Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1872)
- Date
- 1872-07-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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619 sitzer Theil an den Spenden beanspruchen und geradezu Almosen nehmen". Es ist nun allerdings möglich, daß auch Capitalisten und Häuserbesitzer manchmal in der Lage sind, Almosen nehmen zu müssen; es kann Jemand im Besitze eines großen Hauses und tief verschuldet sein; ein Anderer kann ein Häuschen besitzen, das ihm die Mittel zum Lebensunterhalte nicht gewährt. Ebenso kennen wir auch „Capitalisten", arme, arbeitsunfähige Leute, die einige hundert Gulden bei der Sparkasse angelegt haben, deren Ertrag sie vor dem Hungertods nicht schützen würde. Nichtsdestoweniger bitten wir auch in Bezug auf diesen Punkt um Aufklärung. Die Redaction.) R u m ä n i e n. Bukarest. Wenn auch der von England beantragte „Congreß der europäischen Mächte wegen der rumänischen Juden," noch nicht zur Ausführung gekommen ist, so hat der Antrag allein doch schon so viel gewirkt, daß der regierende Fürst Karl bon Rumänien eine Bürgschaft gegen die Judenverfolgungen leisten will, wenn nur die übrigen Mächte von ihrem Plane der Einmischung zurücktreten. — So wird nämlich dem „Pesthcr Lloyd" aus Konstantinopel telegraphirt. Wenn sich nun der Fürst verbindlich macht und eine vollkommene Bürgschaft leistet, daß sich diese schrecklichen rumänischen Judenverfolgungen nicht mehr wiederholen werden, so hätten wohl die übrigen Mächte kein Recht, sich in die rumänischen innere Angelegenheiten cinzuulischen; aber wir glauben kaum, daß der Fürst allein dafür bürgen kann, daß die rohe Bevölkerung nicht die und da gegen die Juden auf grausame Weise ans arten werden. F r a n k r e i ch. Paris. Der „Uuiv. Jsr." schreibt: Bei der diesjährigen Ausstellung der schönen Künste finden wir zwanzig Künstler, die dem isr. Glauben an gehören, aber Keiner' von Ihnen hat einen isr. Gegenstand ausgestellt; einer von ihnen, Namens Heinrich Leopold Levv, hat sogar ein christliches Bild gemalt. Der berühmte deutsche Maler Oppenheim hingegen ist von einem ganz anderen Geiste als seine französischen Glaubensgenossen beseelt gewesen; dieser hat mit einer unvergleichlichen Kraft eine glänzende Reche von Sujets, die Sccnen des süd. Lebens darstellen, gemalt. R u ß l a n d. Aus Warschau schreibt man dem „Hamagid", daß ein Christ in der Weichsel badete und nahe daran war, zu ertrinken, doch sein Freund, welcher am Ufer stand, stürzte ihm nach ins Wasser, um ihn zu retten. aber der erste zog ihn mit Kraft nach, so daß beide fast ertrunken wären. Ein jüdischer Schiffer sprang in das Wasser, und rettete den Zweiten, den Ersten konnte man nicht mehr ins Leben zurückrufcn. Der „Warschauer Kourier" bemerkte dazu, daß diese Thatsache beweist, wie ungerechtfertigt der Vorwurf gegen die Juden sei, daß die Inden muthlos sind, vielmehr sind sie treue Unterthancn ihres Vaterlandes, wie sie es auch in dem deutschfranzösischen Kriege bewiesen haben, und auch für Nicht-Israeliten stürzen sie sich in Gefahr. Was werden die Judenfeinde in Rumänien dagegen einwenden? Türkei. Aus Smyrna, 15. Juni, wird berichtet: Hamdy Pascha, der bisherige Gouverneur des Velayets von Arven, ist bereits nach Rustschuck, seinem neuen Bestimmungsorte, abgereist. Sein Nachfolger, Sadik Pascha, früher Finanzminister, hat sein neues Amt angetreten und die Besuche des hiesigen Consularcorps erwidert, bei welchen er den k. und k. Generalconsul mit besonderer Aufmerksamkeit behandelte. Ans Boskowitz in Mähren ist an den hiesigen Cnltnsvorstand ein Schreiben eingelaufen, worin mitgetheilt wird, daß die dortige Judengemcinde aus den Zeitungen die Verfolgungen ersehen hat, denen in jüngster Zeit die Juden in Smyrna ausgesetzt waren und zur Unterstützung der bedrängten Glaubensgenossen eine Sammlung veranstaltete, deren Erträgni'ß, 70 fl. in Banknoten, sie zur Verkeilung cinsende. Mit den vorn Wiener Hilsscomitö zur Unterstützung der Israeliten im Orient überschickten 2000 fl.- sind nicht weniger als 1102 arme, in Folge der letzten Ercesse nothleidende Juden betheilt worden, und zwar erhielten die Familien der beiden Ermordeten jede 40 fl., die 32 mehr oder minder Verwundeten oder Beschädigten 10—50 fl., die 5 noch gefangen Gehaltenen;e 12% fl., die übrigen 1063 durch die Exzesse ihres täglichen Brotes beraubten, darbenden Juden 1796 fl. Außer ans Oestereich sind von Paris durch Baron Rothschild 3000 Frs. übersendet worden. Aus England ist auffallender Weise noch kein Beitrag eingelangt. Vielleicht wollen die britischen Juden durch moralische Unterstützung excelliren, und diese wäre allerdings fast noch wichtiger, als die materielle, denn wenn man die hiesigen armen Inden nur ungehindert arbeiten und ihrem Erwerb nachaehcn ließe, so brauchten sie keine Almosen. Sie haben stets durch ihren Fleiß und ihre Unermüdlichkeit den respektabelsten Theil der hiesigen Arbeiterbevölkerung gebildet und werden sich auch ferner selbst zu Helsen wissen, wenn nur die Regierung sie vor den Gcwaltthaten der griechischen Volksklassen schützt.