Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1872)
- Date
- 1872-04-17
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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M 2. (Pädagog Beilage zu Nr. 16 & 17 des „Israelit", xm. J-hrg.) Blätter für Schule und Haus Die Idee des <Lehreröerufes. *) (Schluß.) Die Idee des Lehrerberufs finde ich aber in nichts Geringerem, als in der Unterstützung Unmündiger durch den Lehrer (Erzieher), um aus seiner Unmündigkeit im Erkennen (in der Weisheit), im Wollen (in der Tugend), im Glauben und im Können (Characterbildung auf der einen, Geschicklichkeiten und Fertigkeiten auf der andern Seite) zu dem Grade von Mündigkeit und Vollkommenkeit gefördert zu werden, deren als dieses bestimmte Individuum überhaupt fähig ist. „WUsheit, Frömmigkeit, Tugend, Geschicklichkeit" erscheinen nur als die wesentlichen Formen, welche jeder wahre, echte Lehrer bei seinem Zögling ins Auge zu fassen und anzubauen Hit Das Wissen, welches der Jdeallehrer im Schüler hervorbringt, ist nicht gleichbedeutend mit dem bloßen Besitze einer Menge disponibel liegender Kenntnisse, ist nicht das Angefülltsein des Geistes mit Gedächtnißwerk, ist nicht das eitel und aufgebläht machende Wissen, welches zu keiner eigentlichen Kenntniß und Durchdringung von Wissensgebieten, zu keiner selbstständigen Erfassung irgend welcher wissenschaftlicher Disciplinen gelangen läßt: Der Jdeallehrer will vor Allem die geistige Kraft wecken, geistig üben, zum Denken gewöhnen und anleiten, Interesse an allem möglichen Wissenswerthen Hervorbringen, und dies erreicht er durch rechtes sich Bescheiden in der Wahl des Lernstoffes, durch adäquate glückliche Methoden. Das Wissen selbst ist für ihn nicht Selbst- oder doch nicht alleiniger Zweck, sondern es ist ihm selbst wieder Organ zur Erreichung eines Höheren: nämlich der sittlichen Vervollkommnung des Schülers. Für ihn, den Jdeallehrer, ist die sittliche d. h. zur Humanität erziehende Kraft des Unterrichts stets so sehr die Hauptsache-, daß tr nie den bloß gescheidten, aber stets den sittlich tüchtigen Schüler ins Auge faßt. « „Menschen zu Menschen ihrer Idee und ihrem Ideal nach machen" das soll und will der Jdeallehrer. Erreicht er damit nicht zugleich all die sonstigen berechtigten praktischen Zwecke des öffentlichen Unterrichts? Er wird sie um so sicherer erreichen, als er mit Liebe ans Werk geht und mit Gewissenhaftigkeit, ja mit An- *)_ Aus „Briefe an einen Lehrer" in: K e f e r st e i n, Pädagogische Streiszüge. Cassel und Leipzig 1870. (Luckhardt.) dacht beim Werke verharrt, als die große , ja gewaltige Idee „der Menfchenbildung" ihn unermüdlich in seiner Pflichterfüllung, ihn ungemein erfinderisch in den Mitteln des Lehrens und Erziehens, ihn unendlich strebsam in seiner Selbstvervollkommnung als Lehrer machen wird. Wer als Lehrer sich sagt und sich dessen bewußt ist, er sei ein Hauptmitarbeiter am Werke der Menfchenbeglückung, weil der Menschenbildung d. h. der Erlösung der Menschen aus Jrrthum und Sünde, so wie aus allem Schmutz des Lebens, der muß wahrlich mit ungleich größerer Wucht arbeiten, als der ideallose Miethling — namentlich wird er an sich selbst die strengsten Forderungen stellen, um ein immer vollkommnerer und damit immer erfolgreicher wirkender Lehrer und Erzieher zu werden. Diese Arbeit an sich selber wird sich nicht weniger auf seine wissenschaftliche Fortbildung, als auf seine sittliche Vervollkommnung erstrecken. Also das Erste, was ich Ihnen, mein junger Lehrcrfreund, zurufe, ist die Mahnung: suchen Sie sich über die höchsten Aufgaben und letzten Ziele, d. h. über den Kern und Mittelpunkt aller Belehrung und Erziehung der Unmündigen ein klares Bewußtsein zu verschaffen, denn nur dann können <L-ie sich zu Ihrem Berufe in geeigneter Weise vorbereiten, nur dann diesen Beruf mit aller Jnnbrunst der Liebe, ja mit Begeisterung ergreifen. *** Aecenstonen. *#* Deutsche Schulzeitung, Redigirt unter Mitwirkung nahmhafter Pädagogen und Schulmännern von Or. Eduard Keller. Berlin (Rob. Oppenheim.) Wir besitzen in oben genannter Zeitung ein Blatt, das eine bedeutende Lücke in der periodischen Literatur der Pädagogik ausfüllt. Man darf getrost dieses Blatt einen Sammelpunkt für alle Lehrer Deutschlands nennen, denn was irgendwie u. irgendwo in weitem deutschen Reiche für die Lehrerwelt Interessantes sich ereignet, erfahren wir durch dasselbe. Die Richtung des Blattes ist eine freisinnige, und sind es namentlich die materiellen Interessen des Lehrerstandes, welche dasselbe mit Wärme vertritt. Es epistirt bis jetzt noch keine pädagogische Wochenschrift, welche so vielseitig und mannigfaltig ist, wie die vorliegende.