Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1872)
- Date
- 1872-05-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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499 das stets immer dann der Träger der Wissenschaft geblieben ist, wenn in andern Kreisen das Licht derselben zu erlöschen drohte, das die Wissenschaft wie einen heiligen Schatz gehütet, wenn die übrige Welt Anderes zu thun hatte, als sie zu pflegen, einen größeren Bildungstrieb, eine höhere Empfänglichkeit für das geistige Gut der Welt absprechen- V* Mogrammenschau. 1) Einladungsschrift der Real- und Volksschule (Philanthropin) der isr. Gemeinde zu Frankfurt a. M. Den Schulnachrichten geht eine treffliche Abhandlung, „Einführung in die Zahlentheorie," von G. Wertheim voran, die aber viel zu gelehrt gehalten ist, als daß sie ihren Zweck, „den Schülern der beiden ersten Classen der Schule Gelegenheit zu geben, sich durch Privatstudium mit den Elementen der Zahlentheorie bekannt zu machen," erfüllen könnte. Im Sommer wurde die Schule von 768, im Winter von 758 Schülern und Schülerinnen besucht. Die verschiedenen Caffen der Schule wurden reichlich bedacht. 2) Die jüdische Elementarschule zu Breslau, zu deren Prüfung Dr. P. Joseph einladet, zählte im verfiossenen Schuljahre 72 Zöglinge. Ein Einblick in den Gang des Unterricht wird uns durch das Prüfungsprogramm nicht gewährt. 3) In dem Programm des Lehr- und Erziehungs- Instituts zu Pfungstadt macht der Director Dr. Joel die erfreuliche Mittheilung, daß eine bedeutende Erweiterung des Instituts durch Inangriffnahme eines großen zweistöckigen Anbaues an die bisherigen Jnstitutsgebäude vorbereitet wird. Jeder Freund einer wahrhaften gediegenen Schulbildung, die auf echt jüdischer Basis ruht, wird sich damit freuen, daß dieses Institut, das bereits so segensreich gewirkt, in die Nothwendigkeit der Erweiterung seiner Räume gesetzt worden ist. Der Lectionsplan hat insofern auch eine Aenderung, resp. Erweiterung , erfahren, als eine neue Clasfe gebildet und in einzelnere Lehrobjecten, namerrtlich den mathematischen Wissenschaften, das Classenziel erweitert wurde. 4) Vierter Jahresbericht über die hebräische Unterrichts-Anstalt des Di*. P. Neustadt zu Breslau. Es macht uns immer eine besondere Freude, wenn uns dieser Jahresbericht überbracht wird, da aus diesem sich deutlich ergibt, was ernstes Streben und heilige Begeisterung vermag. Es ist nichts Kleines, in einer I Stadt wie Breslau ein Institut zu errichten und zu erhalten, in welchem ein hebräischer Unterricht gegeben wird, der die Zöglinge bis zum Talmud fuhrt. Der Talmud-Unterricht beginnt in II. A. In I. A. wurde durchgenommen Tract. Megillah ganz, Baba Bathra Abschn. 1 und Gittin 55 b.—58 a., alles statarisch, wahrlich ein großes Pensum für die der Schule kurz zugemesfene Zeit. Die Schule zählt 70 Zöglinge, von denen 18 unentgeltlich und 26 für die Hälfte des Schulgeldes unterrichtet werden. Menschenfreunden und Wohlthätern empfehlen wir auf's Wärmste die so segensreich wirkende Anstalt und verbinden mit dem Leiter der Anstalt die Bitte an Besitzer von Privatbibliotheken, Autoren und jüdische Buchhandlungen, die Bibliothek der Anstalt mit Dnso, wie auch mit deutschen Werken über Juden und Judenthum zu erfreuen. Alle Anerkennung verdient der Magistrat der Stadt Breslau, welcher dem Institute von jetzt ab ein Classenzimmer der 1. ev. Mittelschule zur unentgeltlichen Benutzung überläßt. Den Schulnachrichten geht der 1. Theil einer Abhandlung, „die Gottes- und Unsterblichkeitslehre," vom Director voran. 5) Der von Rabb. Dr. I. Hildesheimer herausgegebenen Einladmrgsschrift zur öffentlichen Prüfung der Religionsschule der Gemeinde Adaß Jisroel in Berlin geht eine Abhandlung, „Die Erziehung in Schule und Haus," von M. Altmann voran, die „den wundesten Theil einer Religionsschule berührt". Zwei Krebsschäden sind es vorzüglich, die eine segensreiche Thätigkeit der Religionsschule hindern: der geringe Respect, den oft Eltern derselben entgegenbringen, dieselbe als etwas Nebensächliches betrachtend, die sich mit den kümmerlichen Brosamen von Zeit und Lust, die man ihr hinwirft, begnügen muß, und die häusliche religiöse Praxis, die nicht selten sich in klaffendem Gegensätze zu der Theorie verhält, die in der Schule gelehrt wird. Die Abhandlung legt es nun den Eltern im Interesse der Kindererziehung an's Herz, diesen Schäden entgegenzuarbeiten , die Kinder durch ihr eigenes Thun vor einem Zwiespalt zu bewahren, und stets bemüht zu sein, durch die größte Achtung vor der Anstalt, diese in den Augen der Kinder zu heben. Mögen die Eltern die wohlgemeinten und aus dem Herzen gesprochenen Worte beherzigen! Den Schulnachrichten entnehmen wir. daß durch die Bildung einer ersten Mädchenclasse die Schule ihre vollständige Eintheilung in 9 Classen erhalten habe. Nur die wackere Hingabe der Lehrer an die Heiligkeit der Sache vermag das zu leisten, was dort geleistet wird. Zum Schluß spricht der Director noch den Wunsch aus, aus der Religionsschule eine Realschule hervorgehen zu lassen, in welcher der hebr. Unterricht ein integrirender ist; es wäre etwas Großartiges, würde in Berlin eine jüdische Realschule gegründet werden, welch' ein