Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1872)
- Date
- 1872-05-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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M 3. (Pädagog Beilage zu Nr. 22 des „Israelit", xm J-hrg.) Mälter für Mule und Haus. V Meöer Höchler-Schuten und Wädchen- Wntrrricht. (Fortsetzung.) Es ist schon viel darüber geschrieben worden, wie eine tüchtige Durchbildung der Mädchen manches zur Besserung unserer socialen Verhältnisse beitragen würde, wie gerade eine gediegene Schulbildung dem Mädchen eine günstige Perspective eröffne, da eigene Arbeitskraft und Thätigkeit demselben die Möglichkeit biete, sich, wie man sich gewöhnlich ausdrückt, zu versorgen oder wenigstens zur Versorgung nicht unerheblich beizusteuern, wenn dem Hause die.Mittel dazu gänzlich oder theilweise fehlen. Namentlich ist es Fanny bewald , die diesen Gedanken trefflich in einer Reihe von Briefen in den Westermannscheu Monatsheften ausgeführt hat. Ist es denn so undenkbar, daß außer dem Lehrfache und der Geschäftstätigkeit in Modenwaarengeschäfte u. s. w. der sich jetzt schon öfters junge gebildete Damen widmen, auch das Comptoir des "Finanzmannes ein möglicher Boden für die Thätigkeit der Frau sei? Wir kennen Frauen, die sehr tüchtig im Comptoir waren, warum sollten also nicht ebensogut, das was Einzelne gekonnt, Alle können > Wie vieler Noch wäre ein Ende gemacht, wie viel Sorgen würden aufhören, würde man allerseits, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, erst ein falsches Vorurtheil zu überwinden, sich entschließen und erkennen, daß die Intelligenz und Arbeitskraft der Frau gerade so schwer wiegt, wie die des Mannes! Wir fordern deshalb fiir die Mädchen einen ebenso gediegenen Unterricht wie für die Knaben, denn nur darin liegt die Macht, einer socialen Krisis vorzubeugen, deren Hereinbrechen fchoir von Ferne droht. Man entgegne aber nicht, daß nur Unzufriedenheit mit seinem Stande erzeugt werde, wenn ein Mädchen von gediegener Bildung später durch Verhältnisse zn einer untergeordneten Stellung gezwungen werde — Scheinbildung mag wohl später Anlaß zur Unzufriedenheit geben, gediegene Bildung nienrals. Abgesehen aber von allem diesen, auch wenn die Umstände nicht auf die Nothwendigkeit materiellen Erwerbs Hinweisen, ist denn nicht die einstige Bestinunung des Mädchens, Mutter und Erzieherin der Kleinen zu werden, gewichtig genug, eine vollkommene Schulbildung für die Mädchen zu verlangen? Wenn es auch nicht in Abrede zu stellen ist, daß die Natur die Mutter schon mit dem Multerwerden einen gewissen pädagogischen Tact eingegeben, so läßt es sich doch, namentlich für unsere Zeit, nicht ableugnen, daß eine Mutter, deren Gesichtskreis durch eine gute Schule erweitert worden ist, einen großen Vorsprung, wenn das Erziehungswerk ihr ernst ist, vor derjenigen voraus hat, die eben nur auf das instinctive Gefühl hirtgewiesen ist. Dann ist es aber noch ein Punkt, aus den hingcwiesen werden muß: wenn trotz der dürftigen Schulbildung unsere Großmütter urtd Urgroßmütter vortreffliche Erzieherinnen waren, so war es eben der Ernst, mit dem sie sich dem Erziehungswerk widureterr, der sie au das Haus fesselte und sie sich in denrselben glücklich fühlen ließ. In unserer Zeit der Zerstreuung rrnd raffinirteir Genußsucht, die arrch die bürgerlichen Kreise ergriffen hat, gibt es nur ein Mittel, das als Gegengewicht gegen dieses centrifugale Streben wirken kann: eine gediegene Schillbildung, die vor Blasirtheit bewahrt und arrdere Güter werthschätzen rmd als erstrebenswerth erkennen läßt als diejenigen, die so oft als das Ziel der Wünsche von einer großen urtheilslosen Masse hingestellt werden. Wie glücklich aber auch die Mutter, die nicht allein Erzieherin, sondern auch Lehrerin ihres Kindes, oder wenigstens threni Kinde auf deul Lehrgebiete förderlich sein kann. Das ganze Erziehungswerk gewinnt an Reiz, wenn der Mutter auch eine Controle über die Schularbeiten zusieht, wenn Mutter uitb Kind gemeinsam zu Hause das Werk der Schule begleiten, und so in engster Bedeutung des Wortes Haus und Schule zusamnien arbeiten. Wollen wir also dem weiblichen Geschlechte vollkommen gerecht werden, wollen wir tüchtige Mütter, gute Erzieherinnen heranbilden, wollen wir den Mädchen eine Zukunft bereiten, die ihnen das Leben werth und lieb, die ihrem Leben einen Inhalt verleiht, der nie an Werth verliert: so sorgen lvir für einen gediegenen Mädchen-Unterricht. ( Fortsetzung folgt.) *** Wie schon vor 33 Jahren eine christt. Autorität üöer den Aitdungstrieö der Inden urthkitte. Es wird den Juden oft eine zu große Reizbarkeit zum Borwurf gemacht, daß es nur einer unbedeu-