Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1872)
- Date
- 1872-05-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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469 der heiligen Schrift in spanischem Text und in spanischer Paraphrase vorgetragen — eine Andeutung, daß die Vertreibung aus Spanien die Bekenner des Judenthums nicht minder schmerzlich getroffen habe, als der Verlust des gelobten Landes und des Nationalheiligthums. Von dem Einfluß des katholischen Kirchenthums auf die rituellen Formen zeugen in augenfälliger Weise auch die bei Beerdigungen üblichen Ceremonien. Es stndet nämlich in einer, zum Trauergottesdienst bestimmten, neben dem Begräbnißplatz belegenen Halle eine siebenmalige Pwcefsion um den in der Mitte des , Raumes ausgestellten Sarg statt, unter Absingung eines siebenstrophischen hebräischen Hymnus, dessen feierlich ernste Melodie den Hörer unwillkürlich an die düstere Eigentümlichkeit des Mittelalters mahnt. Auch in anderer Beziehung bietet dieser aus dem 12. Jahrhundert stammende Grabgesang, den wir hier in freier Uebertragung mittheilen, für den Culturhistoriker ein nicht unerhebliches Interesse: Dem Hingeschied'nen spende, Herr, Erbarmen! O niuun' ihn auf mit off'ncn Vaterarmen! Zu Deinen Höhen laß empor ihn schweben, Auf daß ihm werde ew'ges, sel'ges Leben. Vergebung wollest Du dem Sünder schenken, Doch huldvoll seiner Tugenden gedenken. Empor zu Deiner Treue Sitz ihn heben. Begnaden ihn mit ew'gem, set'gern Leben. Was gläub'gen Sinneser gehofft hienieden, Das sei in Deiner Nähe ihm beschieden; Ihm werd' erfüllt das Wort, das Du gegeben: Verheiß'nes Heil in ew'gem, sel'gem Leben. Des Himmels Pforten laß ihm offen stehen. Den Weg zur Friedenstadt ihn freudig gehen. Der Friedensengel Gruß laß ihn umweben. Empfangend ihn zu ew'gem, sel'gem Leben. Erzväter winken ihm an Deinem Throne, Propheten künden Heil Jsrael's Sohne, Daß ihm vergönnet sei, emporzustreben Zur Engelsburg, zu ew'gem, sel'gem Leben. Dort siehet er die Seinen jauchzend wieder Und singt, zum Geisterchor gesellt, Dir Lieder: Nicht wird am Staube der Verdammung kleben Er, den Du rufst zu ew'gem, sel'gem Leben. Einst wird Dein mächt'ges Wort auf's Neu vermählen Die Leiber der Entschlaf'nen mit den Seelen: „Erlösung!" rufst Du — und mit freud'gem Beben Geht ein Dein Volk zu ew'gem, sel'gem Leben. Mit diesem Grabgesange und unter den unveränderten Klängen der uralten Trauerweise ist eine Gcnoration der andern auf dem letzten Wege zur Nachbarstadt gefolgt. „Mildere Jahrhunderte" haben unterdessen den Geist der Unduldsamkeit verdrängt, der die andersgläubigen Einwanderer aus dem >L>üden empfing, und jetzt, da die Pforten jenes altehrwürdigen Friedhofes für immer geschlossen worden, scheidet die Gemeinde von der Ruhestätte ihrer Angehörigen mit dem erhebenden Bewußtsein, daß die Macht der fortschreitenden Humanität den Hamburgischen Staat aus den Fesseln des Glaubenszwanges erlöst und in ihm der Glaubens- und Gewissensfreiheit eine dauernde Stätte gegründet hat. ANZEIGEN. Aür einen kleinen Haushalt wird eine Dame, mofj falsch, gefetzten Alters, zur selbstständigen Führung der Wirthschaft gewünscht. Dieselbe muß aber gleichzeitig neben einem Hausmädchen die Küche perfect besorgen. Offerten befördert sub D. 4057 die Annoncen- Expcdition von Rudolf Mosse in Berlin. empfiehlt billigst en gros empfiehlt billigst en gros R. Adam in Posen. CommisÜellL-Gesnch. Ein junger Mann, Israelit, der seine Lehre in einem bestrenommirtcn Bankhause Süddeutschlands bestanden, und in dieser Beziehung gute Zeugnisse besitzt, wünscht wieder in einem Bankhause als Comptorift placirt zu werden. Gefl. Offerte sieht man unter der Chiffre A. B. poste restunto Schwäbisch Hall (Württemberg) entgegen.