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Der Israelit · 1872-07-10 · Heft 28 (10.7.1872) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 28 (10.7.1872)
Date
1872-07-10
Page
– (sequence 20)
Language
German
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628 Messer für die Religiosität ist, dann mögen alle religiösen Differenzen allmählich ausgeglichen werden, das ist aber der Standpunkt des Deisten, positive Religionen jedoch sind ohne „religiöse Observanzen" undenkbar, und -er Angehörige einer Confession, der nicht an ihnen festhält, mag, vom socialen Standpunkte aus betrachtet, ein recht braver und guter Mensch sein, doch die positive Religion betrachtet ihn als einen außerhalb ihres Kreises Stehenden Und Herr D. gerirt sich ja gar nicht als ein „Religionslehrer", an einer andern Stelle, die wir später noch berühren werden, empfiehlt er als für das Leben des Juden überhaupt wichtig, den Unterricht in den talmudischen Schriften, wie reimt sich nun das zusammen? Doch Herr D. ist zu entschuldigen, seine frühere literarische Thätigkeit hat schon Zeugniß dafür abgelegt, daß aus seiner Feder, wahrscheinlich absichtslos, oft massenhaft fremde Gedanken herausfließen, so daß man nie recht mit Bestimmtheit weiß, wo das Fremde aufhört und das Eigene ansängt, und vielleicht gelingt es uns im Verlaufe unserer Recension, auch an dem vorliegenden Werke nachzuweisen, daß Herr D. von seinem alten Fehler noch nicht ganz curirt ist. (Schluß folgt.) Korrespondenzen. Aus Hessen.") (II.) Es ist nicht allein die Achtung der Kinder, die entweder durch einen guten Unterricht und eine gute Erziehung, oder durch eine energische Strenge, oder durch beides zugleich erstrebt wird, welche den Lehrer hochhält und ihm seine Stellung erleichtert und erheitert, cs ist auch die Achtung der ganzen Gemeinde, die der Vorgesetzten und Untergebenen, ja selbst die Achtung, die ihm seine Nichtglaubensgenossen entgegen tragen, welche ihm sein Dasein zu verschönern im Stande ist. Um sich aber diese Achtung zu erringen, um zu erstreben, was oftmals so schwer zu erstreben zu sein scheint, ist es unumgänglich nothwendig, daß der Lehrer, der israelitische Religionslehrer, ein Musterbild sei, ein Spiegel, in den Jeder schauen darf, ohne sich mit Flecken behaftet zu sehen, der das Bild rein und klar und hell und tadellos zurückwirft, ein Spiegel, der glänzt wie Heller Sonnenschein und ewig diesen Glanz erhält. Der Religionslehrer soll leuchten durch Mort und Beispiel und nicht allein in engeren, ihm Zubestimmten Kreisen, nicht allein, wenn er unterrichtend wirkt und bei seinen Schülern ist, nein auch wenn er sich in weiteren, in gesellschaftlichen Kreisen bewegt, wenn er hinaustritt in das öffentliche Treiben, dann soll er nie vergessen, wer er ist. Aber hier zu Lande hat es große Schwierig- . *) Ncthwcndige Rücksichten haben uns veranlaßt, den zweiten Brief aussallen und den dritten als zweiten erscheinen zu lassen. D. R. leiten für den Religionslehrer, den Standpunkt zu behaupten, den er behaupten sollte, sich die Achtung zu erringen, die ihm gebührt und doch nicht werden kann, wenn er sie nicht selbst zu erritlgen versteht. Hier zu Lande, so glauben wir in unseren Kreisen die Erfahrung gemacht zu haben, nimmt der israelitische Leh« rerstand im Allgemeinen einen jänimerlichen Standpunkt ein, einen Standpunkt, den wir nicht näher bezeichnen wollen. Man hat da Begriffe von den jüdischen Lehrern, die, klar gelegt, wahrhaft bedauernswerth sind. Der jüdische Lehrer soll ein Werkzeug sein, dessen sich Jeder bedienen will, über das Jeder das Recht zu verfügen sich aueignen möchte und der, wenn er einmal in die Falle gegangen und gefangen ist, sich mit aller Kraftanstreneung nicht wieder zu befreien vermag. Da hilft, wenn einmal zu spät, alle Anstrengung nichts, um durch „Wort und Beispiel" wieder das zu erobern, was man sich einmal vergeben hat. Doch fragen wir, woher kommt dies, woher dieser Uebelstand, dem so schwer abzuhelfen ist? Wenn wir die Antwort darauf geben sollen, so reißt die alte Wunde wieder auf, so blutet sie von Neuem, so kommen wir wieder auf den alten, wunden Fleck, so müssen wir wieder sagen, daß es von den vielen Eingeschmuggelten kommt, von den vielen Unwürdigen, die sich Lehrer nennen. Es ist das dock gar zu traurig, dies mit anzuschen und wahrzunehruen, diese ehemaligen Viehhändler, diese Schuster und Schneider, diese jungen Leutchen, die nicht Religionslehrer bleiben wollen, die Commis und Volontair noch zu werden gedenken, diese Leutchen, die die Brille aufsetzen und den Lehrer „spielen", die nichts gelernt und nichts vergessen haben, und die doch in ihren Augen sich als „Ehrenmänner" fühlen! Und haben sie nicht auch das Recht dazu, wenigstens in ihren eigenen Augen, haben sie doch zwanzig Schüler und fünfzehn Privatfchüler, verdienen sie doch ein schönes Geld! Und dieses ist auch die Hauptsache bei ihnen; nicht aus Liebe zum Stande sind sie Lehrer, sondern um Geld zu verdienen, um es aber auch meistens wieder zu verschleudern, um es so zu verthun, daß ihnen jede Spur von Achtung, die dem Lehrer gebührt, entzogen ist und bleibt und nimmer möglich ist, ihnen werden zu können. O, Ihr verblendete Thoren, wißt Ihr es denn nicht, daß man Euch verlacht, verlacht hinter dem Rücken, verspottet, wenn Ihr nicht zugegen seid, wißt Ihr das nicht, seid Ihr nicht im Stande, etwas dagegen zu thun? Durch Wort und Beispiel sollt Ihr Euch Achtung erringen! Sonst seid Ihr solche, die mit sich machen lassen, was man will, die sich gebrauchen lassen zu Allem und doch zu nichts zu gebrauchen sind, die dem ganzen Lehrerstande Schaden und Schande bereiten! Möge es doch besser werden, möge für den Religionslehrei stand eine bessere Zeit heranblühen, auf daß er wachse und gedeihe und immer schönere Früchte trage! Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verkna der Le Rour'scben Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Luch- und Steindruckerei in Mainz.

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