Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1872)
- Date
- 1872-08-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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730 Streitfragen, nicht auf dem Wege allgemeiner und reglementärer Verfügungen aussprechen dürfe. Herr N. Stürza, der Friedensrichter der Stadt Bacau, in Mißachtung der Gesetzes-Vorschriften, maßte sich die Rolle des Gesetzgebers an und verfügte, durch die Journale vom 27. Januar, 19. Mai und 2. Juli, in allgemeiner Weise, über die folgenden Puncte; 1. Daß wenn immer es nothwendig sei, daß ein Israelit einen Schwur ablege, er dies nur, in Gemäßheit einer alten Formel aus den Gesetzessammlungen der Moldau, und nicht in der Stadt, sondern in einem etwa zwei Meilen entfernten Dorfe, wo ein Rabbiner existire, thun dürfe; 2. Daß die Israeliten nicht mehr zugelassen werden sollen, vor Gericht als Advocaten oder Vertreter, oder in irgend einer andern Eigenschaft zu plaidiren. Ich will mich nicht damit befassen, die Gründe zu untersuchen, aus denen der Herr Richter solche Schlüsse zieht, denn wer die Landesgesetze kennt, muß anerkennen, daß die Eidesfrage durch die Strafproceßordnung bereits aelöft ist. Art. 239 sagt, daß der Eid in öffentlicher Audienz, nach der vom Artikel 240 vorgeschriebenen Formel geleistet werden müsse und für diejenigen, denen ihre Religion die Leistung eines solchen Eides untersagt gibt Art. 241 dem Richter die Befugniß, jene Formel zu modificiren, keineswegs aber sie abzuändern, wie,es der Herr Richter von Bacau gethan. Bezüglich der andern Frage, ist es allgemein bekannt, daß Art. 18 der Civilproceßordnung den Parteien die Befugniß gibt, vor den Friedensrichtern entweder persönlich oder durch Vertreter zu erscheinen, folglich ist die von dem Herrn Richter getroffene Beschränkung gegen das Gesetz. Ich bedauere, Erlauchter Fürst, daß der Herr Richter N. Stürza, die Gesetze seines Landes nicht kennt, vielleicht wird er mit der Zeit, nach mehr Erfahrung, ein guter Beamter werden; für jetzt aber glaube ich nicht, daß er seiner Stellung entspricht und bitte ich Sie daher, das beigeschlossene Decrets - Project, durch welches Herr Stürza von seinem Posten entfernt und durch Herrn C. Tulbure ersetzt wird, unterzeichnen zu wollen. Ich bin ic. G. Costa-Foru. Der Fürst hat dem Gesuch des Ministers entsprochen. Frankreich. Paris. Der zum Nachfolger des Herrn v. Keratry neuernannte Präfect für das Departement Herault ist ein Israelit, Namens Limburg, aus Metz gebürtig. In Marseille wird es seine erste Aufgabe sein, die isr. Colonie mit der Regierung zu versöhnen; dieselbe hat nämlich seit der Hinrichtung-. Gaston Eremieüx' eine ziemlich feindselige Stellung eingenommen; (Fr Z.) Amerika. New - Bork. Die geehrten Leser werden sich noch erinnern, daß der geheimnisvolle Mord, begangen an dem durch seine Wohlthätigkeit bekannten Benjamin Nathan in New-Hork, große Sensation erregt und man eine bedeutende Summe auf die Entdeckung des Mörders gesetzt hat. Jüngst fand man den Mörder in einenl Keller in Kentucky, aber tobt; derselbe hatte sich selbst umgebracht. Bei seiner Leiche fand man einen Brief, worin er sich als den Mörder von Benjamin Nathan bezeichnet, den nun das Strafgericht Gottes ereilt. (Somit ist auch die damals in mehreren New- Aorker Zeitungen ausgesprengtc Verdächtigung widerlegt, als habe der «Lohn des Nathan Benjamin den Mord begangen, um sich auf diese Weise früher in den Besitz von dessen immensen Reichthum zu setzen.) (Jew. Ehr.) New-Bork. Die aus dem Elsaß und Lothringen stammenden Glaubensgenossen in New-Dort haben sich jüngst vereinigt, um eine orthodoxe Gemeinde zu bilden. Eine beträchtliche Summe wurde sogleich zu diesem Zwecke gezeichnet. (Jew. Mess.) New-Aork. Die Proselytenmacherei ist bei den Reform-Rabbinern in Europa wie in Amerika eine große Liebhaberei; warum nicht? Sie ist ja recht einttäglich. So meldet „Jew. Mess."; Ein christl. Mechanicus, welcher seit mehreren Jahren mit einer jüdischen Frau zusammen lebt, beschloß Jude zu werden, um die Frau nach jüd. Ritus heirathen zu können und um die Gewissensscrupeln seiner Frau und seiner . Schwiegermutter zu beschwichtigen. Er geht deshalb zu einem sog Rabbiner, welcher ihm bestehlt, sich beschneiden zu lassen, ohne auch im Geringsten ihm die Pflichten, die ein solcher Schritt ihm auferlegt, ans Herz zu legen. Der Mann geht so unwissend in der jüd. Religion weg als er gekommen, nur mit leerer Börse, da er 25 Dollars, die ganze Barschaft zum Lebensunterhalt für seine Familie, zu zahlen hatte. Washington. In der Synagoge in Washington, in welcher vor zwei Jahren große Reformen eiugeführt wurden, wodurch sich auch ein Thcil der Mitglieder veranlaßt gesehen, von dieser Genleinde auszuscheiden, ist man wieder zum alten Ritus zurückgekehrt. (Jew. Mess.)