Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-09-11 · Heft 37 (11.9.1872) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 37 (11.9.1872)
Date
1872-09-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447588--10858-2466616
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

XIII Jahrgang. Wissen schastliche Seilage M Nr. 37 des Israelit. Der große Papyrus Harris?) Der „A. Mg. Jtg." entnehmen wir folgenden Artikel: Der im Jahre 1869 verstorbene A. C. Harris in Alexandria hatte von den Arabern mehrere hinter dem Tempel von Medinet-Abu in einer "»rotte außzefnndene Papyrusrollen (9 hieroglyphische, 5 hieratische, 150 griechische, darunter der 18. Gesang der Ilias) erworben. *) Voit einem derselben gibt Herr vr. Eisenlohr in dem unten genannten Portrage nähere Nachricht. Er nennt ihn den großen Papyrus Harris. Derselbe enthalt auf 79 Blättern eine Anrede des Königs Ramses III. aus seinem 32. Regierungsjahr an seine Beamten und sein Polk, und gibt eine ausführliche Schilderung dessen, was der König während seiner Regierung für die Götter ilnd Tempel gethan, und zählt die Geschenke an dieselben auf. Bon besonderem Interesse ist die sechste Abtheilung (Blatt 7;j—79), welche die Ereignisse bespricht, die ferner und seines Vaters Seti nechl Regierung voran gegangen, woran sich die Schilderung seiner eigenen Kriegsthaten anschließt. Aus der Erzählung der Ereigniffe vor seines Vaters Regierung ist zu ersehen, daß damals eine politisch religiöse Erhebung eines syrischen Stammes stattgefunden, und der Vortrag macht wahrscheinlich, daß die Erhebung der Israeliten unter Moses darunter verstanden sei. Ueber Moses hat schon Lauth aus ägyptischen Quellen Nachrichten gegeben, und zwar aus einem Briefe des heiligen Schreibers Hui an seinen Vorgesetzten, den Schreiber Mesu.* 1 2 *) *) Der große Papyrus Harris. Ein wichtiger Beitrag zur ägyptischen Geschichte, ein 3000 Jahre altes Zeugniß für die mosaische Religionsstiftung enthüllend. Vortrag, gehalten im historisch philologischen Vereine zu Heidelberg. Von Dr. August Eisenlohr, Docent der ägyvtischen Sprache an der Universität Heidelberg. 1) Der Zweck dieser Papyrusrollen bei den alten Aegyptern war nach der Ansicht der meisten Archäologen folgender: Die Aegypter me nten nämlich, daß d e Seelen der Abgeschiedenen, auf deren Körper sie solche Papyrusrollen, worauf sie Stücke aus verschiedenen Schriftstellern, gar oft der Griechen wie z. B. Gesänge aus dem Homer schrieben, legten, dadurch weiter lebten und die Körper vor Verwesung und Leiden geschützt wären. 2) Dieses Werk, in welchem die von Chabbas erklärten 2 Papyri einer wissenschaftlichen Untersuchung unterworfen werden, nennt Prof. Lauth „Moses der Hebräer." München 1868. Dieser hatte nämlich dem Ersteren Mittheilungen aus seinem Leben gemacht, ihm auch seine in ägyptischer Sprache verfaßten Schriften zur Verbesserung gegeben, weil sein eigener Styl schwerfällig und nicht frei von Semitismen war. Daraus ersehen wir, daß Mesu (ägyptisch: Kind, Findling) auf dem Isthmus von Suez im 7. Jahre des Ramses II. geboren, daß er Priester, Schriftgclehrter, Feldherr gewesen, und daß er mit 5000 Mann zur Ilnterdrückung eines Aufstarrdes der empörten Rohama am Meerbusen von Elath und gegen die Schasu gesendet worden. 3) Vom Feldzuge zurückgekehrt, unternahm er eine Reise nach Syrien, und kehrte unter Menepta's Regierung nach Aegypten zurück. Dieser Hui, von Mesu in dienstlicher Beziehung getadelt, schreibt mit Bezug hierauf an ihn einen Brief, der auch für den Priester Anhur zur Entscheidung der Sache bestinnnt war. In diesem Briefe rühmt der Schreiber die körperliche Schönheit und die Geistesgröße des Mesu, erwähnt seiner Neigung zum Jorn, 4) auch daß er eine schwerfällige Aussprache habe und die Worte beim Aussprechen zerhacke. Außerdem fügt er bei, daß Mesu auf seiner Reise nach Syrien im Meerbusen von Elath gebadet und Fische gegessen (beides den ägyptischen Priestern verboten), auch daß er ketzerische Lehren, cnt- 3) lieber diese Expedition des Mesu (Moses) gegen die Schasu (Ehusch, L>:, Aethiopier) berichtet auch Flavius Jos. Ant. 11. 10. 2. und auch. Midr. Rab. I. 168. Diese beiden Angaben widersprechen sich jedoch bezüglich der Parteistellung von Moses in diesem Kriege. Nack Fl. Jos. hat Males die Aegyptier gegen die Aethiopier geführt, weil beide Völker seit lange in Feindschaft miteinander lebten, und nacb Midrasch trat Moses für den vertriebenen ägyptischen König Kyknus gegen Usurpatoren auf. Prof. Lauth hat aufsallenderweise di se Angaben nicht benutzt. Es ist dieses Versehen sofort in dem betr. Werke bemerkbar, denn gewiß hatte er manche Schwierigkeit bei Erklärung der Ausdrücke in den Papyr. und diese wäre dadurch beseitigt worden. S" z. B. stimmen beide Angaben darin überein, daß Moses bei der äthiopischen Expedition den Ibis verwendete, um die Schlangen aus dem Wege zu räumen. Es erklärt sich dadurch leicht der in den Papyr. vorkommende Ausdruck für denLauth keine andere Deutung weiß als der Gott des Sturmes, was etwas weit herdeigeholt ist. In Wirklichkeit bedeutet Raubvogel ober allg. Vogel (vergl. Hiob. 5. 6.) und will dam t der heilige Schreiber Hiu an die Jbise erinnern, die Moses bei der Expedition benutzte. Vergl. „das Verhältniß von Flavius Josepbus zur Bibel und Tradition," von Dr. Tackauer (Jung u. Sohn, Erlangen 1671) S. 64. Anm. 4. 4) Anm. d. Red. des Jsr.: Durch diese interessante Bemerkung wird die später bewiesene unendliche Sanftmuth und Bescheidenheit unseres großen Lehrers Moses nur noch anerkennenswerther, da diese hohen Eigenschaften nunmehr nicht als Ausfluß seiner Naturen erscheinen, sondern seiner Selbstbeherrschung waren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.