Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1872)
- Date
- 1872-07-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447579--10659-2466408- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
613 gr bespricht die neue Episode der Vorfolgungen, gegen welche die Garantie-Mächte scho oft prote'stirt haben: „Am 30. Mai begab ich mich in meiner Eigenschall als Mitglied der „Alliance lsraelite" auf das Commissariat zu Bottnschan, um Beschwerde zu führen in Betreff der ungesetzlichen Verfolgungen, welche ein Polizeichef kürzlich gegen meine Glaubensgenossen geübt. Da es erst 6 Uhr des Morgens war, als ich gnich in Begleitung .des Herrn Procnrators vorstellte, * -verließ mich dieser, nur in einer Stunde wieder --bei mir zu sein. Der Polizeichef, ein gewisser Constantin Placa, welcher scholl wegen seiner Grausamkeit gegen die Israeliten bekannt war, benutzte die Abwesenheit des Procurators, um mit 10 Gendarmen. (Dorubanz) auf mich loszustürzen. Ich wurde geknebelt, „Jude, Mörder I..genannt und mit Stockschlägen so arg mißhandelt, daß das Blrrt ans meinen Wunden floß. Ich hatte vollständig die Besinnung verloren. Die mörderischen Beamten ließen lirich für todt ans dem Platze liegen und machten sich ans dem Staube. Nun ist dieser Constantin nicht nur liicht bestraft, sondern auch im Amte belassen lvorden. Ich appellirc aÄ die Gerechtigkeit aller europäischen Mächte! Als alleinige stütze einer zahlreichen Familie, und einer, vcrwittwelen Mutter mit sechs kleinen Kindern, und . da ich in einigen Tagen den erhaltenen Wunden zu erliegen glaube, will ich wenigstens die. Tbatsachen vor meinem Tode der Würdigung der civilisirten Welt unterbreiten, damit die Regierungen Europa's, wenn die Zeit kommt, diese ewigen Peiniger der Israeliten zu bestrafen nüssen. Moritz Moses Weiß m a n n." Bukarest, 1. Juli. Wie die Rumänischen Journale,berichten, haben drei Inden aus Jassy an den dortigen Präsecten eine Petition gerichtet, in welcher sie um die Erlaubniß zur Errichtung eines Eruw nachsuchen. Hierüber herrscht nun große Aufregung; man schimpft gewaltig über die Frechheit dieser Juden und in einigen Zeitungen wurdv die Befürchtung ausgesprochen, I>aß die Juden anr Ende gar verlangen würden, daß man ihnen gestatte, die Christen zur Beschneidung zu zwingen?!! Daraus hat in einer längeren Entgegnung ein Israelit aus Jassy Folgendes erwidert : „Was die Besorgnih der Herren von der „Uninna Äberala" betrifft, so dürfen sie ganz ruhig sein, denn die Juden werden niemals ihre Beschneidung verlangen. Die Rechte Anderer zu beschneiden, ist und bleibt das Vorrecht dieses Herren." Tekutsch, 24. Juni. Die wenigen vier wohnenden Israeliten, welche durch die Ihnen wohl noch erinnerlichen Excesse vom 24. rrud 25. April 1870 bis auf das nackte Dasein 'ansgeraubt itub geplündert wurden, und noch heute vergebens ans irgend welche Entschädigung warten, sind fortwährend den erbärmlichsten Ebikanen seitens der Behörden ausgesetzt. Jetzt, unter dem Regime der^reibeit und conftitutiouoUcu Gleichheit, welche leider nur ans dem Papiere prangt, dem Volke aber noch eine terra incognita ist, bat die hiesige Primarie, geleitet von Böswilligkeit und Haß , durch ein Reglement oder Protokoll, sich die gesetzgebende Macht angemaßt, und den Israeliten die Besngniß entzogen, in der Stadt Fleisch zu verkaufen, und bat ihnen dieserhatb einen neben dem Flusse Verlad gelegenen, ganz isolirten und entfernten Ort angewiesen: außerdem ist es ihnen bei Strafe untersagt an andere als an Juden Fleisch zu verkaufen. Durch eine Petition, welche die Israeliten im September vergangenen Jahres an die Primarie richteten, zeigten dieselben daß es weder vernünftig noch constitntionell sei, ihnen ein Recht zu entziehen, das weder civil noch politisch ist, und dessen seit Jahrhunderten ihnen gestattete Ausübung, weder die herrschende Religion, noch die guten Sitten oder die Interessen Dritter berühre; sie verlangten daher die Erlaubniß, an einem durch ein Plakat kenntlichen Orte ihr Fleisch verkaufen und kaufen zu dürfen. Der hochtöbliche Magistrat kümmerte sich keinesrvegs um diese „Jeremiadcn" der Israeliten, ihm lag es nicht daran zu zeigen, daß die Juden blos aus öconomischen und politischen Gründen verfolgt werdender wollte vielmehr beweisen, daß der Jude als solcher, keine Eristenz-Berichtignng habe, und daß er als solcher kein Fleisch verkanten dürfe. Welcher besseren Widerlegung bedarf es für die so pomphaft ausposanntc Phrase: „Es gäbe in Rumänien nur eine politische und oconomische Reaction gegen die Juden? Die Israeliten wandten sich nun am 17. dieses - mit einer Eingabe an den Minister Herrn Lascar Calargiu, und verlangten von ihm Abhilfe des Nebels, und die Annnllation der willkürlichen Acte der Primarie, die ihnen sogar die allernöthigsten Nahrungsmittel abschneiden will. Es ist mir ein überaus peinlicher Anblick, wenn ich diese armen Menschen hier gebeugt und abgehärmt, wie Sclaben umherwandeln sehe, denen das Bewußtsein der Paria-Stellung wie ein Alp aus der Brust liegt! — Der Minister bat noch keinerlei Antwort gegeben. Jassy, 27. Juni. In dem Ouarticr dieser Stadt, welches inan gemeiniglich die „Rothe Brücke" nennt, ’ wohnt ein armer Jude, Vater mehrerer Kinder, Namens Abraham GaSnic. Seine Beschäftigung besteht in dem 1 Verkaufe von Petroleum, das er von Haus zu Haus , trägt, s) im Schweiße seines Angesichtes, und durch