Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1872)
- Date
- 1872-05-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XIII. Jahrgang. Zweite Beilage zu Rr. 20 des Israelit. Leitender Artikel. Einige Worte über „JaKuttät und Seminar." Der Artikel „Fakultät und Seminar" behandelt ein so wichtiges Thema, daß es sicherlich der Mühe werth, denselben einer Besprechung zu unterziehen. Vor Allem ist es aber der Ton, mit welchen! die „sogenannten ni:w>" in demselben behandelt werden, und die der Orthodoxie augedichtete „Kurzsichtigkeit und Gleichgiltigkeit," welche zu e ner Erwiderung auffordern. Warum, mit welchem Rechte nennt der Herr Correspondent unsre leider nur zu wenigen rro'E" so schmählich und feindselig „sogenannte ninnrV" Gibt cs etwa heutzutage bessere Pflanzstätten für min ~nmr % — Und diese p*o nnxty wagt man so schmählich zu behandeln? Jene kerngesunde, echte Orthodorie, welche frei von jeglichem Dünkel und Schwindel, frei von selbsttäuschender Eitelkeit und geistiger Putzsucht, sich als gründlich und segensreich cmitf Dtp wirkend bewährt, — dieser wagen Sie. Herr Correspondent, den Vorwurf der „Kurzsichtigkeit und Gleichgiltigkeit" entgegen zu schleudernd? Das sind allerdings schwer wiegende Worte, welche aber von vornherein die ganze Behandlung der Materie des gedachten Artikels ins rechte Licht setzen, weßhalb wir sofort zur Sache selbst übergehen. — das Resum« des ganzen Raisonnements wäre nun mit wenigen Worten in Folgendem zu präcisiren. Ein orthodoxes Rabbiner-Seminar ist das Universalmittel zur Bildung wissenschaftlich gebildeter Rabbiner der Neuzeit, und zwar ein solches das „eine möglichst gründliche Durchforschung der jüdisch-wissenschaftlichen Gebiete" zur Aufgabe hat. — Hierauf habe ich nun folgendes zu erwidern: 1) Allerdings soll heutzutage der Rabbiner wissentschaftliche Bildung besitzen und daß diese weit besser an eurer Anstalt als in autodidaktischer Weise zu erlangen ist, steht fest. 2) Ist es allerdings sehr schön und wünschenswerth alle Zweige der jüdischen Wissenschaft von orthodoxer Seite betrieben und bearbeitet zu sehen, was nanrentlich in Bezug auf jüdische Geschichtsforschung gilt, welcher ganz besondere Aufmerksamkeit zugeweudet werden sollte; 3 soll letzteres aber gleichzeitig Arrfgabe des angehenden Rabbinatscandidaten werden — Aufgabe junger Männer, welche die Befähigung erlangen, sollen nicht blos Talmud lesen, sondern auch erne zu paßkenen, die über hdx und “imo über “itsa und hdid, i3"oi n”o entscheiden sollen; der Rabbiner hat ja nicht blos über c"n mix j/'V Entscheidungen zu ertheilen, sondern auch über mn njn, also n'mpvr m: ,n‘D~D , nv'irn' 'n; er hat ja nsprr j’&mp vorzunehmen, also auch den iTjn px zu kennen: so ist demgemäß die Lösung oer obenbezeichneten Aufgabe — wenn nicht bei ganz besondern Capacitäten, verbunden mlt eisernem Fleiße — die reinste Unmöglichkeit. Die Folge davon wäre aber, daß wir vielleicht „Gelehrte," Doktoren, welche bestenfalls „fromme Am-Haarazim" sind, zu Rabinern stempeln müßten, Leute, welche die rm:: crcsn ijpöp pdo „eine Münze, welche unsere Chachamim für die Ehescheidung prägen ließen"??? aufsuchen, von '.“t aber eben so wenig als von n-mü 'n oder mss wissen. Wer aber möchte die Hand dazu bieten, so traurige Zustände durch Gründung einer Anstalt zu sanctioniren und eure Pflanzstätte zur Verkrüppelung der Thora und des Judenthums )"n schaffen zu helfen d — Nicht „Kurzsichtigkeit oder Gleichgiltigkeit" gegen die traurigen Zustände der Zeit ist daher das Motiv der Passivität bezüglich der Gründung eines Rabbiner-Seminars auf wahrhaft orthodoxer Seite , vielmehr gerade die bessere Einsicht und die Erkenntniß, wie schwierig der Kampf gegen die eigenen Parteigenossen, welchen das richtige Verständnisz und der klare Blick abgeht, welche sich's zur Aufgabe machen, der Breslauer hohlen historischen Phrasenmacherei sich „ebenbürtig" zu zeigen oder sie noch zu übertreffen? welche diesen sogenannten wissenschaftlichen Kampf gegen die reformistischen Anstalten zum Kriterium eines Rabbiners der Jetztzeit machen, die Hauptsache aber außer Acht lassen. Solchen Bestrebungen kann derjenige sich nicht anschließen, der den Ausspruch des Talmud nicht außer Acht läßt, D'im mini nxmm jmn m nr m^n omn, der von dem Bewußtsein durchdrungen ist, für die Befähigung zu casuistischen Entscheidungen durch seine Autorisation oder Protection eingesetzten Rabbiner — dem Himmel und der Welt verantwortlich zu sein. — Wenn die „Breslauer Schule" „historische Studien" sich zur Aufgabe macht, so hat sie eben nichts Anderes zu thun. sie versäumt dabei durchaus nichts, Meister und Schüler haben sich über religiöse Scrupel längst hinweggesetzt und deren nnmni n^xer machen ihnen wenig oder gar nichts zu thun? Ein auf orthodoxem Standpunkte stehender Rabbiner, der seinen eigentlichen Beruf als nx~in mm nicht ausfüllt aber, wenn er auch noch so fromm, gegesinnungstüchtig, characterfest und wie diese üblichen Bezeichnungen lauten und auch der beste Literarhistoriker und jüdischer Archäologe wäre, — ist dem Judenthum gefährlich, weil er möglicherweise ohne es zu