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Der Israelit · 1872-06-05 · Heft 23 (5.6.1872) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 23 (5.6.1872)
Date
1872-06-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Llll.Jahrgang. Zweite Beilage zu Rr. 23 des Israelit. Telegraphische Depesche. Posen, 4. Juni. Aadb. L)r. #eitd)enfclb aus D njjeld o r i ist soeben einstimmig zuin hiesige» Ober- Aabbuier erwählt worden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u r s ch l a u d. Crefetd. Herr Ci'iTra’lunev l>r. Horoivitz ha: ar. die Gemeinden seines Nnbbinatssprengels ein «Evenlär gerichtet, inorin er die Mängel in den Schulen, die er aus seinen Inspeerionsrersen wahrgcnommeu, heroo-hert und „über die Mittet zur Ueberwachung und ,vorder,:ug des jüdischen Schulwesens" in diesem Bezirke , geeignete Vorschläge macht. Wir entnehmen dei.'-seiben folgendes: Bereits unmittelbar nach dem Antritte meiner Stellung sprach ich wiederholt die Meinung aus, das; es einer gewissen einheitlichen Organisation und eines einheitlichen Zusammenwirkens in allen Schulangelegen- Iieinn tes Sprengels bedarf, wenn dieselben von einer Ceutralseelle aus in irirksamer Weise gefördert werden sollen. — Tie Erfahrungen, die ich bis jetzt in meiner Aimsthäligkeit gesammelt, haben jene Ansicht zu einer festen Ueberzeugung gekräfrigt und meinem lebhaften Wunsche nach Verwirklichung derselben auch bestimmte Gestalt und Fornr verliehen. Zwei Grundübel sind es vornehmlich, die mir im Sprengel entgegentratcn, und die der energischen Abhilfe bedürftig sind: 1. Die Mangelhaftigkeit der meisten bestehenden schulen uns 2. Der Mangel an Schulen überhaupt. Was die Mangelhaftigkeit der Schulen betrisst, über welche so viele häufig thatsachlich begründete Blagen vernommen werden, so hat sie in den meisten Hallen ihren Grund in dein vollständigen Mangel an Aussicht, oder im Mangel an genügender Aussicht. 'sollten wir auch nicht die allgemein ausgestellte Behauvrung gelten lassen, daß bei jedem noch so ehrenhaften und pflichlgetreuen Lehrer allmählich eine Abnahme und Schwächung seines Eifers, eine Verminderung der Accnratesse in Ausübung seines Amtes eiiuretcn, wenn er sein Wirken aller Aussicht und Controlle baar wisse; daß ferner in einem solchen #vaßc die Zahl der Versäumnisse desselben häufiger und namentlich die so nothwendig regelmäßige Angabe der unberechtigten Versäumnisse der Schüler nachlässig betrieben werde, oder überhaupt gar nicht mehr stattfinde wollten wir auch diese Behauptungen in ihrer Allgemeinheit nicht gelten lassen, so ist es doch unbestreitbar, daß für die meisten Lehrer und Schulen eine solche Ueberwachung, die sich namentlich durch zeitweiligen Besuch der Schulen, durch Anwesenheit während des UntervGchtes kundgeben muß, nicht blos von bester Wirkung, sondern geradezu unentbehrlich ist, selbst wenn den Ueberwachenden vermöge ihrer Lebensstellung eine Kompetenz in Beurtheilung von Schulangelegenheiten nicht innewohnt. — Es steht erfahrungsmäßig fest, daß es sogar im Interesse, ja in den. Wünschen des gen-issenhaften Lehrers liegt, eine solche Theilnahme für Schule von außerhalb her auch in der Schule tbätig austreten zu sehen, die Fortschritte in seiner Lehrthätigkeil auch vor den Augen Anderer gleichsam entfalten zu können, u)te denn ja auch jede Art von Inspektion, ja auch nur jede Anwese heit von Fremden ans die Haltung, Disciplin und den Lerneifer der Kinder von überaus woblthätigem Einflüsse ist. In dem Interesse, das man den Kindern gegenüber bekundet, unib ihr eigenes Interesse geweckt. — Solche Folgen konnten dem Unterzeichneten schon nach ein- oder zweimaligen von ihm vorgenommenen Inspektionen von Seiten der Lehrer conslatirt werden. — Daß aber eine einzige Schulreoision innerhalb eines Jahres, oder gar dreier Jahre nicht hinreichend sein könne, bedarf wohl keines näheren Nachweises. Wie steht es nun mir der anderweitigen so nothwendigen Aussicht — im Sprengel? Für viele Schulen ist der Ortspfarrer der ofsiciell bestallte Inspektor. Aber leider nur nominell in jeder Beziehung. Es hat faktisch fast keiner dieser Herren Inspektoren die unter ihm stehende jüd. Schule auch nur ein einziges Mal besucht oder inspicirt. — Ein Ersatz dafür in einem beaufsichtigen Schulvoxstande wird dadurch zur absoluten Nothwendigkeit. — In vielen, wenn nicht in den meisten kleineren Gemeinden besteht ein solcher Vorstand gar nicht, und da, wo er besteht, tritt doch eingestandenermaßen seine Wirksamkeit nur in sehr schwacher und keinesweges in obengenannter Weise hervor. Die nachtheiligen Folgen stellen sich denn auch gar oft in empfindlichster Art ein. Darum bedarf es durchaus eines gewissen Centralpunktes, von welchem die Ueberwachung des ganzen Schulwesens ausgeht, und die zunächst darin bestehen muß, jedem Ort, in welchem eine jüd. Schule eristirt, die Verpflichtung aufzuerlegen, einen Schulvorstand zu ernennen, der nach festgesetzten Bestimmungen seine Funktion auszuüben und, auf Befragen, über dieselbe Bericht zu erstatten hat. Der zweite, bei weitem wichtigere und bedauerlichere Punkt ist: Der Mangel an Schulen überhaupt. Wir verstehen unter „jüd. Schulen" nicht fpeciell

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