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Der Israelit · 1872-09-11 · Heft 37 (11.9.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 37 (11.9.1872)
Date
1872-09-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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788 zu erfüllen das Wort der heiligen Schrift, in der es heißt: Ein Land, wo Milch und Honig fließt! Ohne Kummer und Sorge, ohne viel Arbeit und Blühe bebauten meine Vorfahren dies köstliche Land. Wie schön muß es gewesen sein, da die Stämme htnaufwallten zu der Stadt unseres Gottes, um an den hohen Festen vordem Antlitze des Allherrn zu erscheinen! Wie schön muß es gewesen sein, da die wohlhabenden Besitzer des Landes auf schwerbeladenen Eseln die Erstlingsfrüchte oder den zweiten Zehnten gen Jerusalem führten! Wie schön muß es gewesen sein, da am Rüsttage zum Peßachfefte sich in den Vorhöfen des Gotteshauses Hunderttausende zusammengefunden, um das Pcßachopfer zu bereiten — da in der Vorhalle die Priester standen in langen Reihen, um mit silbernen rrnd goldenen Gefäßen das Blut aufzufangen rmd es an den Altar zu sprengen! Wie schön muß es gewesen sein, da am Versöhnungstage der Hohepriester ] umgeben von Myriaden andächtiger Beter, in Reinheit und Heiligkeit den sonst unaussprechlichen Namen Gottes verkündete, die heiligen Opfer darbrachte vor Gottes Antlitz, und da die rothe Schnurschneeweiß wurde zum Zeichen, daß Gott seines Volkes Sünden vergeben hatte! Wie schön muß es gewesen sein, da am 15. Ab die weißgekleideten Töchter Jerusalems hinauszogen in die Weinberge, um dort froh und unschuldsvoll vor Gott sich zu treuen! Wie schön muß es gewesen sein, da am Feste des Wasserschöpfens Freudeufeuer die Stadt Jerusalem erleuchteten, da Greise und; Jünglinge sich im freudigen Jubel einander überboten,! da im Üebermaß der Freude Niemandem Schlaf in die j Augen trat! Ach all diese Herrlichkeit ist dahin, um unj serer Sünden willen haben wir dies wunderbare Land! verloren, und Israels Söhne essen in der Fremde das j bittere Brod der Verbannung. Zerstreut über den ganj zen Erdboden ist Noth und Elend unser Loos ge-! worden!"! Er setzte auf einen Stein sich nieder, der am Wege ' stand, verhüllte sein Haupt und weinte bitterlich.! Da ritt Fatime zu ihnr heran, die einzige Tochter seines Herrn, und sprach voll Theilnahme: , „Warum weinst Du, Fremdlings Gewiß hast Du j ein tbeures Weib und geliebte Kinder daheim im fernen Frankenlande und Dein Herz fließt über in sehnsüchtigem! Verlangen nach ihnen." ' j „„Wohl habe ich,"" entgegncte der Rabbi, „„ein; geliebtes Weib daheim und theure Kinder. Wohl sehnt sich mein Herz nach ihnen, und die Augen füllen sich mir mit Thränen, wenn ich ihrer gedenke in ungefülltem Verlangen! Jetzt aber ist es ein Anderes, das mich bewegt. Dies Land ist das Land meiner Väter. Um unserer Sünden willen hat uns Gott daraus vertrieben. Dieser Gedanke ift's, der mein Herz beschwert und meine Augen mit Thränen füllt."" „Du bist ein Hebräer?" „„Ich bin's, edle Herrin;, ich gehöre dem Volke an, das Gott erwählt hat aus allen Völkern der Erde, auf daß es sei ein heUig Volk, ein Reich von Priestern. Wir aber, wir haben gesündigt, und Gottes Strafgericht hat uns getrosten, wie kein anderes Volk der Erde."" „Und warum lösest Du nicht die Bande, die Dich mit diestm Volk verknüpfen, warum schließest Du Dich nicht den Bekennern des Propheten an? Mein Vater würde Dir dann gewiß sofort die Freiheit schenken." „„Rede nicht also, edle Herrin. Auch im Unglücke ist Israel noch immer Gottes auserwähltes Volk geblieben. Die Lehre, die Er uns gegeben und die Gebote, durch die Er uns geheiligt hat, sie heben uns über alle Drangsale hinweg und lasten uns jedes Ungemach mit Leichtigkeit ertragen. Sein sind wir noch immer, Sein Volk, die Lämmer Seiner Heerde. Der Tag wird erscheinen, an welchem uns Gott wird senden Seinen Erlöser, an dem Er uns sammeln wird von allen Enden der Erde! Dann werden wir wiederum sein unter allen Völkern das erste. An uns aber ist es, treu auszuharren bis dahin im Dienste unseres Gottes."" Von dieser Stunde an unterhielt sich Fatime oft und gern. mit dem fränkischen Sclaven ihres Vaters, und der Emir, der seine einzige Tochter mehr liebte als Alles, ja mehr als seine Söhne, wehrte es ihr nicht. Als das neue Besitzthum des Emirs, das Bergschloß im Libanon, erreicht war, richtete sich Said häuslich ein. Dem fränkischen Sclaven wurde die Pflege des Blumengartens übergeben. Emir Sai'd hielt Wort. Rabbi Samson hatte es gut bei ihm; er hatte nur geringe Arbeit zu verrichten; am Sabbat durfte er ruhen und auch sonst wurde ihm kein Hinderniß ttt den Weg gelegt, den Gesetzen seiner Religion gemäß zu leben. Daß Fatime den Blumengarten sehr häufig besuchte, konnte Niemanden Wunder nehmen; sie liebte ja die Blumen so sehr. Rabbi Samson aber sah zu seinem größten Schrecken, daß die einzige Tochter seines Herrn ihn vor allen Andern auszeichnete. Er vermied es, mit ihr zusammenzutressen. Aber das ging nicht, immer. Fatime's Wünsche mußten von allen Bewohnern des Schlosses auf's Sorgfältigste erfüllt werden. (Fortsetzung folgt/» Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redactkon. Dr. Leb mann. — Derlaa der Le Rour'scberr Hosbuchhandlung. 3- Gottsleben'r Buch- und Steindruckerei in Main«.

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