Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1872)
- Date
- 1872-05-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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459 diese Gefangenen vor den Assisen in Buzeu aus? Hier sind ihre stenographisch aufgenommenen Worte: Angeklagter Abraham Praißman vom Präsidenten befragt, warum er Silbermann zum Diebstahl verleitet habe, antwortet, daß dies nie geschehen fei, er habe keine Ahnung gehabt, daß Silbermann ein so gemeines Verbrecher: beabsichtige. Präs.: Warum haben Sie beim Jnstructionsrichter eingestanden, ihn überredet zu haben, und leugnen nun Alles? Sprechen Sie lieber die Wahrheit. Angekl.: So lange ich den furchtbarer: Martern, denen mich der Commissär Pctrachi Hristea, mein größter Feind, im Beisein des Translators Dropulo unterzog, widerstehen konnte, habe ich nie zugegeben, irgend etwas zu wissen, erst später, als man mich zwei Nächte hintereinander mit Händen und Füßen an eine Stange gebunden, je 25 bis 30 Mal in einer Höhe von 6 Fuß aushob und plötzlich herabsallen ließ, so daß ich wie todt liegen blieb, daß mein Gehirn gänzlich erschüttert war, daß ich wochenlang nachher nicht anders als aus dem Bauche liegen konnte, und als man mich mit noch größeren Foltern bedrohte, gab ich nach, Alles zu sagen, was man von mir verlangte. P r ä f.: Warum haben Sie nicht dem Jnstructionsrichter geklagt, daß Sic geschlagen worden? Angkl.: Wie konnte ich dem Jnstructionsrichter irgend etwas sagen, da derselbe nicht in feiner Kanzlei, sondern in der Polizei in Gegenwart meiner Peiniger das Verhör vornahm, mich überdies nie zu Wort kommen ließ, sondern unter dem Vorwände, daß ich nicht genug gut rumänisch spräche, blos durch Vermittlung des Translators Dropulo mit uns verkehrte. — Später als der Herr General-Procurator mich im Kerker aussuchte, und mich direct in Gegenwart von mehreren Kaufleuten befragte, wagte ich erst, die ganze Wahrheit zu gestehen. Präs.: Sie erwähnten früher, daß der Commissär Petrachi Ihr ärgster Feind fei; woraus stützen Sie diese Aussage? Äuge kl.: Weil derselbe mir seit IV- Jahren eine Summe Geldes schuldet, und ich ihn deswegen mehrere Male beim Polizeimeifter, und endlich, als dies nichts hals, beim Friedensrichter verklagte; — währenddem er mich folterte, hörte ich ihn auch einigemale sagen: „Dies ist die Bezahlung meiner Schuld". Angeklagter Haim David vom Präsidenten befragt, warum er Silbermann zum Diebstahl veranlaßt und die heiligen Gefäße in die Latrinen geworfen habe, erklärt, in Thränen ausbrechend, daß er von nichts wisse. Präs.: Warum haben Sie vor dem Jnstructionsrichter erklärt, die Sachen in die Latrinen des Hauses Pascalovitz geworfen zu haben, woselbst sie auch gefunden wurden, und nun leugnen Sie? Sagen Sie die Wahrheit. Angekl.; Sie haben ja schon gehört, wie man uns mit Gewalt Zugeständnisse erpreßte. Von mir wollte man, ich solle durchaus gestehen. wohin ich die gestohlenen Sachen geworfen. Da ich einerseits die Martern fürchtete, die mein Compagnon erduldete, und die ich bei meiner Schwäche unmöglich ertragen hätte können, anderseits den Ort nicht angeben konnte, weil ich denselben einfach nicht kannte, sagte ich auf gut Glück, ich hätte die gestohlenen Sachen in Praißman's Ofen versteckt; es wurden dort Nachsuchungen angestellt, natürlich obne etwas zu finden; hierauf wurde ich barbarisch mißhandelt; die Barthaare wurden mir mit einem stumpfen Messer einzeln ausgerissen, eine geladene Pistole wurde mir in den Mund gesteckt. Faustschläge, Hiebe mit flacher Säbelklinge und Ohrfeigen gar nicht gerechnet, und schließlich drohte man mir noch mit denselben Torturen, die man bei Praißmann angewendet. — Da lag ich denn weinend und schluchzend neben Praißman, als man (es war am 3. Abende) den Dieb hereinbrachte. Er stellte sich neben mich und fragte mich, warum ich weine. Weil ich sagen soll, wo die Sachen find, und es nicht weiß, und nun meiner die fürchtertichsten Qualen warten, war meine Antwort; wenn Du sagen willst. Du selbst habest sie dorhin gelegt, nenne ich Dir den Ort, sagte er hierauf; ich versprach es ihm; so erfuhr ich den Ort, den ich nun dem Jnstructionsrichter angab. Nachdem die Sachen gefunden waren, führte man uns endlich in den Kerker, und die Untersuchung war beendet. Angeklagter Israel Vaihmann vom Präsidenten befragt, warum er vor dem Jnstructionsrichter erklärt, daß er um den Diebstahl gewußt habe, sagt: Angekl.: Ich hahe nie eine solche Erklärung abgegeben, ich kann rumänisch weder sprechen noch auch lesen oder schreiben und weiß also nicht, was der Translator Dropulo in meinem Namen ausgesagt, noch was^ ich unterschrieben. Und nun, was sagte der Dieb Silber mann, zum vierten Male, in offenem Geständnisse vor dem Gerichtshöfe aus? Hier sind seine Worte: Präs.: Wer hat Dich zu diesem Dieb'' 'r verleitet? Angekl.: Niemand. Präs.: Du sagst nicht die Wahr"' dem Jnstructionsrichter sagtest Du, da^ und die Anderen dazu überredet härte Angekl.: Ich habe bei meine' Chilia sofort in Gegenwart des von Niemandem verleitet word-' spater beim Jnstructionsrichter von denen ich Goldschläger r