Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1872)
- Date
- 1872-08-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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t85 fahren Einspr::ch erheben muß und es nicht zulasten darf, daß einem Gefangenen und zugleich der ganzen jüd. Gefangenengemeinde auf solche Weise die gottesdienstliche Andacht gestört werde. Konnte doch der Gefangene vor oder erst nach dem Gottesdienst in Arrest gebracht werden. — Als nachher die Sache zwischen dem Herrn Hanptmann und nur zur Sprache kam, wollte jener sich danrit verteidigen, daß er von meiner Anwei serrheit beim Gottesdienste au diesem Sabbat nicht gewußt hätte. Hierauf suchte ich ihm darzuthun, daß der Charakter des Gottesdienstes unverändert derselbe bleibe, gleichviel, ob ich gerade an- oder abwesend sei, da ergänz in denselben Stunden und genau in derselben lithurgischen Weise stattstnde, nur daß in den Fällen meiner Abwesenheit die Predigt auSfallen müsse. (Voss. Ztg.) —d. Frankfurt a. M., im Juli. Es verdient gewiß die größte Anerkennung, wenn vom Glück Gesegnete in ihrem letzter: Willen auch der Armen gedacht und für dieselben gesorgt haben, daß von ihrem Reichtum:: auch etwas verwendet werde, Noth und Elend zu lindern. Größere Anerkennung verdient aber der, welcher schon bei seinem Leben einen bedeutenden Theil seines Vermögens fortzugeben vermag, um das Wohl seiner Mitmenschen zu fördern: ")pia y:-:'" ”pm. Es freut mich nun, Ihnen heute ein Beispiel solch großherziger That melden zu könen. Herr Louis Maas , ein edler Mann im wahrer: Sinne des Wortes, hat stets nur eine Sorge, nämlich wie er am fruchtbarsten für das Wohl der Armen mit seinem Gelde wirker: kann: so sorgt er schon seit Jahren für eine Menge armer Kinder, deren Unterricht und auch theilweisen Unterhalt er aus seiner Tasche bezahlt; wo er Einem eine Eristenz schaffen kann, da wird rücht uinsonst an das Herz und die Hand des freundlicher:, zrrvorkoinmenden Greises appellirt. So hat er nun jetzt um ein ne"? pp zu schaffen, die Summe von fl. 30,000 gespendet, von deren Zinsen „ar.ue israel, Kruder arrs hiesiger ^raüt und Umgegend“ in den hiesigen Schulen unterrichtet rverder: sollen. Die kaiserliche Bestätigung der Stiftung und Statuten ist vorige Woche von Berlin eingetroffen, und ist so ein Lieblingswnnsch des Herrn M. (er rnrrßte zierrrlich lange auf die Bestätigung warter:) realisirt worder:. Obgleich nicht auf orthodoxem Standpunkt stehend, hat Herr M. schor: bisher mit größter Liberalität die orthodore Erzieburrg der von ihm uilterstützteil Kinder gefördert, nichts lag und liegt ihm ferner, als irgerrd einen Gewissenszwang auszuüben oder r:nr einer bestimmten Richtung seine Hitse zuznwenden; wir erwähnen gerade dieses hier, weil uns dies die Gewißheit gibt, Herr M. werde Sorge dafür tragen. daß für alle Zelter: das Princip der Selbstbestimmnr:g in seiner Stiftung aufrecht erhalten werde, daß den Eltern oder derer: Stellvertreter die freie Wahl der Schule stets überlassen bleibe, so daß allen Richtungen die Möglichkeit geboten sei, die Wohlthat der Stiftung zu genießen. Gott schenke dem edlen Greise noch viele, viele Jahre, daß er sich noch lange an den Früchter: seines edle«: Werkes im Leber: erfreue. Aus Königsberg, 2. Aug. Ueber den zweitägigen Aufenthalt von Sir Moses Montefiore in Königsberg in Preußen bringt die dortige „Hartung'sche Zeitung" aus der Feder ihres Mitarbeiters, Dr. M. Freystadt, folgende authentische Nachrichten: Sonntag, den 28. Juli. Der hochbejahrte Philantrop Sir Moses Montefiore ist, von Petersburg kommend, vorgestern zu einem kurzen Aufenthalt in unserer Stadt eingetroffen. Montag, 29. Juli. Gestern Nachm, verließ Sir Moses Montefiore unsere Stadt, wo er zwei Tage verweilt hatte, um direct über Berlin. Köln und Ostende nach London heiinzukehren. Der edle Baronet war, nach englischen Berichten, Mitte Juli über Schweden nach Petersburg gereist, un: dern Kaiser Alexander II. von Rußland in: Namen des „Board of Deputies“ zur Feier des 200. Geburtstages Peters des Großen zu gratuliren und zugleich, fügen wir hinzu, um die traurige Lage seiner Glaubensgenossen in Rumänien dem Czar warn: an's Herz zu legen. Ueber den Erfolg seiner letzten Mission sprach sich derselbe einer hiesigen Deputation gegenüber, an deren Spitze sich die Herren Stadtrath Dr. Hirsch und Banqnier S. Feinberg befanden, sehr befriedigt aus. Hütet Sanssouci, wo der berühmte Pbilautwp togirte, war von Freitag bis Sonntag von Verehrern und Neugierigen fast belagert. Die Teichert'sche Concertcapelle spielte im Garten von Sanssouci am Samstag ihm zu Ehren die englischen Nationalmelodien, nachdem der fromme Gasch früh Morgens in seinen Zimmern die vom Obercantor Herrn Weintraub und dessen Säugerpersonale vorgetragene Psalmodie andächtig angehört hatte. Bei seiner Ankunft . wie bei seiner Abfahrt begrüßten ihn hier auf dem Bahnhofe Tausende von Menschen. Unter seiner Begleitung ragen hervor sein Leibarzt Mr. James Daniel und sein chieljähriger Secretär und Dolmetscher Dr. L. Loewe. Sir Moses war übrigens schon eirunal in Königsberg, un Jahre 1847, als er wegen seiner damals hart bedrängten russischen Glaubensbrüder zum Kaiser Nicolaus hier durchreiste. Seine ebenfalls im Interesse der reinsten Humanität in diesem Sommer beabsichtigte Reise nach Persien mußte ii: Rücksicht auf sein hohes Greisenatter ausgegeben werden. O e st e r r. - U n g a r. Bk o n a r ch i e. Wien, 26. Juli Bei den vielseitigen Verbindungen der hiesigen Geschäftswelt mit den :Sr Handels-