Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1872)
- Date
- 1872-07-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447578--10636-2466384- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
591 Polen hätten bleiben und gar nicht nach Palästina hätten einwandern sollen? Aber das Alles ist Herrn Gr. nicht recht; es soll womöglich gar nichts gegeben werden, denn die Chalukas, meint Herr Grätz, macht die Leute arm und demorali- - sirt sie; oder es soll Alles nach einem Maßstabe derj ttjcilt werden; der aus Afrika Eingewanderte soll von! den aus Deutschland kommenden Spenden denselben Antheil erhalten wie der Deutsche — und der Am Haarez wie der Talmid Chacham! Bis jetzt herrschte unter den Spendern eine andere Ansicht. Es find Pflichtgelder, nicht gewöhnliche Almosen, die nach Palästina fliehen. Das Machazith-Haschekel z. B. war von jeher für die Bewohner des heil. L. bestimmt; bei jeden: freudigen Familien-Feste trägt man dem r\\ rry« □« ’nr.D^ c'N-i v>' Rechnung; es ist eben für unser nationales und religiöses Leben von der größten Wichtigkeit, daß Glaubensgenossen im heiligen Lande »ohnen, daß diese sich vorzugsweise mit dem Thora - Studium beschäftigen, daß sie an der Westmauer des heiligen Tempels und au andern erinnerungsreichen Stätten beten. Wer aber entschließt sich, unter den gegenwärtigen Verhältnissen nach Palästina auszuwandern? Gewinn, Erwerb und die Annehmlichkeiten des Lebens sind dort nicht zu suchen, solange die Verbannung (nto) währt. Die Reichen, die ihr Leben genießeri wollen, ziehen nach Paris, Genf, Wiesbaden, Nizza; die jungen Streber, die sich ciu Vermögen erwerben wollen, gehen nach London, New-Port, San - Francisco, Melbourne :c. Wer aber siedelt iiach Palästina über? Männer oder vielmehr Greise, die Sehnsucht empfinden, an den heiligen Stätteii zu leben, Talmud-Gelehrte, die dort ungestört dem Studium leben wollen. Haben wir den Wunsch und den Willen, daß es in Palästina eine jüdische Bevölkerung geben soll — und wir müssen diesen Wunsch hegen — so erwächst daraus die Pflicht, diese Glaubensbrüder zu unterstützen. Es sind nicht Alniofen, die wir reichen, sondern es sind Pflichtgaben, und die Annahme dieser Pflichtgaben hat durchaus nichts Beschämendes für unsere Brüder im heiligen Lande. Daß die Noth und das Elend derselben so groß, ihre Wohnungen so schlecht, das muß uns veranlassen, diese Zustände zu bessern und zu heben, soviel in unfern Kräften steht. Palästina ist und bleibt p**, das Land Israels, das Land unserer Vergangenheit, das Land unserer Zukunft; Vergangenheit und Zukunft aber schließen in der Gegenwart zusammen, und deßhalb ist die Erhaltung von pfc ai»» ^rr" (daß das heilige Land immerwährend von Israeliten bewohnt werde) eine heilige, durch das Religionsgesetz vorgeschriebene Pflicht. Daß es unter sechzehntausend jüdischen Seelen einzelneschlechte, nichtsnutzige, müssiggängerische, auch einige Parasiten und Heuchler geben mag, das kann wohl sein. Aber nur die entsetzlichste Böswilligkeit kann aus einzelnen Fällen auf das Allgemeine schließen und deßhalb die ganze israel. Bevölkerung Palästinas verleumden und verlästern wollen. Daß die Missionäre leider ihre Fangarme in Jerusalem ausstrecken und verkommene Individuen und deren Kinder zu fangen sich bemühen, ist nur zu wahr; auch das aber^muß nur ein Motiv mehr sein, daß wir unsere Gaben ^reichlich fließen lassen. Die Erbauung von Waisen-, Kranken- und Armenhäusern, die Gründung von Schulen zur Verbreitung von Bildung, Handwerkeii und Ackerbau befürworten wir gern; nur dürfen die für den Lebensunterhalt der Armen bestimmten Gelder nicht dazu verwandt werden. Oder sollen die Leute vorher Hungers sterben und dann „gebildet" werden? Welch ein Unterschied ist doch zwischen Grätz und Montefiore! Der Erstere kommt voll Haß, der Letztere voll Liebe aus dem heil. Lande zurück; in Bezug auf Montefiore heißt es zu» in D’pns man, in Bezug auf Grätz aber mzjj; oynn mpn (Mischlö 11, 23). Zeitungsnachrichten und Cvrrespondenzen. Deutschland. Mainz, 26. Juni. Wir lehren foeben von einem sehr traurigen Gange zurück; wir haben denBanquier, Herrn Philipp Nachmann jr. zur letzten Ruhestätte begleitet. Unsere Stadt hat in demselben einen ihrer ehrenwerthesten Bürger, unsere Gemeinde eines ihrer achtbarsten Glieder und unsere Religionsgesellschaft einen treuen, eifrigen und opferfreudigen Anhänger verloren. Bei hervorragender socialer Stellung fand Herr Banquier Nachmann y"j sein höchstes Glück in strenger, religiöser Pflichterfüllung und namentlich in der alten jüdischen Erbtugend, in der Wohlthätigkeit, die er am Liebsten in der Stille übte. In der Art und Weise, wie er im Vereine mit seiner edlen Gattin 'n&r seine Kinder zur Tugend und Frömmigkeit erzog, offenbarte sich am Besten seine innige Gottesfurcht, sein ernstes religiöses Streben. Es ist betrübend, wenn in unserer materiellen Zeit solch edle Männer so früh — der Heimgegangene erreichte ein Alter von nur 57 Jahren — dahingerafft werden. Aber das ist in diesem herben Leid ein erhebender Trost, daß die Söhne und Töchter in den Fußtapfen der frommen Eltem wandeln werden. HD nb ib'dn iniDD p rrarw 'v bD, der ist nicht gestorben, welcher Kinder hinterläßt, die ihm gleichen! Der Leichen - Conduct war ein im höchsten Grade impofanter. Juden und Nichtjuden — unter ihnen die /