten des Verstorbenen, besonders in Angelegenheit der Gemeinde, in der er lebte, deren Factotum er zeitlebens war, nicht so gewürdigt, wie sic es verdient, und nur Undank und Unannehmlichkeiten waren die Erfolge seiner Mühen. Die allgemeine Trauer, welche sein Ableben wachrief und das grope Leickenbegängniß gaben Ze gniß davon, wie der Verstorbene allgemein beliebt und geachtet war. Die Kinder des Verstorbenen waren aus der Ferne aus die Trauerbotschaft derbeigeeilt und ihre Thranen vereint mit denen der hirrterlassenen Wittwe und der vielen Freunde, aber besonders der Armen folgten ihm in's Grab. Möge die Erde ihm leicht werden! Memel. Es sind bis jetzt von hier zwei Sendungen mit 145 und 250 Rubel für die unglücklichen Abgebrannten nach Schaulen abgegangen. Die Summe ist für die Höhe des Unglücks eine verhältnißmäßig geringe. Wir hoffen jedoch. daß wir bei der bekannten Opferfähigkeit unserer Glaubensgenossen recht bald eine fernere Sendung den Unglücklichen in Schaulen zu übermitteln im Stande fein werden. Mühlkausen (Elsaß.) D'c Reoaeiion der „Frankfurter Zeitung" bringt untenstehende Erklärung die wir, da wir die betreffende Nachricht nach ihr ausgenommen, hiermit zu veröffentlichen uns veranl aßt fühlen: „In der Nummer 193 II dieser Zeitung (vom 14. Juli d. I.) brachte die „Frankfurter Zeitung" als „Mittheilung aus dem Publikum" eine Notiz über die „eige?1hümlrche Ausdruckswelse", w.lche der Vorsitzende des Landgerichtes zu Mülhausen im Elsaß, Herr Hofsinqer, im amtlichen Verkehr mit Juden und in Bezug auf dieselben anwende. Nachträgliche Ermittelungen haben ergeben, daß diese Erzählung auf Mißverftändniß oder Erfindung beruht und in keiner Weise wahr ist. Wir bedauern, in solcher Art durch den Einsender getäuscht worden zu sein, und glauben einer Pflicht zu entsprechen, indem wir diesem Bedauern hiermit Ausdruck verleihen. Redaction der „Franks. Ztg." Rumänien. Bukarest, 10. Sept. 204 jüdische Familien haben sich bereits zur Auswanderung nach America angemeldet. Krankrerch. Paris. Bei der jüngsten Preisvertheilung am St. Louis Lyceum, welcher General Saget präsidirte, erhielt Herr Seligmann Bloch den Mathematikpreis. Das anwesende Publikum wurde aber besonders angenehm überrascht, als General Saget die Gelegenheit wahrnahm, dem jungen Bloch zugleich die Milirärmedaille ernzuhändigen, die er sich als Freiwilliger beim jüngsten Kriege verdiente. i'Univ. isr.) P a l ä st i n a. Jerusalem. Ein von dem Consul Moor an die englische Regierung gerichteter Bericht über den Handel Jerusalems im Jahre 1871 ist für unsere Leser gewiß von großem Interesse. | Wir entnehmen hierüber der „Pall Mall Gazette:" j Jerusalem ist bezüglich des Handels und der Jn- I dustrie eine der unwichtigsten Städte. Der hauptsäch-! lichste Import der engl. Herrschaft besteht in Baumwolle! (400—500 Ballen) einen Gesammtwerth von 18 bis 20,000 L. St. darstellend. Wolle, Kurzwaaren und Eolonialwaaren von einem ungefähren Werth von 6500 L. St. Deutschland und Oesterreich liefern Wolle-, Seide-, Kurz-, Krystall- und Holzwaaren für 25000 L. St. Frankreich schickt Wolle-. Seide-, Kurz-, Lederwaaren, Wein und Spirituosen für 18000 L. St., Rußland Mehl für 3500 L. St. Reis wird hauptsächlich von Egypten importirt. _ Der Export Jerusalems besteht in Olivenöl und Korn, welche die hauptsächlichsten Probucte des Landes sind. Baumwolle wächst im Districle von Nablus (Sichern); sie kommt von einheimischem Sarnen und die Qualität ist eilte geringe; nach Marseille wnd sie erportirt Die Bevölkerung Jerusalems wird auf 18000 Einwohner geschätzt, wovon 5000 Mohamcdaner 8 bis 9000 Inden und der Rest aus Christen b steht. Die Hauptindustrie der Einwohner ist die Seise- Manusactur, Rosenkränze, Eruzrsixe, welche an die christt. Pilger verkauft werden. Die Pilger sind jährlich aus 6—8000 zu schätzen.