Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1872)
- Date
- 1872-08-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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711 ' UW jmi. ..., i der Wafserwage auszurichten sind, liegt auf einer Erhöhung zwischen Bäumen und Blumen, aus gelblichen und röthlichen Steinen erbaut, ein prächtiges Gebäude, für die stein- und staubgrau gewohnten Augen der Berliner ein erquicklicher Anblick. Durch eine in der Höhe des zweiten Stocks angebrachte Steintafel mit der Inschrift: „Waisenhaus der jüdischen Gemeinde, gestiftet durch Moritz und Sarah Reichenheim 1870," wird die bei jedem Vorübergehenden erwachende Frage nach dem Zwecke dieses schloßartigen Baries beantwortet. Eine Stiftung, nicht wie viele, die nach dem Tode des Gebers erst Kraft erhalten, sondern eine Stiftung bei seinen Lebzeiten war Reichenheims Ueberweisung von 250,000 Thalern an die jüdische Gemeinde zur Errichtung eines Waisenhauses; leider jedoch hat sein Wunsch, schon Nutzen zu sehen aus feiner Gabe, nicht erfüllt werden sollen. 1870 wurde mit dem Bau begonnen, in diesem Jahre, 1872, sollte auf Reichenheim's Wunsch am 8. Mai, dem Geburtstage seiner Frau, die feierliche Uebergabe des Hauses fein, doch wurde sie still und geschäftlich begangen, denn der Stifter war drei Wochen vorher, am 16. April, gestorben: schwarze Fahnen wehten an den Fenstern. Das Gebäude liegt iu einem Grundstück von 67,8 Meter Breite. von der Straße 16,6 Dieter entfernt, aus einer Erhöhung von 4,1 Meter über dem Niveau derselben. Es hat Raum für 100 Kinder und zerfällt seiner Bestimmung nach iu zwei Tbeile, einen für Knaben, einen für Mädchen. Diese Trennung ist auch äußerlich derart, daß der Mittelbau gemeinschaftlichen Räumen, ein Betsaal, Küche :c., dient, während die beiden Flügel zu Wohllungcn für die Kinder hergerichtet find. Der Mittelbau ist 34 Meter lang und 14 Meter tief, die Seitenbauten 27,25 Meter lang und 10,67 Dieter tief. In dem 2,8 Nieter hohen gewölbten Souterrailr ist in der Milte die große Küche mit dahinter befindlicheur Spielräume angelegt, rechts uni) links liegen die Speisekammern und VorrathSräume, ferner faßt dasselbe eine Portierwohnnng, Hausdiener- und Mädchenstube x Im Erdgeschoß, 3,8 Meter hoch, liegen rechts und links im Vordergebäude die Eingänge, durch korinthische Säulen aus Granit verziert. Zwischen beiden die Directorwohnung und für jede der beiden Abthcilungen eine .Haupttreppe. In jedem Flügel liegen zwei Krankenzimmer, ein Speisesaal von 7.5 Meter Länge und 5,3 Meter Tiefe, durch Speiseaufzüge mit der Küche verbunden; ferner Badeftuben. Nach hinten ist ein Ausgang in den Garten. Das erste Stockwerk, 4,2 Meter hoch, enthält in der Mitte den Betsaal nni> das Lehrerconferenzzimmer, in den Flügeln Schlaf- und Arbeitssäle, von 10,56 Meter Länge und 5,65 Meter Breite. Ein Corridor, 2 Meter breit, mit den Wascheinrichtungen für die Kinder versehen, vermittelt den Verkehr der Räume untereinander. Der zweite Stock enthält im Hauptbau Wohnungen für die Wirtschafterin und Aufbewahrungsräume, die Flügel sind wie eine Treppe hoch zu Schlaf- und Arbeitssälen für die Kinder eingerichtet. Das Haus ist mit Gasleitung versehen und hat eine eigene, durch eine Gasmaschine getriebene Wasserleitung. Erwärmt werden alle Räume durch Luftheizung, mit welcher vorzügliche Ventilation verbunden ist. Das Gebäude ist nach den Plänen des Geheimen Regierungs- und Bauraths Hitzig unter dessen Leitung von Maurermeister Bergmann und Rathszimmermeister Kamm ausgeführt, von letzteren Beiden in Generalentreprise übernommen, und haben die Kosten des Baues exclusive innerer Einrichtung 63,000 Thaler betragen. 115,000 Thaler der Stiftung sind der jüdischen Gemeinde baar übergeben, der Rest ist für innere Einrichtung verwandt worden. Der Director des Waisenhauses ist Dr. Jutrosinski, früher Realschullehrer in Posen. Als nächste Verwaltungsbehörde fungirt ein Curatorium von sieben Personen unter dem Vorsitz oes Geheimen Sanitätsraths vr. Waldeck; dem Curatorium stehen sieben Ehrenmütter zur Seite. Bei einem Besuche in der Anstalt traf ich Lehrer und Lehrerinnen, mit der Familie des Directors im Garten versammelt, die Mädchen in ihrer Nähe, während die Knaben mit einem ihrer Lehrer, früher Fre.willigen und Mitkämpfer vor Paris, auf einem freien Platze erercirten, deployirten und Carre formirten, daß man ihnen anmerkte, es stecke mancher tüchtige künftige Reierveunterofsizier unter ihnen, und eine Straffheit überraschte mich, die ich, aufrichtig gesagt, bei den noch klcinen Bürschchen nicht erwartet hatte, und welche man ja häufig bei den Juden für nicht vorhanden wähnt oder wähnte, denn gottlob die letzten Jahre haben uns mit manchen andern Vorunheilen auch dteies genommen. W Geißle r. ANZEIGEN. HI in seminaristisch gebildeter Lehrer (nicht Dnr), dem j über ieine vieljährige Wirksamkeit die besten Zeugnisse zur Seite stehen, sucht in einigen Monaten eine gut salairirteStelle an einer Gemeindeichule, wo derselbe Aussicht auf definitive Anstellung hat. Franko-Offerten erbittet man unter Chiffre A. B. K. Nr. 12, poste restante Echzell b. Friedberg in der Wetterau. Groszh. Hessen.